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Roadtrip Uganda – Teil 7 mit Kigali

Tag 15 und 16

Der Abschied vom Lake Kivu fühlt sich ein bisschen wie das Ende der Reise an. Kein Wunder, dass viele Ruander hierher kommen, um Urlaub zu machen.

Knapp drei Stunden brauchen wir bis Kigali, unsere letzte Station auf dieser Reise. Es schüttet und windet, entsprechend geht die Fahrt durch die Berge und über viele Serpentinen eher langsam voran. Wir fühlen uns nun tatsächlich in der Regenzeit angekommen.

Unterwegs sehen wir trotz des Wetters viele Menschen – Jung und Alt – arbeiten. Bäume werden gepflanzt oder auch gefällt, Hänge hergerichtet, ein Flusslauf bearbeitet. Es ist der letzte Samstag im Monat und damit „Umuganda“-Day. Ruander schaffen an diesem Tag etwas für ihr Land. Ordnung und Sauberkeit, wie sie uns bereits kurz nach der Grenze auffielen, sind hier begründet – meint zumindest der Autor des Reiseführers. Ein weiteres Ziel der Regierung unter dem Präsidenten Paul Kagame war es, dass die Ruander, egal welcher Volksgruppe sie entstammen, gemeinsam etwas tun, sich kennenlernen und damit nach den Erfahrungen des Genozids ein Einheitsgefühl entsteht.

Tschi-gali, wie Ruandas Hauptstadt richtig ausgesprochen wird, liegt auf 1540 Meter und gleicht einer großen Streusiedlung, die sich über viele kleine grüne Hügel zieht. Kaum einer der 1,2 Millionen Einwohner läuft gerne, erfahren wir später und so wundern wir uns auch nicht, dass wir auf unseren Spaziergängen ständig gefragt werden, ob wir nicht ein Taxi (ob auf zwei oder vier Rädern) wollen. Der deutsche Expeditionsreisende Richard Kandt gab der Stadt übrigens ihren Namen. Auf der Suche nach dem Ursprung des Nils kam er 1897 nach Ruanda. Kigali wurde 1908 in der Kolonialzeit unter seiner Führung das Verwaltungszentrum der Deutschen in Deutsch-Ostafrika.

Zuerst einmal heißt es aber unsere Unterkunft finden. Jules Pfadfinder-Bekannte Pascaline hat bei einer Bekannten ein Zimmer reserviert. Open Street Maps soll uns zur Adresse führen. Als wir am (vermeintlichen) Ziel ankommen, fühlen wir uns allerdings etwas fehl am Platz. Die Aussicht auf die Stadt ist großartig, allerdings sind es eher einfache Hütten, die am Straßenrand stehen, und wir werden mal wieder wie eine kleine Sensation neugierig angeschaut. Anrufe bei unserer Gastgeberin Amge und Pascaline bestätigen: Wir sind falsch. Nun beginnt ein fleißiges raten, wo wir denn sein könnten und wie wir zum richtigen Ort kommen. Pascaline nennt uns Orte in der Umgebung, doch entsprechende Suchabfragen bei Open Street Maps sind erfolglos. Wir finden schließlich beim genauen Studieren der Karte eines der Cafés, die uns genannt wurden, und kommen schließlich doch noch am richtigen Ort an.

Am Nachmittag besuchen wir im Vorort Gisozi das Kigali Genocide Memorial Centre. Es wurde 2004 eröffnet. Mehr als 250.000 Opfer des Genozids sind hier begraben. Die Ausstellung ist informativ, zeigt die Hintergründe des Völkermordes im Jahr 1994 der Hutu an den Tutsi, aber auch die Vorgeschichte mit ihren Gräueltaten. In einem Raum werden Bilder von Opfern gezeigt, nebenan sind Schädel und Gebeine zu sehen. Ein separater Raum geht auf Kinder ein, die während des Genozids ermordet wurden. Neben einem Bild von ihnen ist Name, Alter und Lieblingsessen angegeben, schließlich wie sie zu Tode kamen. Keine leichte Kost, doch konfrontiert auch mit der Geschichte anderer Völkermorde im zweiten Stockwerk der Gedenkstätte zeigt sich, wie wichtig es ist, immer wieder vor solchen Taten zu warnen. In vielen Orten, die wir passieren, sind entsprechende Erinnerungspunkte. Südlich von Kigali gibt es es zwei weitere Genozid-Gedenkstätten: Ntarama und Nyamata.

Wir fahren zum Place de l’Unité National (nach der „Straßennamenreform“ KN 1 Round-about) und stellen unser Auto ab. Die Avenue du Commerce und der Boulevard de l’OUA (KN 3 Ave) eignen sich hervorragen zum Bummeln. Botschaften, Banken und das Büro der Partnerschaft zwischen Ruanda und Rheinland-Pfalz sind hier angesiedelt. Insgesamt wirkt die Stadt entspannter und viel sauberer und moderner als Kampala. Schließlich erreichen wir das Denkmal für die während des Genozides ermordeten belgischen Soldaten. Deutlich sichtbar sind die Schüsse in der Mauer. Zurück zum Auto führt uns der Weg am „Hotel Mille Collines“ vorbei. Bekannt ist dies aus dem Film „Hotel Ruanda“, in dem die Geschichte des damaligen Hotelmanagers Paul Rusesabagina erzählt wird. Er hatte über 1200 vor den Interahamwe-Milizen ins Hotel Geflüchteten das Leben gerettet. Gedreht wurde hier allerdings nicht.

Am Abend sind wir mit Pascaline zum Essen verabredet. Mit dabei hat sie Larissa, ebenfalls Pfadfinderin und im African Committee. Ein lustiger und netter Abend! Am nächsten Tag hat unsere Gastgeberin Amge Geburtstag und wird von ihrer Familie überrascht. Klar, dass uns alle vorgestellt werden. Nach einem gemütlichen Frühstück im Shocola Café, einem Bummel durchs Viertel und einem Besuch beim Craft Center heißt es dann schließlich so langsam Abschied nehmen. Ein letzter Blick von Amges Haus auf die Innenstadt auf dem gegenüber liegenden Hügel, dann geht es auch schon los zum Flughafen. Ein Fahrer von Selfdrive Uganda, der den Wagen schließlich auch zurück nach Kampala fährt, setzt uns dort ab. Mit Zwischenstopp in Bujumbura (Burindi) geht es nach Addis Adeba und von dort aus zurück nach Frankfurt.

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Kigali

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Kigali -1.950850, 30.061500
Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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