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Basel (Schweiz)

Ein verlängertes Wochenende frei – Zeit für einen Ausflug nach Basel. Frühlingshaftes Wetter – perfekt fürs Schlendern durch die Stadt und am Rhein entlang.

Mädelsurlaub! Doch wo soll es hin gehen? Nochmal in den Schnee? Lieber ans Meer oder in die Berge? Wir tun uns schwer beim Entscheiden, lockt doch einerseits das Winterwonderland, zieht es uns andererseits aber auch ans Wasser. Wir, das ist in diesem Fall Jule mit Lena. Donnerstagabend kann es nach dem Arbeiten los gehen, Zeit ist bis Sonntag. Kurz vor der Abfahrt entscheiden wir uns endlich, nachdem Flüge nach Malta und Dubrovnik uns doch zu teuer sind. Wir fahren mit dem Zug nach Basel.

Die Anreise ist entspannt und dank Mitfahrer- und 10-Euro-Gutschein auch gar nicht so teuer. Tipp: Ein Ticket bis Basel Baden ist meist günstiger, da das noch im direkten Einzugsbereich der Deutschen Bahn liegt. Die rund drei Stunden Fahrt sind schnell vorbei und vom Bahnhof Basel Baden aus sind wir in etwa 15 Minuten bis zu unserem Hotel gelaufen.

Check-in im Easy Hotel

Der Check-in am späten Abend ist durchaus etwas kurios. Vor dem Easy-Hotel hängt ein Automat mit Telefon. Schritt für Schritt begleitet die Rezeptionistin uns durch den Check-in – dabei versteht man die Anweisungen des Automaten auch gut. Nachdem unsere Daten erfasst sind, erhalten wir eine Art Quittung, der Zugangscode für den Eingangsbereich und unser Zimmer. Erst jetzt wird uns bewusst, dass die Easy-Hotels etwas mit der Fluglinie zu tun haben – das Corporate Design ist markant orange.

Am nächsten Morgen ziehen wir los in die Baseler Stadt. Die Lage des Hotels in der Nähe der Messe ist perfekt. Schnell sind wir in der Kleinbasler Altstadt und überqueren den Rhein über eine der ältesten Übergänge, die Mittlere Brücke, mit tollem Blick auf die Großbasler Seite. Wir lassen uns treiben und erreichen Marktplatz und Rathaus. Der Sitz der Basler Regierung und des Parlaments fällt direkt auf mit seiner roten Fassade samt verspielter Malerei und imposantem Turm. Innen staunen wir über Skulpturen und Bauweise. Es lohnt sich, die Treppe für einen besseren Überblick nach oben zu steigen.

Skulpturen im Basler Rathaus
Wandmalereien im Rathaus

Nach dem Schlendern über den Markt zieht es uns Richtung Café. Zum Frühstück – Kaffee mit Kipferli oder auch Schokobrötchen – kehren wir im “Unternehmen Mitte” in der Gerbergasse ein. Von unserem Fensterplatz aus beobachten wir das Treiben und erkennen schnell: Die Tram hat immer Vorfahrt. Doch es sind auch viele Fahrradfahrer, vor allem Familien mit Lastenrädern, unterwegs. Sehr sympathisch.

Schild im Rathaus

Wir laufen weiter durch die Freie Straße zur Elisabethenkirche. Die Pyramiden aus Glasbausteinen direkt daneben wirken im Kontrast zur Kirche ganz für sich. Wir finden das Café direkt in der Kirche richtig toll. Die „Offene Kirche“ präsentiert sich als Veranstaltungsort. Im Inneren finden wir alles vorbereitet für einen Kabarett-Abend. Am Rande stehen sogar ein paar „Ständli“ für Getränke und Essen. Der Turm hat an diesem Freitag leider zu. Sicherlich hätte man eine großartige Aussicht über die Stadt.

Die Elisabethenkirche Basel.
Pyramiden aus Glasbausteinen an der Elisabethenkirche.
Ein Café an der Kirche.

Weiter geht es auf der Elisabethenstraße, mit dem ein oder anderen Abstecher in einen der schönen, individuellen Läden. Wir kommen schließlich am De-Wette-Park und SBB Hauptbahnhof raus, verweilen aber nur kurz und machen uns auf Richtung Barfüsserplatz. Zwischendurch bestaunen wir hier und da Streetart. Am von den Einheimischen Barfi genannten Platz zweigen wir ab in nette Gässchen. Die Basler Altstadt ist wirklich gut erhalten und wir erfreuen uns an alten, gut erhaltenen und hübschen Bauten. Besonders toll finden wir den Lohnhof – mit Blick auf die Stadt.

Der Lohnhof

Nächster Stopp ist das Spalentor, das prächtigste der drei Stadttore, die von der Stadtbefestigung aus dem Jahr 1400 noch erhalten geblieben sind. Mächtig ragen die unteren Spitzen des Tores nach unten. Wirklich nett anzusehen ist ein alter Briefkasten, der in das Tor eingearbeitet ist. Nicht weit entfernt entdecken wir eine ganz besondere Bäckerei, das Äs. Dort werden nur Backwaren vom Vortrag verkauft – eine gute und günstige Alternative für unser Mittagessen.

