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Island

Island, das Land der Elfen und Wikinger, das Land der faszinierenden Landschaften, der Gletscher und Vulkane. Es wird Zeit, dass wir die Insel entdecken – auch wenn die Zahl der Touristen stetig steigt und wir eigentlich nicht auf die klassischen Touristenattraktionen stehen. Doch Island überzeugt uns bereits im Vorfeld und steht schon lange auf der Reiseliste.

Für eine Woche sind wir zu viert – gemeinsam mit Lena und Rosanna – unterwegs. Bei Solheimar haben wir ein kleines Ferienhäuschen gemietet. Grimsnes gleicht eher einem Gartenhäuschen, doch das reicht vollkommen aus, um die Abende und Nächte hier zu verbringen. Tagsüber sind wir sowieso unterwegs. Weit abgelegen von jedem anderen Haus verbringen wir hier Zeit abseits der Touristenrouten, doch nahe dran am Golden Circle (Goldener Kreis) und damit an einigen Sehenswürdigkeiten Islands. Zwei kleine Kammern mit jeweils einem Stockbett, unten Platz für bis zu zwei Personen, ein Aufenthaltsraum mit Küchenzeile, Tisch, Mini-Eckbank und Mini-Couch, ein Mini-Bad – groß ist es wahrlich nicht. Für uns ist es ausreichend: Wir können selbst kochen und Dank Heizung ist es auch warm.

Unsere “Gartenhütte”.

Bei City Car Rental haben wir ein Dacia Logan MCV für rund 240 Euro die Woche gemietet. Die Hauptstraßen sind alle in gutem Zustand. Die Offroad-Routen bekommen wir damit nicht hin, doch es gibt ausreichend spannende Plätze nahe der asphaltierten Straßen in dieser Woche zu entdecken. Für den nächsten Besuch wissen wir aber bereits auch: Dann muss ein Allrad her! (Zum Ende unserer Woche in Island schneit es – Anfang Oktober! – und da sind dann auch die F-Routen zwischenzeitlich insgesamt gesperrt. Da hätte uns also auch kein Allrad weitergeholfen.)

Wir kommen gegen 20 Uhr mit dem Flieger aus Frankfurt an. Gebucht haben wir bei WOW-Air, da es dort günstige Flüge gab. Aber Achtung: Das Gepäck muss separat gebucht werden und wird beim Einchecken bzw. Drop-off sehr genau gewogen. Als Sparfüche sind wir je zu zweit mit 20 kg unterwegs, 10 kg dürfen pro Person zusätzlich ins Handgepäck. Da die dicken Klamotten voluminöser sind, wir wegen der hohen Preise auch Wein und ein paar Lebensmittel (für den ersten Abend Spaghetti, süßen Brotbelag, Gewürze,…) dabei haben, ist das Freigewicht schnell voll. WOW-Air bietet außerdem an Bord nur Essen gegen Bezahlung an – wer hungrig ist, sollte sich am Flughafen noch etwas holen.

City Car Rental ist nicht direkt am Flughafen Keflavik, aber die Abholung 30 Minuten nach Landung klappt sehr gut und so sind wir nach etwa zehn Minuten Fahrzeit bei der Autovermietung und übernehmen unser Auto. Schade nur, dass es bereits so dunkel ist und wir auf der etwa zweistündigen Fahrt nach Grimsnes nichts sehen.

Am nächsten Morgen heißt es Brot besorgen. In Solheimar soll es einen kleinen Laden und ein Café geben – wir fahren auf gut Glück die zehn Minuten ins Dorf, das nach unserem Besuch von uns nur Hobitdorf genannt wird. Der Ort ist wirklich knuffig, die Häusschen mit den hölzernen Namensschildchen davor hübsch anzusehen. Während wir über die kurvigen Straßen fahren, erinnert es uns stark an die Tolkiens Erzählung.

Das “Hobbitdorf” Solheimar

Da der Laden zu hat, fragen wir im Café, ob sie uns Backwaren verkaufen können. Auf ihrem Frühstücksbüfett gibt es zumindest eine kleine Auswahl. Doch die Frau möchte erst einmal sicher gehen, dass wir nicht Gäste im Ort sind und damit Frühstück inklusive hätten. Wir versichern ihr mehrfach, dass wir außerhalb wohnen – und sie öffnet extra für uns einen kleinen Laden, der eigentlich erst mehrere Stunden später öffnen sollte. Brot, Milch und Hummus fürs Mittagsessen – gut ausgestattet fahren wir zurück zur Hütte.

