Unterwegs in Deutschland: Tagesausflug nach Maulbronn
Maulbronn ist wunderbar geeignet für einen Sonntagsausflug: Zu besichtigen gibt es eine toll anzusehende Klosteranlage, hübsche Häuser und ein authentisches Heimatmuseum. Natürlich sollten auch Maultaschen gegessen werden, da hier die „Herrgottsbescheißerle“ erfunden wurden. Wir sind am vierten Adventssonntag in Maulbronn und erwischen einen sonnigen Tag. Geparkt werden kann direkt vor der Klosteranlage; sogar zwei Ladesäulen sind vorhanden.
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Auf dem Weg vom Parkplatz zum Klostertor kommen wir am Skulpturenweg vorbei. Hinter uns erhebt sich ein terrassenförmig angelegter Weinberg, der zu einer Spazierrunde einlädt. Auch wäre es möglich, zum Tiefen See zu laufen. Dies war ursprünglich der Klostersee, heute kann dort bei wärmeren Wetter geschwommen werden. Online lässt sich nachlesen, dass die Mönche nach der Regel „Ora et labora“ („Bete und arbeite“) lebten, daher gäbe es auch heute noch in der direkten Umgebung Weinberge und Fischteiche.



Durch das Klostertor treten wir ein in die „Stadt in der Stadt“. Das 1147 gegründete Kloster Maulbronn gilt als die am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen. Hinter dem Klostertor erwarten uns wunderschöne Häuser. Wir entdecken die „Kräuterhexe“ in einem verwinkelten Häuschen – am Nachmittag hat sie offen, sodass wir im kleinen Laden verschiedene Kräuter, Tees und Seifen begutachten können. Direkt daneben ist eine gemütliche Buchhandlung, in der sich wunderbar stöbern lässt. Gegenüber befindet sich eine Apotheke. Es folgen Besucherzentrum, die Stadthalle (wohl eine frühere Scheune), das Rathaus und mehrere Fachwerkgebäude, in denen sich unter anderem Cafés und Restaurants befinden.








Nach dem ersten Blick auf diese hübschen Bauwerke besorgen wir uns Eintrittskarten (zehn Euro pro Erwachsener) für die Besichtigung des Klosters. Verschiedene Baustile – von der Romanik bis zur Spätgotik – sind hier vereint. Später berichtet uns eine Einheimische, dass man die verschiedenen Bauphasen auch an der Farbe der Sandsteine festmachen könne: Zuerst wurden gelbe Sandsteine verwendet, später rote.

Durch das „Paradies“, eine schöne Eingangshalle im frühgotischen Stil, nähern wir uns dem Drehkreuz, durch das es in das Kloster reingeht. Wir sind gegen 11 Uhr dort – ein guter Zeitpunkt, wie wir finden, denn es ist nicht zu viel los.
Als Erstes geht es für uns in einen früheren Vorratskeller, in dem heute die Bautechniken erklärt wird. Neben einigen Steinmetzarbeiten finden sich dort auch Werkzeuge aus dieser Zeit wieder. Schließlich treten wir ein in den Kreuzgang mit schönem Blick auf das Brunnenhaus. Dies hat im oberen Bereich Fachwerk, was sehr schön anzusehen ist.


Vom Kreuzgang aus treten wir ein ins Laienrefektorium, dem Speisesaal der Laienbrüder. Wir blicken in die ehemalige Küche, von deren Einrichtung nicht mehr wirklich was zu sehen ist, sowie in einen Heizraum, von dem verschiedene Luftschächte abgehen. Schön anzusehen ist das Herrenrefektorium, der Speisesaal der Mönche. Das Kreuzgewölbe beeindruckt.



Tritt man ein in das Ost-Ern, ist es recht dunkel und kalt. Der Verbindungsraum dahinter erstrahlt in hellem Licht, da die Sonne hier ihren Weg durch große Fenster findet. Ein beeindruckender Kontrast. Im Verbindungsbau befand sich möglicherweise ein Lesesaal und eine Marienkapelle. An der Wand finden sich Reste von Malereien. Dahinter geht es durch den Krankengang zum früheren Krankenhaus und Herrenhaus. Nach der Reformation wurde das Kloster 1556 in eine evangelische Klosterschule umgewandelt, aus der das heutige theologische Seminar hervorgegangen ist. Daher ist der Bereich heute auch nicht begehbar. Der Schriftsteller Hermann Hesse, der Dichter Friedrich Hölderlin und der Astronom Johannes Kepler waren Schüler der Klosterschule.

Zurück im Kreuzgang gibt es die Möglichkeit, in das Innere des Gartens zu treten, oder aber die Abschlusssteine an der Decke zu entdecken. Sehr schön ist auch, das unterschiedliche Licht hier zu betrachten.

Am Kapitelsaal und der Sakristei vorbei geht es schließlich zur Kirche der Mönche. Die romanische Basilika ist der älteste Teil der Anlage und wurde 1178 geweiht. Beeindruckend finden wir auch hier Lichtspiele vor, sei es durch ein kleines Kreuzfenster oder im Altarraum. Imposant kommt das Chorgestühl daher, das größtenteils aus dem 14. Jahrhundert stammt und gut erhalten ist.



