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Roadtrip in Uganda und Ruanda – Teil 2 mit Schimpansen-Trekking im Kibale Forest

Tag 5 und 6

Von Hoima aus führt die Reise zu den Kraterseen südlich von Fort Portal und den Kibale Forest. Denn dort wartet ein weiteres Highlight auf uns, das Schimpansen-Trekking.

Doch zuerst heißt es die Straße zu bezwingen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Straße zwischen Masindi und Fort Portal gilt als richtig schlecht. Wir können das bestätigen und sind im Nachhinein sehr froh, am Tag zuvor schon einmal bis Hoima gefahren zu sein. Sechs Stunden in etwa bräuche man, hieß es im Kolping Guest House, wo es am Morgen noch ein leckeres Frühstück African Style gab (Kartoffeln, Baked Beans, Würstchen, frisches Obst und Nescafé). Das Abendessen (Kochbananen-Brei – also wie Kartoffelbrei -, Papps, Gemüse, Fleisch) war auch schon super. Dass die Briten am Nebentisch Spaghetti mit Tomatensoße bestellten, konnten wir nicht nachvollziehen.

Also rein ins Auto und los – mit kalten Lebensmitteln in der Kühlbox, die die Gastgeber dankenswerter Weise im Kühlschrank aufbewahrt hatten. Wir erwischen dann auch nicht die Hauptverkehrsstraße, sondern schlängeln uns mit unserem Toyota RAV 4×4 (in weiß mit viel Schlamm besprengt) 14 km lang durch das Outback. Tiefe Gräben durchforsteten immer wieder den Weg. Aber es macht Spaß, denn wir kommen durch kleinere Siedlungen und erhalten so sicherlich noch einmal ganz andere Einblicke. Es gibt zum Beispiel bei jeder noch so kleiner Häuseransammlung mindestens eine Kirche. Und klar: Offroad und Jule, das passt. Danke an der Stelle an Carsten, Uwe und Werner fürs Beibringen in Namibia 😉

Straße zwischen Hoima und Fort Portal.
Offraod unterwegs – und Regen im Anmarsch.

Nachdem wir wieder die Hauptstraße erreichen, wird der Untergrund auch nicht wirklich besser. Zwischendrin treffen wir auf Bauarbeiter, die auf einer Strecke von 20 km die Straße asphaltieren. Das ist eine richtige Wohltat und sorgt dafür, dass wir etwas besser voran kommen – auch wenn es mal nur geschottert oder glatt gezogen ist. So lernen wir gleich noch, welche Arbeitsschritte es beim Straßenbau gibt…

Neben den vielen Schlaglöchern und Humps (in jedem Ort mindestens zehn), sind auch die anderen Autofahrer interessante Begleiter. Man kann es einfach nur mit Humor nehmen! Natürlich sind sie auch auf der Suche nach dem Straßenbelag mit den wenigsten Löchern. Wenn sie die Lichthupe aktivieren, weiß man, dass sie nicht von ihrem eingeschlagenen Weg abweichen werden. Ist doch auch egal, dass sie auf der Gegenseite fahren. Aktivieren sie die Blinker, weiß man, dass man nicht selbst gleich in den Straßengraben fahren muss, sondern noch so an ihnen vorbei kommt. Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß, die Fahrmanöver entsprechend zu kommentieren. Bei manch einem Fahrer im schrottigen Kleinwagen vermuteten wir durchaus auch Aspiranten für die Rallye Dakar.

In Fort Portal gibt es einen kurzen Zwischenstopp für Brot und Wasser, bevor die Fahrt rund 20 km Richtung Süden weiter geht. Es folgt der schönste Abschnitt der Tagesfahrt: Haben wir uns zuvor schon an großen Teefeldern erfreut, auf denen eifrig gearbeitet wird, genießen wir nun den Blick auf grüne Hügel mit Tee, Bananen, und was wir alles nicht erkennen. In den Straßendörfern stapeln sich Obst und Gemüse am Straßenrand und so schlagen auch wir zu und kaufen Avocados und Kochbananen. Verständigung mit Händen und Füßen!

Einkaufen mit Händen und Füßen am Straßenrand: Super leckere Avocados und eine Menge Bananen noch gleich dazu.