Schon kurze Zeit später sitzen wir wieder im Auto und sind auf der mit einer 35 gekennzeichneten Straße Richtung Norden unterwegs. Wir fahren – ungeplant – an einem Schild ab, dass zu einem Aussichtspunkt führt und sind begeistert. Wir sehen den ersten Wasserfall in Island, den Faxi (Vatnsleysufoss). Blau schimmernd bahnt sich das Wasser seinen Weg und wir freuen uns über erste tolle Bilder.

Wasserfall Faxi (Vatnsleysufoss)

Der Straße 35 folgend erreichen wir schließlich die ersten Geysire. Das Thermalfeld Haukadalur beheimatet den Stori-Geysir, der Namensgeber für diese Springquellen ist. Nur 100 Meter davon entfernt ist der Strokkur-Geysir, der regelmäßig empor schießt. Gespannt stehen wir davor und warten das explosionsartige Ereignis ab. Das Wasser in dem Becken beginnt zu sprudeln, schließlich bricht die mit Dampf gefüllte Wasserglocke, in verschiedenen Blautönen schimmern, und die Fontäne spritzt in die Höhe.

Strokkur-Geysir

Jede Menge Touristen sind hier unterwegs – auch an unserem nächsten Stopp, dem Wasserfall Gullfoss. Er zählt zu den schönsten Islands. Der Gletscherfluss Hvita stürzt in zwei verschiedenen Ebenen die Felsspalte herunter. Die beiden Ebenen sind im 90-Grad-Winkel zueinander gelegen und so können aus verschiedenen Perspektiven die Wassermassen betrachtet werden. Das Wasser prallt in der 32 Meter tiefer liegenden Schlucht Hvitargljufur auf, die Gicht spritzt bis nach oben. Wir können uns gut vorstellen, dass dies in der Abendsonne herrlich aussieht und damit der Name Gullfoss – der „Goldene Wasserfall“ – gerechtfertigt ist. Vom oberen Parkplatz aus laufen wir die verschiedenen Aussichtsplattformen an, um die Kaskaden aus unterschiedlichsten Perspektiven zu betrachten und natürlich zu fotografieren.

Gullfoss – der „Goldene Wasserfall“

Weiter geht es schließlich mit dem Auto zunächst über den gleichen Weg, den wir gekommen sind. Statt der 35 Richtung Süden zu folgen, wechseln wir auf die 37, um nach Laugavatn zu kommen. Der Blick über die Hochebene ist trotz Nieselregen sehr schön. Immer wieder sehen wir Schafe und Pferde. Im Ort gibt es direkt am See ein Dampfbad (Eintritt 3800 Isländische Kronen), doch auch wenn wir von den letzten Stationen etwas durchnässt gerne ein Bad im heißen Wasser genommen hätten, zieht es uns weiter. Wir wollen noch nach Selfoss zum Einkaufen.

Auf dem Weg passieren wir das Maaren-Gebiet Kerio. Dort gibt es die Möglichkeit, auf einem Kraterrand entlang zu spazieren sowie zum Kratersee hinab zu steigen (400 Kronen pro Person Eintritt). Das strahlend blaue Wasser bildet einen tollen Kontrast zu dem schwarzen und roten Lavagestein. Wir haben sogar Glück – ab und an kommt die Sonne heraus und wir können ein paar tolle Bilder machen. Auch der Blick vom Kraterrand in die Ebene und einen nahe liegenden Wald sind sehr schön – letzteres ist in Island auch eher eine Seltenheit.

Kratersee im Maaren-Gebiet Kerio
Kratersee im Maaren-Gebiet Kerio

In Selfoss stoppen wir nur kurz zum Einkaufen und Informieren in der Touristeninfo – und so klingt der Abend entspannt bei leckerem Essen und dem Bestaunen der ersten Nordlichter in der Hütte aus.

Die ersten Nordlichter.

