Welt entdecken

Namibias Küste: Atlantik trifft Wüste

Namibia steht für Wüste, Wärme, Wildnis und Weite. In den Küstenstädten Swakopmund und Walfish Bay wartet dagegen ein Kontrastprogramm: Hier trifft nicht nur die Wüste Namib auf den Atlantik. Statt Safari durch die Savanne geht es bei kühlen Temperaturen auf eine Bootstour.

Sahnetorte statt der sonst in Namibia verbreiteten „Fatcookies“ (eine Art Kreppel): Das ist in dem auch als „südlichste Küstenstadt Deutschlands“ bezeichneten Swakopmund gar nicht so unüblich. Während im Landesinneren die Sonne brennt, herrschen an der Küste angenehme Temperaturen und so klappt das auch mit dem Stück Schwarzwälder Kirschtorte im Café Anton.

Namibia im südlichen Afrika ist ein großes Land – und damit auch landschaftlich sehr unterschiedlich. Mit seinen 824 292 km2 hat Namibia etwa 2,3 Mal so viel Fläche wie Deutschland. Allerdings leben weitaus weniger Menschen in der ehemaligen deutschen Kolonie: Deutschland hat etwa 4,2 Mal so viele Einwohner.
Außerhalb der Städte besticht eine bestechende Weite. Unterwegs auf staubigen Straßen dauert es abseits der Hauptrouten lange, bis ein anderes Auto entgegen kommt. Die Natur nimmt an vielen Stellen ihren Laufen, zwischendrin springt eine Antilope über die Schotterpiste. Am Horizont flimmert es aufgrund der Hitze.

In den Küstenstädtchen Swakopmund und Walfish Bay ist das anders. Die Straße zwischen den beiden Städten erinnert aufgrund seines Verkehrsaufkommens an eine Bundesstraße. Das milde Küstenklima macht die Region vor allem während des namibischen Sommers (Oktober bis März) zu einem beliebten Ziel: Namibier und Südafrikaner zieht es an die Küste, an der es wegen des aus der Antarktis kommenden kalten Benguelastroms am Morgen oft neblig ist.

Trotz der Meereslage sind beide Städte keine Badeorte im klassischen Sinn. Die Wassertemperatur ist selten über 20 Grad Celsius. Einheimischen ist das egal: Sie nutzen gerade im Sommer das kühle Nass zur Abkühlung. Auch gibt es – gerade in Walfish Bay – optimale Bedingungen zum Kitesurfen. Andere vergnügen sich beim Angeln oder beim Tauchen nach Langusten.

Highlight ist eine Tour mit dem Boot durch die Lagune von Walfish Bay. Am Morgen geht es im Schatten großer Werften los. Der Bootsführer ist gleichzeitig der Guide und erzählt im netten Plauderton auf Deutsch jede Menge Anekdoten. Zu jedem tierischen Besucher hat er Geschichten und Fakten parat. Und die Vielfalt ist groß: Möwen fliegen über und neben dem Boot, Pelikane setzen zum Landeanflug gerne auch mal auf dem Dach des Kahns an. Waghalsiger sind da die Robben, die von Einheimischen aufgezogen wurden und auf das Boot kommen. Zeit zum ausgiebigen gegenseitigen Begutachten bleibt da genug.

Pelikane fliegen neben dem Boot in Walfish Bay
Mit Glück sieht man Delfine bei der Bootstour in Walfish Bay.
Bootstour in Walfish Bay: Die Robben kommen mit aufs Boot.

Der Guide gibt während der Ausfahrt sein Bestes, um den Besuchern Delfine zu präsentieren. Da die Säugetiere gerne spielen, wird kräftig Gas gegeben, um die Tiere zu ermuntern, in den Wellen Sprünge zu wagen. Wer etwas Glück hat, bekommt einen Wal oder eine Meeresschildkröte zu sehen.
Ruhiger wird es, wenn es in die Nähe einer Sandbank geht, um dort Robben und Seekühe zu betrachten. Dazu gibt es Getränke, belegte Brötchen und frische Austern, die in Namibia wegen des Bengualastroms besonders gut wachsen.

Die drittgrößte Stadt des Landes hat touristisch sonst wenig zu bieten. Zum Ende der Bootstour lohnt sich ein Abstecher zu einer Bucht, in der häufig Flamingos zu sehen sind, oder zu einer alten Missionskirche. Kolonialgeschichtlich interessanter ist allerdings das 30 Kilometer nördlich gelegene Swakopmund. Die Stadt war zu deutscher Kolonialzeit wichtigster Hafen für Einwanderer aus Deutschland. Relikte aus dieser Zeit, aber auch Exponate aus der Botanik und Archäologie gibt es im Swakopmunder Museum zu sehen.

Ein Rundgang durch die Stadt ist an einem Tag gut zu schaffen: Hohenzollernhaus, altes Amtsgericht, alte Kaserne, Prinzessin-Rupprecht-Heim, Leuchtturm, die Landungsbrücke „Jetty“ und der Ausblick vom Woermann-Turm gehören dazu. Am östlichen Stadtrand steht eine alte Lokomotive. Sie war dazu gedacht, Versorgungsgüter ins Landesinnere zu bringen – aufgrund des Wassermangels kam die Lok allerdings nicht voran.

Blick von Swakopmund auf Atlantik und Wüste Namib.

Wer nach Boots- und Stadttour genug von der maritimen Atmosphäre hat, bekommt auch an der Küste ein Wüstenerlebnis. Die älteste Wüste der Welt, die Namib, grenzt bei Swakopmund und Walfish Bay an den Atlantik: Ob Besteigung einer Düne, Sandborden oder die Suche nach der nur in Namibia auftretenden Welwitschia-Pflanze – auch dazu wird im Westen Namibias viel geboten.

Der Text ist am 12.04.2014 im SonntagsEcho der Echo Zeitungen erschienen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.