Das Spalentor.
Blick auf das Spalentor.
Blick durch das Spalentor, das prächtigste der drei Stadttore.

Ausgestattet mit Schlingel (kleine, belegte Laugenstange) und einer Wähe (Mürbe- oder Hefeteig) laufen wir zum nahe gelegenen Botanischen Garten und lassen uns auf einer Bank in der Sonne nieder. Beim Gang durch das Tropenhaus entdecken wir farbenfrohe Vögel, Eidechsen und eine Schildkröte. Nur die Kröten wollen sich nicht zeigen. Wir fühlen uns tatsächlich ein wenig wie in den Tropen: Es ist warm, die Luftfeuchtigkeit ist hoch, die Vögel zwitschern und trotz Weg müssen wir immer wieder Blätter auf die Seite schieben.

Im Tropenhaus im Botanischen Garten.
Im Tropenhaus im Botanischen Garten.

Über den Petersplatz laufen wir Richtung Münster, vorbei an schön angelegten Terrassen mit Blick auf den Rhein. Das Münster gilt neben der Mittleren Brücke als das bekannteste Wahrzeichen Basels. Das liegt sicherlich auch daran, dass der rote Sandstein-Bau mit den bunten Ziegeln die Skyline dominiert. Auf dem Platz rund herum toben Kinder, Menschen genießen die Frühlingssonne – die Atmosphäre ist sehr entspannt. Von der dahinter liegenden Basler Pfalz hat man einen herrlichen Blick auf Rhein und Stadt. Die ehemalige Bischofskirche wurde zwischen 1019 und 1500 im romanischen und gotischen Stil erbaut. Wir laufen durch Krypta, Chor, Kreuzgänge und schauen uns die Kirche von innen an.

Das Münster gilt neben der Mittleren Brücke als das bekannteste Wahrzeichen Basels.
Blick von der Pfalz auf die Mittlere Brücke.

Erneut queren wir den Rhein und laufen an der Promenade entlang Richtung Solitude-Park. Der moderne Roche-Turm ist sehr dominant und als höchstes Gebäude der Schweiz bis weit über die Stadtgrenzen hinaus zu sehen. Wir laufen bis zum Museum Tinguely, an dem unter anderem eine Nana-Figur steht.

Blick auf Groß-Basel.
Das Museum Tinguely
Leben am Rhein

Zurück an der Promenade entlang, steigen wir beim Claraplatz in eine Tram und fahren bis zu Kleinhüningen. Von da aus ist es nicht weit zu laufen zum Dreiländereck. Deutschland, Frankreich und die Schweiz treffen hier aufeinander. An der Friedensblüte sind wir ganz alleine. Im Sommer ist dies sicherlich anders.

Nach einem kurzen Stopp im Hotel machen wir uns auf Essenssuche. Im Restaurant Hahn bekommen wir Schweizer Spezialitäten: Rösti und ein ganzer Fondue-Topf alleine für Jule. Sehr lecker! In der Bar Carambolage in einem etwas alternativerem Viertel beenden wir den Tag, an dem wir fast 14 Kilometer gelaufen sind. Die Singer-Songwriterin Anouchka Gwen tritt auf. Ihren Schweizer-Deutschen Texten zu lauschen und dabei die anderen Gäste zu beobachten ist ein toller Abschluss des Tages.

Der Samstag steht im Zeichen der Kunst und des Wanderns. Mit der Tram fahren wir nach Riehen. Da alle Hotelgäste automatisch eine Basel-Card inklusive Ticket für den öffentlichen Nahverkehr bekommen, müssen wir uns keinerlei Gedanken dazu machen. Wir sind nicht lange unterwegs und wieder einmal fällt uns auf, wie nah hier alles ist. Die Grenzen zwischen der Stadt und den Vororten sind nicht sichtbar.

Riehen ist ein nettes Örtchen und schnell finden wir ein schnuckeliges Café zum Frühstücken. In der Fondation Beyerle reihen wir uns ein in die Schlange zur Picasso-Ausstellung. 30 Schweizer Franken kostet der Eintritt, mit der Basel Car bekommen wir 50 Prozent Rabatt. Die Schau zur rosa und blauen Phase des Künstlers ist auch für Kunstlaien interessant und wir lernen allerlei Neues in den knapp zwei Stunden im Museum.

Picasso-Ausstellung

Architektonisch ist die Fondation Beyerle auch hübsch anzusehen. Im Eingangsbereich gefallen die hohen Glasfenster am Wasser. Von innen gibt es einen großartigen Blick auf die Felder und Berge.

Die Fondation Beyeler in Riehen

Nach dem Museumsbesuch folgen wir der Kunst, genauer dem Rehberger Weg, der von der Fondation Beyerle nach Weil am Rhein führt. Immer wieder stehen Kunstwerke am Wegesrand. Den meisten können wir nicht so viel abgewinnen, nur ab und an können wir von einem zum nächsten schauen. Da der Weg nicht gut ausgeschildert ist, laufen wir manchmal auf gut Glück und liegen dann doch immer richtig. Die Karte, die wir vorab auf www.24stops.info heruntergeladen haben, ist leider auch nicht so genau.