Noch am Abend hatten wir online eine Gletschertour auf dem Solheimerjökull gebucht, denn die Wettervorhersage ist gut. Auf dem Weg dorthin stoppen wir kurz am Seljalandsfoss, einem Wasserfall, hinter dem man durchlaufen kann. Da uns die Parplatzgebühren von 700 Kronen für einen nur kurzen Stopp zu teuer sind, machen wir nur die Bilder aus der Ferne und fahren weiter. Auf der Küstenstrecke gibt es viel Schönes zu sehen. Die Vulkane auf der einen Seite, das Meer auf der anderen – wirklich hübsch anzuschauen. Immer wieder gibt es die Möglichkeit, kurz an die Seite ranzufahren für ein paar Bilder. Beim Aussichtspunkt auf den Eyjafjallajökull bietet sich uns ein wunderbarer Blick auf den Vulkan, der 2010 den europäischen Flugverkehr lahm legte.

Aussichtspunkt auf den Eyjafjallajökull

Nach unserer Gletschertour, zu der man mehr in einem eigenen Blog-Beitrag lesen kann, besuchen wir den Skogafoss – ein wunderschöner Wasserfall, einem der höchsten Islands. Das Wasser donnert die 60 Meter herab, die Gicht spritzt weit. Wir haben Glück: Mit dem Sonnenschein bildet sich Regenbogen. Fotografieren ist ein Traum. Wer möchte, kann zur Faltkante hinauf laufen. Von dort reicht der Blick bis zum Meer.

Skogafoss

 

An der Einfahrtsstraße gibt es ein paar Imbissbuden. Wir wollen endlich die berühmten Hotdogs essen, doch haben Pech. Bude eins hat zu, Bude zwei leider keine Hotdogs. Dafür bekommen wir einen Kaffee umsonst und die Lebensgeschichte des Bulgaren erzählt, der aus Sicherhheitsgründen vor ein paar Jahren nach Island umsiedelte. Er freut sich über unseren Stopp und plaudert aus seinem Leben – eine sehr nette Begegnung. Den Hotdog bekommen wir übrigens unterwegs an einer Tankstelle.

Tag drei führt uns nach Hveragerol und zum „heißen Fluss“ oberhalb der „Gartenstadt Islands“. Viele Gewächshäuser finden sich hier – rund 50.000 Quadratkilometer Fläche werden zum Anbau von Gemüse, Topfpflanzen und Schnittblumen genutzt. Das geothermische Gebiet eignet sich sehr gut dafür.

Wir fahren durch den Ort hindurch und steuern auf der anderen Seite der “Gartenstadt” einen Parkplatz außerhalb an. Im Hochthermalgebiet gibt es einige Wandermöglichkeiten. Unser Ziel ist der „heiße“ Fluss etwa 3,5 Kilometer entfernt vom Parkplatz. Wir laufen vorbei an Dampf- und Schlammquellen, sehen einen Wasserfall und queren einen Fluss. Immer wieder gibt es tolle Ausblicke – auf das Meer und das Hengill-Gebirge. Schließlich erreichen wir den dampfenden Fluss. Am Rand gibt es ein paar offene Umkleidekabinen, eigentlich sind es nur Bretter, um die Klamotten abzulegen. Ein paar Menschen liegen bereits in dem warmen Wasser – Lena, Rosanna und Lukas tun es ihnen gleich, Jule ist es zu kalt und sorgt für die Fotos vom Rand. Als wir wieder zurück laufen, kommen uns immer mehr Menschen entgegen und es fängt an zu schneien. Wir haben also alles richtig gemacht mit unserer Besuchszeit.

Wanderung zum „heißen Fluss“ bei Hveragerol

Zurück im Ort gönnen wir uns ein Mittagessen im Skyrhouse. Die Burger sind richtig lecker und Lena genießt das vegane Nuss-Steak. Draußen wird das Wetter schlechter – uns lacht Kuchen und heiße Schokolade an. Also bleiben wir einfach noch ein wenig an dem gemütlichen Ort.

Tatsächlich fällt es schwer, wieder in die Kälte zu gehen: Nieselregen und starker Wind bei Temperaturen um die null Grad – es gibt Angenehmeres. Wir wollen aber noch etwas sehen, laufen zum Thermalpark (der leider schon geschlossen hat) sowie zu den Gewächshäusern. In Hveragerol gibt es mehrere angelegte Spazier- und Wanderwege, zum Beispiel auch an einem kleinen Wasserfall am Ortsrand vorbei.

