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Roadtrip Uganda und Ruanda – Teil 6 mit Gisenyi und Lake Kivu

Tag 13 und 14

Es zieht uns ans Wasser – genauer an den Lake Kivu bei Gisenyi. Nach knapp einer Stunde Fahrt durch die Berge und auf asphaltierter Strecke erreichen wir die Stadt (auch Rubavo genannt). Etwa sieben Kilometer außerhalb direkt am See gelegen ist unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte, die uns Jules Bekannte aus Ruanda empfohlen hat: die Inzu-Lodge, auf deren Gelände auch gezeltet werden kann und wo es tolles Essen geben soll. Wir gönnen uns ein Mittagessen. Für umgerechnet drei Euro gibt es einen Spieß mit Ziegenfleisch für Jule, Lukas nimmt für etwa 4,70 € die exoterische Variante: einen Spieß mit Wurst (Art Chorizo) und Ananas. Dazu gibts jeweils Pommes und Salat – und eine wundervolle Aussicht auf den See.

Am Mittag zieht es uns in die Stadt. An der Promenade lässt es sich wunderbar flanieren. Am See mit Sandstrand gibt es tolle Fotos zu schießen. Wer mag, kann hier auch schwimmen gehen oder eine Bootstour machen. Nur einen Kilometer entfernt ist die Grenze zum Kongo – hinlaufen ist möglich. Doch aufpassen, dass man nicht versehentlich die Grenze passiert, wie uns ein holländisches Pärchen von ihren Erlebnissen berichtet.

In der Stadt selbst scheint es eine größere Beerdigung zu geben. Wir kommen an einer Menschenmenge vorbei, die Kreuze und Bilder eines Mannes auf Plakaten und T-Shirts tragen. Manche weinen. Ein Pulk Fotografen steht beisammen. War es jemand Bekanntes?

Um unser Auto abzustellen, steuern wir einen im Stadtplan markierten Parkplatz an. Wir finden ein verfallenes (oder vielleicht auch nicht fertiggestelltes) Parkhaus vor. Bei der in der Nähe der Promenade angesiedeltem Touristeninformation (es gab vor allem Souvenirs zu kaufen), fragen wir, ob wir parken dürften – das ist kein Problem.

Zurück bei der Inzu-Lodge beginnt es heftig zu regnen – und wir beschließen, uns auch noch das Abendessen zu gönnen. Gute Entscheidung, denn wir lernen die ruandische Küche nun so richtig kennen. Weil wir bei der Bestellung nicht direkt antworten, welche Art von Papp (aus Mais oder Maniok-Wurzel) wir wollen, wird uns schließlich beides gebracht zum Probieren. Dazu gibt es Maniok, der ähnlich wie Spinat zubereitet ist, Bohnen, Rindfleisch in einer leckeren Soße und zarte Hähnchenstreifen mit Zwiebeln gekocht und im Bananenblatt serviert. Zu schade, dass wir die riesige Portion nicht schaffen, denn es ist richtig lecker.

Am nächsten Tag steht unser Ausflug zur Kaffeeplantage Cymbili an. Im Vorfeld hatten wir per Mail Kontakt aufgenommen und unseren Besuch angekündigt. Alternativ ist ein Besuch bei der COPAC-Plantage möglich, was zu einem recht teuer ist (für jede Station der Kaffeeproduktion wird extra gezahlt, sodass man bei rund 100 U$ pro Person landet. Im Vergleich: wir zahlen 30 U$ pro Person). Zum anderen wirkte Cymbili bei der Vorab-Recherche sympathischer. Bei beiden Plantagen mussten wir lange auf Antworten warten – es ist also empfehlenswert frühzeitig anzufragen.

Etwas schwer taten wir uns mit der genauen Lokalisierung der Plantage. Auf der Webseite ist eine Googlemaps-Karte mit einer Markierung versehen, vergrößert man diese, ist die Kennzeichnung nicht mehr sichtbar. Wir fragen an der Rezeption nach. Dort heißt es, man fahre am besten den Congo-Nil-Trail am See entlang und nach etwa zwölf Kilometer und etwa 40 Minuten Fahrt erreiche man die Plantage. Mit dieser Beschreibung machen wir uns auf den Weg.