Unser Platz für die Nacht liegt direkt an einem der Kraterseen. Wir sind die einzigen Gäste beim Rweetera Campsite und es ist uns ein wenig unangenehm, dass nur für uns Heißwasser, Lagerfeuer und Co gemacht wird. Den Tag lassen wir direkt am Ufer ausklingen, ein Tässchen Riesling von Mimi dazu – perfekt.

Tag ausklingen lassen direkt am Kratersee am Rweetera Campsite.

Um Punkt sechs Uhr hallt der Weckruf aus dem Dorf. Zeit auch für uns, aufzustehen. Um sieben sollen wir im rund zehn Kilometer entfernten Besucherzentrum zum Schmipansen-Tracking sein. 14 Personen dürfen am Tag zu den habituierten Tieren. Wir hatten bereits im Vorfeld das Permit besorgt. Nach einem kurzen Briefing und der Einteilung in drei Kleingruppen geht es los. Keine zehn Minuten im Regenwald, meint unser Guide, dass er gerade über Funk gehört habe, dass eine Schimpansen-Gruppe auf der anderen Seite der Straße sei. Wir sollen wohl besser zurück zum Besucherzentrum, uns in die Autos setzen, ein paar Kilometer fahren und dann von dort aus weitergehen. Garantiert wird die Sicht der Tiere nicht, aber im Kibale Forest liegt die Wahrscheinlichkeit bei 90 Prozent. Kaum hat unser Guide uns die Situation erklärt, hält er inne, lauscht und meint: Sie sind doch nah. Also gehen wir weiter und keine fünf Minuten später hören wir Affengeschrei. Die Begrüßung für uns, meint der Guide, fügt dann aber auch hinzu, dass sie sich so finden. Und plötzlich taucht vor uns ein Schimpanse auf. Wir folgen ihm durch das Gestrüpp und erreichen schließlich weitere Tiere. Klar werden direkt die Fotoapparate gezückt und alles festgehalten. Doch dass eines der Tiere ganz nah an uns vorbei geht und dabei sogar Jules Hosen streift, das bleibt uns wohl auch so immer in Erinnerung.

Schimpansen-Tracking im Kibale Forest Uganda: Ganz nah kommt uns dieses Tier.

Fast drei Stunden lang laufen wir durch den Regenwald, folgen den Schimpansen, treffen auf neue, beobachten sie. Es ist eine wahre Freude und ein einmaliges Erlebnis. Dass es da eine Verbindung zwischen Affe und Mensch gibt, bestätigt sich an diesem Morgen immer wieder. Da legt sich ein Tier entspannt zurück, mit dem Gesicht zur Sonne. Da sitzt ein altes Tier im Yoga-Stil fast meditierend da, während sechs Touristen gespannt um ihm herum schwänzeln. Da tippt sich einer am Kopf, als würde er sich über das Interesse an ihm wundern. Und als wir zum Schluss dann auch noch ein Weibchen mit ihrem Jungen entdecken, ist der Tag wirklich perfekt.

Schimpansen-Tracking im Kibale Forest Uganda
Schimpansen-Tracking im Kibale Forest Uganda
Schimpansen-Tracking im Kibale Forest Uganda

Begeistert kehren wir aus dem Kibale Forest zurück, sehen sogar ein paar anderen Affenarten und Streifenhörnchen. Gesehen haben wir keinen Busch-Elefanten – ein Glück, meinen die Ranger. Denn diese gelten als aggressiv und hätte einer vor uns gestanden, hätte unser Guide mit Schüssen in die Luft ihn vertreiben müssen.

Auf unserer Weiterreise zum Queen Elizabeth Nationalpark stoppen wir beim „Top of the World“. Von dem dortigen (privaten) Aussichtspunkt auf 1600 Meter gibt es einen großartigen Blick über die Kraterseen-Landschaft. Nächstes Jahr soll dort übrigens ein Zeltplatz aufmachen. Fertig ist alles, es fehlt nur noch der Strom. Da wir – mal wieder – die einzigen Gäste sind, können wir da oben auch entspannt Mittagspause machen: mit leckeren Avocados.

Top of the World Aussichtspunkt bei Kibale Forest

Und dann darf Lukas auch endlich mal die nächsten 140 km fahren…

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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