Zurück nach Selfoss zu einem erneuten Einkaufsstopp fahren wir einen kleinen Umweg. Statt über die Ringstraße fahren wir Richtung Meer, ein Stück an der Küste entlang und durch Eyrarbakki, wo Islands größtes Gefägnis steht.

Unser nächster Ausflugstag führt uns auf die Halbinsel Reykjanes mit wunderschönen Landschaften. Kurz hinter Hveragerol führt die Straße auf rund 660 Meter – und hier liegt Schnee. Die Ringstraße selbst ist geräumt, doch rechts und links liegen mehrere Zentimeter Neuschnee. Die Wege ab von der Hauptstraße sind völlig verschneit. Wir wollen es dennoch wagen, auf die 417 abzubiegen und etwas durch das Hinterland zu fahren, um südlich von Reykjavik rauszukommen. Es sieht gut aus – doch nur zu Beginn.  Während die Piste Richtung Skigebiet weiterhin geräumt ist, ist die Strecke, die wir Richtung Westen nehmen wollen, zugeschneit und gesperrt. Ab Oktober kommt man hier laut Schildern wohl nicht mehr durch. Also doch wieder zurück auf die Hauptstrecke. Schöne Ausblicke auf die Schneegepuderte Vulkanlandschaft hatten wir dennoch.

Die Straße 417 ist wegen Schneefalls gesperrt.

Südwestlich von Rejkjavik sind wir auf der 41 unterwegs. Wir passieren die Aluminiumschmelze Alcan und das Lavafeld Kapelluhraun. Einen kleinen Schlenker durch diese Landschaft gefällig? Dann einfach die 420 über Kalfatjörn nehmen, wie wir es machen. Keflavik lassen wir rechts liegen – hier befindet sich der Flughafen – und fahren, weil wir ein Schild übersehen, eine kurze Tour über die alte, amerikanische Airbase. Die Amerikaner zogen 2006 ab, heute befindet sich auf dem Gelände ein Ausbildungszentrum.

Weiter geht es auf der 425, an Hafnir vorbei, bis wir schließlich die Brücke zwischen den Kontinenten erreichen. Vom Parkplatz nicht weit von der Straße sieht man bereits das 18 Meter lange Bauwerk aus Holz und Stahl. Den Graben, an dem die eurasische und die nordamerikanische Kontinentalplatte aufeinandertreffen, kann man so leicht überschreiten. Wir haben es uns tatsächlich ein wenig spektakulärer vorgestellt.

Die Brücke zwischen den Kontinenten

Nur kurze Zeit später kommen wir nach Gunnuhver, ein Geothermisches Gebiet. Temperaturen bis zu 300 Grad wurden hier gemessen. Wir sind schwer beeindruckt von einem zischenden und fauchenden Loch, aus dem jede Menge Dampf entweicht. Dieser verdeckt manchmal die Sonne und so kann man sich gut vorstellen, dass die Isländer glauben, dass hier der Geist der bösartigen Gunna ihr Unwesen treibt. Sie soll für den Tod eines Paares verantwortlich gewesen und als Strafe in die brodelnde Quelle gestoßen worden sein. Von einer Plattform aus bietet sich ein toller Blick auf einen blauen See, der sich aus Meerwasser speist. Der Atlantische Ozean ist nah – auch der nett anzusehende Leuchtturm Reykjanesviti.

Das Geothermische Gebiet Gunnuhver
Leuchtturm Reykjanesviti

In Grindavik gibt es einen Hafen, dessen Einfahrt zu den schwierigsten zählt. Viele Fischfabriken haben sich angesiedelt. Der Salzfisch ist hier eine Spezialität. Wir fahren weiter zur Blaunen Lagune, Islands populärstem Badeort. Sogar vom Flughafen fahren Busse hierher, um die Warte- und Umsteigezeit der Reisenden zu verkürzen. Der beliebte Hotspot ist eigentlich ein Abwasser-Salzsee des geothermischen Kraftwerks Svartsengi – mit diesem im Hintergrund entstehen bizarre Fotos. Uns ist die Blaue Lagune als Besuchtsort zu überfüllt und vor allem zu teuer. Eigentlich hatten wir geplant, am Abend vor unserem Abflug dort Zeit zu verbringen. Von 20 bis 22 Uhr hätten wir Badezeit buchen können – allerdings für 75 Euro pro Person. So entscheiden wir uns für die Visite von außen, auf der auch tolle Bilder entstehen können.