Der Trail wurde 2011 eröffnet. Die 227 km lange Route führt am Lake Kivu von Rubavu nach Rusizi. Ob zu Fuß (etwa zehn Tage), auf dem Mountainbike (etwa fünf Tage) und mit dem Allrad (zwei bis drei Tage) – der Trail (oder zumindest das, was wir davon gesehen haben) ist empfehlenswert. Bei der Fahrt durch die Siedlungen wird man freudig mit „good morning“ begrüßt, es wird gewunken, Kinder laufen neben dem Auto her – man muss das sicherlich mögen, doch wir freuen uns immer wieder über das freundliche Willkommen. Die Aussichten auf den See, aber auch auf Kaffee- und Teeplantagen sowie Felder voller Bohnen und Bananen sind toll. Immer wieder gibt es Abzweige und Alternativstrecken, zum Beispiel fahren wir mal (eher aus Versehen) ab zu einem Fischerdorf. Auch auf dem Rückweg entscheiden wir uns für einen „Subtrail“. Generell ist der Weg gut ausgeschildert. Wir fahren lediglich an einer Stelle in die falsche Richtung, da an einer Kreuzung das Schild fehlt. Der Orientierungssinn lässt uns stocken und Open Street Map zeigt an, dass wir vom Trail abgekommen sind, weswegen wir umdrehen, den anderen Abzweig nehmen und bald wieder ein entsprechendes Hinweisschild sehen. (Hinweis: Open Street Maps zeigt den Trail nicht hundertprozentig passend zum GPS-Signal an – zumindest bewegten wir uns oft neben der Straße.)

Nach einer Stunde und schon über zwölf Kilometer sind wir natürlich nicht an der Plantage angekommen. Da laut Open Street Maps es auch noch einige Kilometer zum Cymbili Wasserfall sind, fahren wir weiter. Nach knapp zwei Stunden passieren wir den Wasserfall und kommen an eine Weggabelung. Rechts runter geht es zum Cymbili-Basecamp. Wir fragen einen Mann und eine Frau, ob dort auch die Plantage sei, doch leider verstehen sie weder Englisch noch Französisch und so probieren wir einfach unser Glück. Am Ende des Weges gabelt sich die Straße erneut. Wir fahren links, stehen plötzlich vor dem Tor einer Schule, setzen zurück, nehmen den rechten Abzweig und landen bei einer Krankenstation. Der Pfleger dort kann Englisch und erklärt uns, dass wir auf das Gelände der Schule fahren müssten. Also wieder zurück. Als wir auf den Schulhof einfahren, fühlen wir uns ein wenig wie eine Sensation. Alle Blicke richten sich auf uns, Kinder umzingeln das Auto. Es wird über den Lack gestrichen, sich gewundert, dass die Motorhaube warm ist. Später entdecken wir Jugendliche, die ihre Nase an den Fensterscheiben platt drücken. Von einem Plantagen-Mitarbeiter wird uns erzählt, dass nur selten Autos hier vorbei kämen und manch einer schon von der Stadt zurück gekommen sei und es gar nicht hätte glauben können, dass es mehr als drei Autos dort gäbe. Die Kinder sind neugierig, Jules Haare werden fast ein wenig ungläubig angefasst – wir fragen nach den Namen und schüchtern antwortet jeder „My name is…“

Nach der kurzen Begegnung starten wir unsere etwa zweistündige Tour. Chris führt uns ein in den Kaffeeanbau, erzählt, wie die Pflanzen angezogen (ein Jahr) und schließlich mit zwei Meter Abstand zueinander angepflanzt werden. Erst im vierten Jahr tragen sie Kaffeekirschen. Pro Pflanze gibt es zwei Austriebe, die sieben Jahre lang Ertragreich sind. Nach dieser Zeit werden sie entfernt und neue wachsen nach. Bis zu hundert Jahre werden die Bäume alt. Zwischen Mai und Juni werde geerntet, doch auch jetzt finden sich vereinzelt Kaffeekirschen an den Bäumen und Chris pflückt ein paar ab, um uns zu zeigen, welche von guter Qualität sind, welche überreif sind und welche Schäden haben.