In der Kirche der Laienbrüder finden sich ebenfalls schöne Holzbänke, dazu ist zur Weihnachtszeit eine Krippe mit lebensgroßen Holzfiguren aufgestellt. Auch hier lohnt sich der Blick an die Decke.

Beeindruckt von der Klosteranlage kehren wir gegenüber im Restaurant Klosterkatz ein. Viele Tische sind bereits reserviert, doch wir sind kurz nach 12 Uhr ja auch recht früh dran und erhalten einen Platz. Zu Essen gibt es hier natürlich Maultauschen – in verschiedenen Variationen. Lukas und Rita wählen die klassische Zubereitung mit Kartoffelsalat und Soße, für Theo und Jule gibt es Forelle aus dem Schwarzwald mit Gemüse und Kartoffeln. Beide Gerichte sind sehr lecker. Dazu gibt es Maulbronner Bier (das nicht im Ort gebraut wird!) und Wein sowie Quittensaftschorle.
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Gut gestärkt machen wir uns danach auf zum nahe gelegenen Schafhof. Dazu laufen wir rechts am Kloster vorbei, passieren die Stauferstele und den Faustturm.

Vom Schafhof sind wir positiv überrascht. Das historische Gebäudeensemble begeistert mit einer ganz besonderen Stimmung: Eines der Häuser sieht aus wie eines, das man sich in Harry Potters Winkelgasse vorstellt. Daneben finden sich toll restaurierte Fachwerkhäuser. Am Gebäude, das die Kunstsammlung Jutta und Manfred Heinrich beheimatet, beginnt die Installation „Maulbronner Köpfe“. Die Büsten zeigen die Köpfe berühmter Persönlichkeiten, die zwischen 1570 und 1950 Schüler am evangelischen Seminar im Kloster Maulbronn waren.



Der Schafhof war ursprünglich der Wirtschaftshof des Zisterzienserklosters. Hier wurde das Vieh gehalten. Das Plateau entstand durch einen Steinbruch. Der dort abgebaute gelbe Sandstein wurde für die Errichtung der romanischen Teile des Klosters verwendet. Spaziert man durch die Häuserreihen, kann man die Bruchkante entdecken.
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Das Antiquariat im Schafhof hat auch am Sonntag offen und so stöbern wir durch ein buntes Sammelsurium an Türschlössern, Kinderspielzeug, Haushaltswaren, Werkzeug, Schmuck, Schreibgeräte und Laternen. Es lohnt sich, genau hinzuschauen, denn die Räume sind gut gefüllt und zwischendrin finden sich spannende Dinge.

Weiter geht es ins Museum auf dem Schafhof, das vom örtlichen Geschichts- und Heimatverein betrieben wird. Sonntags wird man dort sogar mit Kaffee und Kuchen begrüßt. Das Museum ist einfach nur goldig und mit viel Liebe gemacht. Tritt man ein, sollte man direkt rechts auf die Bilder schauen, wie das Haus zu früheren Zeiten aussah: alles andere als schön. Der Verein habe das Haus damals von der Stadt in diesem Zustand übernommen und in vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden wieder hergerichtet, wird uns berichtet. Hübsch ist es geworden!
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Im Erdgeschoss sind ein Kaufladen und eine Schmiede untergebracht, im obersten Stockwerk befinden sich unter anderem eine Apotheke, eine Buchbinderei, eine Nähecke und eine Schule. Jede Menge Detail lässt sich entdecken: von alten Leder-Schultaschen über Werkzeuge bis hin zu alten Schildern. In der mittleren Etage ist eine alte Küche nachgebaut, mit Feuerstelle und einem Waschbecken aus Stein. Der Tisch ist gedeckt und lädt zum Kaffeekränzchen ein.





Die mittlere Etage ist bei unserem Besuch von einer Quilt-Ausstellung dominiert, weswegen wir auch auf das Museum aufmerksam wurden. Zu sehen sind die Werke von Eve Keller, die aus Maulbronn kommt, und bereits verstorben ist. Ihr Mann zeigt nun ihre Näharbeiten und ist bei unserem Besuch auch vor Ort. Sehr kreative Quilte, aufwendig erstellte kleine Kunstwerke sind mit dabei. Bis Februar 2026 sind die Quilte im Museum ausgestellt. Der Eintritt ist übrigens frei, um eine Spende wird gebeten.
Vom Museum aus laufen wir durch ein schönes Sträßchen zurück zur Klosteranlage. Vom Plateau aus bietet sich ein toller Blick auf das Weltkulturerbe.

Wir kehren zu Kaffee und Kuchen ein in das Wagnerhaus Café im Klosterhof. Anschließend wird im Besuchszentrum noch ein wenig eingekauft, im Buchladen gestöbert und Kräuter im Hexenhäuschen begutachtet. Dann endet unser schöner Besuchstag in Maulbronn.