Die Blaue Lagune.
Die Blaue Lagune.

Es geht weiter auf der Straße 427. Wir passieren Selatangar, das man nur mit einem Allrad-Auto anfahren kann. Wir sind also raus. Das Dorf wurde 1880 verlassen, erhalten sind aber noch viele Häuser, die aus Treibholz und Lavasteinen errichtet wurden. Man sagt, heute lebten Gespenster in dem verlassenen Ort.

Wir fahren nun wieder ein Stück Richtung Inneres der Halbinsel, die Straße Nummer 42 führt durch eine schön anzusehende Lavalandschaft. Wir stoppen am Graeavatn, einem 44 Meter tiefen grünen See. Gegenüber liegt das Thermalquellgebiet Krysuvik. Unser Ziel ist der schwarze See Kleivartn. 10 Quadratkilometer ist er groß, in der Tiefe soll ein Ungeheuer hausen. Wir stoppen am südlichen Ufer und hätten uns den See dunkler vorgestellt. Auf dem schwarzen Sand lässt es sich am Ufer entlang schön spazieren.

Die Strandarkirkja ist unser nächstes Ziel. Die hübsch anzusehende Kirche soll Glück und Kraft bringen – leider ist sie geschlossen und wir können sie nur von außen besichtigen. Ein Blick über den Deich aufs Meer, dann zieht uns das Kaffeehaus T-baer Kaffihus Selvogi an. Die Dame hinter der Theke ist sehr nett und erklärt uns alle Kuchen – die isländischen Namen werden gesagt und auf einer Liste gezeigt. Dabei tätschelt sie immer mal wieder eine unserer Schultern. Nachdem sich jeder mit einem Stück Kuchen gestärkt hat, machen wir uns so langsam auf den Heimweg – so lange wie möglich an der Küste entlang, denn die Szenerie ist wunderschön anzuschauen.

Strandarkirkja

Am nächsten Tag fahren wir wieder in den Südosten, denn dort gibt es noch einige Orte, die wir gerne sehen wollen. Kurz vor der Stadt Vik biegen wir ab auf die 215 zum Dyrholaos, einem der schönsten Strände Islands. Der schwarze Kiessand, dazu die tosenden Wellen, steil abfallende Felsen und davor liegende Inseln in bizarren Formen – das ist wirklich wunderschön. Wir laufen lange an dem Strand entlang – erst in Richtung der Felszinnen Reynisdrangar, dann mit Blick auf die „Türhügelinsel“ Dyrholaey.

Dyrholaos – der schwarze Strand
Dyrholaos – der schwarze Strand

66 Meter ragen die Felsformationen Reynisdrangar aus dem unruhigen Meer. Laut den Volkserzählungen sollen die Zinnen Trolle sein, die einen Dreimaster an Land ziehen. Tatsächlich stammen sie bereits aus der Eiszeit und sind Überreste eines ehemaligen Vulkans. Wir klettern auf den Felsen am Strand herum, um die vorgelagerten Zinnen aus den unterschiedlichsten Perspektiven fotografieren zu können. Toll anzuschauen sind auch die Orgelpfeifen, Basaltsäulen an der Felswand, sowie die verschieden großen Höhlen. Hier wurden übrigens Szenen von „Games of Thrones“ gedreht.

Auf der anderen Seiten des Strandes sind die Torbogen in den Felsen schön anzuschauen. Wir laufen am Strand entlang in die Richtung, merken dann aber, dass wir auf diesem Weg nicht hinkommen. Stattdessen fahren wir mit dem Auto zurück auf die Ringstraße und biegen etwas weiter westlich auch die Straße 218 ab. Am Ende der Straße laufen wir vom Parkplatz aus die verschiedenen Aussichtspunkte auf der Landzunge an. Im Sommer ist während der Brutzeit der Zugng übrigens gesperrt – viele Vögel nisten in dem Vulkangestein des Landschaftschutzgebietes.