Wir passieren das Naturschwimmbad Riehen und den alten Grenzübergang. Nur kurz sind wir in Alt-Weil, dann führt der Weg durch die Weinberge vorbei an vielen Wingertshäuschen. Bis nach Basel können wir blicken, dominant ist auch hier wieder der Roche-Turm zu sehen.

Der Rehberger Weg von Riehen nach Weil am Rhein.
Wingertshäuschen am Rehberger Weg

Der Weg endet am Vitra Campus. Im Designmuseum gönnen wir uns etwas Leckeres zum Essen, bevor wir durch die Ausstellung laufen (Eintritt frei). Der Stil gefällt, das Haus ist großartig gebaut. Könnte man doch nur einziehen….

Der Vitra Campus in Weil am Rhein.

Mit der Tram geht es zurück nach Basel. An diesem Grenzübergang stockt es etwas. Viele der Autos werden kontrolliert und die Straßenbahn muss immer wieder zwischen Fußgängern und Wagen warten. Keine 15 Minuten, nachdem wir in Deutschland eingestiegen sind, erreichen wir wieder Basel.

Wir stoppen am Theaterplatz, um noch einen Blick auf den von Jean Tinguely 1977 gebauten Brunnen zu werfen. Wo früher die Bühne des alten Stadttheaters stand, stehen heute Maschinenskultpuren in einem Wasserbecken und machen etwas kuriose Bewegungen.

Mit der Tram fahren wir weiter bis zur Breite und laufen von dort aus runter zum Rheinufer. Am Wasser entlang gehen wir durch die Birsköpfli-Anlage bis zur Schleuse und dem Wasserwerk. Die Sonne geht unter, die Baseler Skyline mit Münster und Roche-Turm zeigt sich in einem schönen Licht. Richtig toll anzuschauen.

Die Basler Skyline zum Sonnenuntergang.

Auf dem Weg zurück Richtung Stadt klettern wir über eine steinige Treppe runter zum Kiesufer und laufen unterhalb der Fischer-Hütten weiter. Die Technik der Fischer aus nächster Nähe zu betrachten, ist interessant. Ein Angler, allerdings mit Rute, ist auch da und bereitet ein Lagerfeuer für seinen Fang vor. Und das so Stadtnah!

Fischerhütten am Rhein.

Wieder angekommen an der Mittleren Brücke staunen wir über die tiefstehende Sonne, die Brücke, Häuser und Rhein rot färbt. Nicht nur wir sind fasziniert von dem Farbenspiel, das sich in den Fenstern der Häuser spiegelt. Wir sind genau richtig angekommen, denn nur ein paar Minuten später ist der Zauber vorbei und wir laufen weiter Richtung Kaserne. An dem alternativ angehauchten Platz gibt es unter anderem einladend aussehende Bars, ein Food-Truck und auch ein Maler. Wieder mal eine sehr entspannte Atmosphäre.

Wunderschöner Sonnenuntergang an der Mittleren Brücke.

Den Sonntag lassen wir gemütlich angehen – wir fahren mit der Tram zum Marktplatz und bummeln durch die leeren Gassen. Im Gerbergässlein entdecken wir Streetart. Hier und da hat eine Confiserie offen. Wir bestaunen die süßen Leckereien. Unser Ziel ist aber die Markthalle. Ab 11 Uhr gibt es dort einen Flohmarkt. Doch vorher wollen wir noch etwas frühstücken. Und auch das gibt es in der 1929 errichteten, kuppelartigen Halle.

Streetart im Gerbergässlein

Bis 2004 wurde das Gebäude für den Marktbetrieb genutzt. Nach einigen alternativen Zwischennutzungs-Versuchen zogen 2014 einige Food-Stände ein. Wir sind begeistert: In der Mitte der Halle wird kulinarisch einiges geboten: afghanisch, griechisch, thailändisch, südafrikanisch und vieles mehr. Doch uns gelüstet es eher nach etwas Süßem und natürlich werden wir auch hier fündig. Es gibt mehrere Cafés und mit bestem Blick auf den Flohmarkt-Aufbau lassen wir uns bei Kaffee und süßem Teilchen nieder. Beim Streifzug durch die Halle entdecken wir einige regional geprägte Läden. Sogar eine eigene Käserei gibt es! Nur schade, dass viele der Geschäfte am Sonntag zu haben. Wir stürzen uns ins Flohmarkt-Getümmel und ergattern hier ein paar Kleinigkeiten.

Flohmarkt in der Markthalle.

Gemütlich schlendern wir zurück Richtung Hotel, wo wir unser Gepäck zwischengelagert haben. In den zweieinhalb Tagen haben wir Basel und die nähere Umgebung entdeckt und können sagen: Die Stadt ist ein Besuch wert. Die gut erhaltene Altstadt, die entspannte Atmosphäre, der Rhein und die nahe gelegenen Ausflugmöglichkeiten eignen sich perfekt für ein (verlängertes) Wochenende.

Gefallen gefunden an Basel? Dann geht doch mal auf unsere 360-Grad-Tour durch Basel.

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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