Unterwegs in Polen: Schindlers Fabrik und Krakauer Ghetto
Bei unserem Städtetrip nach Krakau besuchen wir Schindlers ehemalige Fabrik, die heute ein Museum ist. Einen Besuch können wir sehr empfehlen. In der Dauerausstellung „Krakau unter der Nazi-Okkupation 1939 – 1945“ erfahren wir mehr über diese Zeit. Den Film „Schindlers Liste“ haben wir natürlich zu Schulzeiten und auch danach gesehen. Am Ort des Geschehens zu sein, das ist dann noch einmal etwas anderes. Tickets kann man vorab über die Webseite kaufen, auf der es viele Eintrittskarten für Krakaus Museen zu erwerben gibt. Da wir nicht genau wussten, wann wir das Museum besuchen wollen, sind wir ohne Vorabkauf am Sonntagmorgen hin. Etwa eine Stunde nach Start war die Schlange noch im Rahmen; wir haben etwa zwanzig Minuten gewartet, bis wir rein konnten. Montags gibt es übrigens freien Eintritt.

Im September 1939 kam Oskar Schindler nach Krakau, um die Verwaltung der dortigen Emaillefabrik zu übernehmen. Der Unternehmer war NSDAP-Mitglied und kam wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf Polen nach Krakau. 1942 wurde er Eigentümer der Fabrik. Vor allem Juden aus dem Krakauer Ghetto zählten zu seinen Arbeitern. Schindler setzte durch, dass bei der Auflösung des Ghettos 1943 und der Internierung der überlebenden Juden im Konzentrationslager Plaszów auf seinem Fabrikgelände ein eigenes Unterlager für seine Arbeiter eingerichtet wurde.
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In der Emaillefabrik wurden während des Krieges kriegswichtige Produkte wie Zünder für Bomben und Essgeschirr für Soldaten hergestellt. So blieb die Fabrik bestehen. Schindler und seine Frau versorgten die eigenen Arbeiter mit Lebensmitteln und Medikamenten. Das KZ Plaszów wurde 1944 aufgelöst und die Insassen ins Vernichtungslager gebracht, als die Rote Armee 1944 näher rückte. Schindlers Emaillefabrik wurde ins böhmische Brünnitz verlegt. Dabei entstand die berühmte Liste von Oskar Schindler: Er erhielt die Erlaubnis, mit seinen Arbeitern umzuziehen. Auf der Liste standen allerdings auch viele Insassen des Lagers Plaszów. Wer auf der Liste stand, entkam dem Tod.
Lange wurde die frühere Emaillefabrik dazu genutzt, Radioteile herzustellen. 2010 wurde die ehemalige Verwaltungsshalle zu einem Museum umfunktioniert. Und in diesem kann man nun sehr anschaulich die Historie entdecken. Das Museum arbeitet mit vielen Bildern und Materialien aus der damaligen Zeit. Jeder Raum ist unterschiedlich gestaltet und sehr informativ. Meist sind es sogar zu viele Inhalte, die man nicht alle aufnehmen kann.



Uns beeindruckt, dass die Raumgestaltung sehr bewusst gewählt ist. Als es um die Einrichtung des Ghettos geht, laufen wir beispielsweise durch enge, dunkle Ausstellungsräume. In einem anderen Bereich geht es um Inhaftierte. Der Durchgang ist auch hier schmal. Rechts geht es immer wieder in kleine „Zellen“ ab, in denen sich Fotografien finden, die allerdings etwas abgewetzt an der Wand hängen. In einem anderen Raum ist ein Steinbruch nachempfunden. Stacheldraht trennt den Raum, wir laufen über Steine, es ist sehr hell. Als es um den Einmarsch der Roten Armee geht, laufen wir durch einen Bunker. Auf dem Boden befinden sich Gummimatten, man fühlt sich ein wenig, als würde man über Treibsand laufen. Direkt hinter der Dunkelheit des Bunkers kommt ein heller Raum, der wie eine Art Tempel gestaltet ist und in dem sich viele Dankeszitate von Überlebenden wiederfinden.








In einem Raum finden sich ein Schreibtisch und eine riesige Weltkarte. Auf dem Tisch steht eine Fotografie. Akten sind nachvollziehbar. Vom Bürostuhl aus blickt man auf einen Kubus voller Emaillegefäße. Im Inneren finden sich unzählige Namen.


Der Museumsbesuch ist auf der einen Seite sehr informativ, auf der anderen Seite bedrückend. Wer am Ende aus dem Tempel mit den vielen Zitaten kommt und die Wände passiert mit Fotografien, der wird – wie wir auch – nachdenklich sein. In einem separaten Raum kann man sich eine Ausstellung „Kinder im Krieg“ anschauen. Keine leichte Kost: Hier werden die Geschichten von Kindern in dieser Zeit erzählt. Wir bleiben am ersten Ausstellungsstück stehen; hier ist von einer Pfadfinderin die Rede.
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Wir laufen einmal kurz durch den Museumsshop. Hier ist auch ein Café angeschlossen. Nebenan ist uns außerdem „Industrial Resto & bar“ aufgefallen, wo man auch gut sitzen kann. Nach dem Museumsbesuch ist uns erst einmal nicht nach Essen. Wir laufen zum „Plac Bohaterów Getta“, der während der deutschen Besatzung der zentrale Platz des Krakauer Ghettos war. Heute prägen 70 leere Stühle aus Metall das Bild des Platzes. Sie symbolisieren den Hausrat, den die jüdischen Bewohner bei ihrer Vertreibung auf dem Platz zurücklassen mussten, und stehen als Mahnmal für die Opfer.

Just bei unserem Besuch wird der 83. Jahrestag der Liquidierung des Krakauer Ghettos (13.–14. März 1943) begangen – mit Kranzniederlegung, Reden und Gedenkmarsch. In der am Platz gelegenen Apotheke unter dem Adler (Apteka pod Orłem) ist daher freier Eintritt. Tadeusz Pankiewicz betrieb einst diese Apotheke. Er war der einzige Nicht-Jude, der im Ghetto leben durfte, und half den Bewohnern unter Lebensgefahr. Heute ist die Apotheke ein kleines Museum. Es befindet sich unter anderem ein schöner, alter Verkaufstresen mit alten Apothekerutensilien darin.


Nach dem Besuch der Apotheke und kurzem Verweilen auf dem Platz bei den Reden zieht es uns nun zurück ins jüdische Viertel, das uns ebenfalls sehr beeindruckt hat. Doch dazu mehr dann im allgemeinen Krakau-Blogartikel.