Blick von der „Türhügelinsel“ Dyrholaey.

Auf Höhe des Abzweigs zum Gletscher Solheimajökull ist direkt an der Ringstraße ein Parkplatz, um von dort aus zum am Strand Solheimasandur abgestürzten Flugzeug zu kommen. Angegeben wird, dass man für die 3,5 Kilometer zum Flugzeugwrack etwa 1,5 Stunden braucht. Wir sind schnell auf dem Kies unterwegs und erreichen bereits nach etwa 45 Minuten die am 21. November 1973 abgestürzte US-Navy-Maschine. Das Gebiet wirkt Wüstenartig. Eine schwarze Steinwüste, auf der einen Seite Berge mit den Gletschern Myrdaksjokull und Solheimajökull, auf der anderen das Meer. Die Douglas DC-3 bietet in dieser Umgebung viele interessante Fotomotive. Leider turnen viele der Touristen auf und in der Maschine herum. Schade sind auch die vereinzelten Graffiti.

Die am Solheimasandur abgestürzte DC-3.
Die am Solheimasandur abgestürzte DC-3.

Zum Abschluss des Tages wollen wir noch einmal in heißes Quellwasser steigen. Lena hat auf ihrer vorherigen Reise Isländer kennengelernt, die Seljavallalaug empfehlen. Kurz hinter dem Wasserfall Sellfoss biegen wir rechts ab und fahren ein etwa zwei Kilometer Richtung Berge, durchaus auch über eine Schlaglöcher-geprägte Strecke. Unterhalb eines Bauernhofes stellen wir unser Auto auf einem Parkplatz ab und laufen etwa 15 Minuten, immer am Fluss entlang. Im Licht der untergehenden Sonne ist das Tal mit interessanten Felsformationen, grünen Hügeln und ein paar Wasserfällen in der Ferne hübsch anzuschauen. Und plötzlich taucht mitten im Nichts ein kleines Schwimmbecken auf. So richtig heiß ist es leider nicht. Nur an zwei Stellen fließt warmes Wasser ein und so geht nur Lena eine Runde schwimmen.

Schwimmbecken im Nichts: Seljavallalaug

Zurück aus dem Tal fahren wir – ganz kitschig – dem Sonnenuntergang entgegen zurück zu unserer Hütte. Das besondere Licht zu dieser Stunde lässt die Vulkane und Berge mit den Schneekuppen schön erleuchten.

Der letzte volle Tag unserer Reise. Um elf Uhr müssen wir unsere Gartenhütte geräumt haben. Packen und saugen gehen schnell, und so sind wir bereits gegen 10 Uhr unterwegs nach Þingvellir. Der Nationalpark liegt am See Þingvallavatn und ist historisch bedeutsam für die Isländer, denn hier hielten bereits die Wikinger ihr Thing, also ihre Volksversammlung. Bei einem der ältesten Parlamente der Welt wurde Recht gesprochen. Bis in die Neuzeit herein fanden an diesem UNESCO-Welterbeplatz bedeutsame Ereignisse statt. So wurden 1944 zum Beispiel die Republik Island ausgerufen.

Das Gebiet der alten Thingstätte Þingvellir

Wir laufen vom Besucherzentrum aus die Altmännerschlucht herunter und auf einem Panoramaweg unterhalb einer Abbruchkante mit Blick auf die Ebene. Immer wieder gibt es Schilder, die Geschichte(n) erzählen. Vom “rock of law” (Gesetzesfelsen) haben wir einen tollen Blick auf einen Zufluss des Sees Þingvallavatn. Wir passieren den Wasserfall Öxarárfoss, der bereits viel Eis gebildet hat, und nehmen kurze Zeit später den Weg durch die Ebene zurück. Dabei passieren wir eine alte Kirche und einen Friedhof, entdecken im Fluss viele Lachforellen und kommen schließlich wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück – rechtzeitig, denn der Schneefall wird stärker.

Über die Ringstraße geht es weiter nach Reykjavík. Wir parken an der Uni. Doch es regnet mittlerweile richtig heftig, dazu starker Wind, dass unsere Lust, das Auto zu verlassen, nicht wirklich hoch ist. Daher entscheiden wir uns, mit dem Auto die Hallgrímskirkja anzufahren. Das imposante Kirchengebäude zählt zu den höchsten Gebäuden Islands und ist schon von weitem sichtbar. Mit ihrem 74,5 m hohen, auffälligen Turm gilt sie als Wahrzeichen Reykjavíks. Der Staats-Architekten Guðjón Samúelsson erinnert in seinem Bau an die Basaltsäulen, die in Islands Landschaft häufig vorkommen. Das Weiß ist an die Farbe der Gletscher angelehnt. Im Inneren dagegen ist die Kirche eher schlicht gehalten. Das Kreuzrippengewölbe mit hohen Fenstern wirkt sehr hell. Eine riesige Konzertorgel zieht alle Blicke auf sich. Wir haben Glück: Als wir von den wenigen Metern vom Auto zur Kirche völlig durchnässt eintreten, begrüßt uns ein Orgelspieler mit seinem Spiel. Auffällig, dass viele Besucher sich in den Sitzreihen niedergelassen haben und ihm zu hören. Das Wetter trägt sicherlich dazu bei, doch dem Klang des Instrumentes lässt sich gut zuhören. Funfact: Es gibt Hinweisschilder, dass die Bänke nicht gedreht werden dürfen. Wie häufig in einer Kirche richtigen sich die Sitzbänke Richtung Altar, die Orgel im Rücken. Wie man auf die Idee kommen kann, die schweren Bänke drehen zu wollen, bleibt uns rätselhaft.

Da Sturm und Regen anhalten, fahren wir mit dem Auto zum Hafen. Auch dort finden wir leicht einen Parkplatz. Nach nur wenigen Minuten draußen, flüchten wir ins nächste Café – das Haiti wird für seinen guten Kaffee inklusive eigener Röstung gelobt. Wir finden den Kaffee ok, aber hatten auch schon besseren in der Tasse.

Erneut wagen wir uns nach draußen, laufen ein paar Meter am Hafen entlang, passieren riesige Schiffe, die restauriert werden, und einige hippe Hotels sowie eine Brauerei mit großem Craftbeer-Angebot. Dann wird es uns wieder zu nass – nächster Stopp ist Reykjavik Fish. Wir wollen unbedingt noch Fish and Chips essen – in gediegener Atmosphäre werden wir hier fündig und können etwas trocknen.

Fish and Chips

 

Da es eindeutig zu nass ist, um richtig die Stadt zu besichtigen, fahren wir ins Schwimmbad Laugardalslaug. Bis 22 Uhr hat es geöffnet und bietet für 980 Kronen pro Person (etwa 7,50 Euro) Dampfbad, mehrere Hot-Pools und Sportbecken. Ein isländisches Schwimmbad zu besuchen, ist ein kleines Erlebnis. Bereits am Eingang warten Schuhregale – ein bisschen wie im Kindergarten, wo man auch beim Reinkommen die Schuhe ausziehen musste. Sockig geht es in die Umkleidekabinen und von da aus in die Duschen. “Aufpasser” haben im Blick, dass sich hier jede*r duscht und erst dann die Badekleidung anzieht.

Schnell verschwinden wir im 38-Grad-warmen Wasser, dass sich aus den heißen Quellen Reykjavíks speist. Auch ein Meerwasser-Pool ist mit dabei. Schade nur, dass es keinerlei Ruhe- oder Sitzbereich gibt – abseits von den (kalten) Tribünen an den Sportbecken innen und außen. So wechseln wir zwischen Dampfbad und den einzelnen Becken – eher kühl in den Sportbecken und zwischen 38 und 44 Grad in den Hot-Tubes. Bei etwa einem Grad Außentemperatur ist das Warme sehr angenehm – und irgendwann hört es tatsächlich auf zu regnen, so dass wir noch einen Spaziergang durch die Stadt anschließen. Und dann geht auch schon bald der Flug zurück…

Wir empfehlen: Lest mehr zu unserer Gletschertour und entdeckt Island in 360 Grad. Fotos von Jule findet ihr in dieser Flickr-Galerie, Lukas Bilder sind ebenfalls auf Flickr

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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