Wir gehen weiter und landen an dem Platz, an dem die Kirschen nach Qualität sortiert, geschält, gewaschen und getrocknet werden. Im Inneren der Kirschen finden sich jeweils zwei Bohnen, die von einer glibberigen Schicht umzogen sind. Diese gilt es beim Waschvorgang zu entfernen. Uns überrascht, wie oft und mit welchen Methoden die Qualität der Bohnen überprüft und so nach Kategorie eins, zwei und drei sortiert wird. Laut Chris komme beim Verbraucher im Supermarkt dennoch immer eine Mischung der Kategorien an, da der Kaffee sonst zu teuer wäre. Für ihren Verkauf (sie exportieren vor allem an eine Firma in Texas) wäre die Unterscheidung wegen des Preises natürlich wichtig.

Während der Tour erfahren wir auch, dass die Cymbili-Plantage 32 Hektar groß ist und zur Erntezeit Arbeiter beschäftigt werden, die mindestens 30 kg Kaffeekirschen am Tag ernten. Im Gegensatz zu anderen Plantagen kaufen sie nicht von Kleinbauern, unterstützen diese aber, in dem sie für diese beispielsweise einen Brunnen mit Trinkwasser zur Verfügung stellen und das von der Regierung umsonst bereit gestellte Düngemittel lagern. Heute sei Ausgabe gewesen – das erklärt auch die vielen Menschen auf dem Schulhof, die an einer Waage anstehen. Je nachdem, wie viele Bäume man habe, bekomme man Düngemittel entsprechend zugeteilt. Auch berichtet Chris von Trainings, in denen die Bauern zum Beispiel den Kaffee zum Probieren bekommen. Häufig sei es so, dass es bereits seit Generationen Kaffeeanbau gäbe, da die Kirschen dann aber verkauft würden und man sich den Kauf von Kaffee nicht leisten könne, hätten viele es noch nicht getestet. Uns wird immer bewusster, warum Kaffee ein Genussmittel ist.

Interessant ist auch die Geschichte der Plantage. Gegründet wurde sie von Deutschen in der Kolonialzeit. Nach dem Ende von Deutsch-Ostafrika 1918 übernahm die Baptistische Kirche sie. 2015 kooperierte die Kirche mit ALARM (African Leadership and Reconciliation Ministries), das seitdem die Plantage betreibt. Gegründet nach dem Genozid 1994 hat ALARM das Ziel, Gemeinschaften zu unterstützen und Beziehungen zu stärken, um ethnische Konflikte zu lösen.

Nachdem wir zum Anbau, der Ernte und der Verarbeitung vieles erfahren haben, geht es ans traditionelle Rösten. Cymbili selbst verkauft nur die Bohnen, will aber bald auch selbst rösten und verkaufen. Dazu würden die Bohnen allerdings nach Kigali transportiert und geröstet wieder zurück gebracht. Die traditionelle Zubereitung ist nur etwas für kleine Mengen, wie wir schnell merken. Die getrockneten Bohnen werden zuerst in einem Mörser bearbeitet, um die Hülle zu entfernen.

Mit Hilfe einer Bastschale und professionellem Schwenken werden die Bohnen heraus sortiert und landen schließlich in einem gußeisernen Topf auf dem Feuer. Damit sie nicht verbrennen, wird ständig gerührt.

Nach etwa 20 Minuten riecht es nach Kaffee, die Bohnen haben ihre Schokoladenartige Farbe und werden wieder in einen Mörser gegeben. Dort werden sie zu Pulver gestampft, das schließlich in einer French Press mit heißem Wasser aufgegossen wird. Nach vier Minuten Ziehzeit wird uns in kleinen Porzellan-Tassen Kaffee eingeschenkt.

Es duftet leicht nussig. Beim Probieren kommt die Assoziation zu dunkler Schokolade, doch bitter ist der Kaffee nicht. Es schmeckt großartig und wir freuen uns, dass wir das restliche Kaffeepulver als Erinnerung mit nach Hause bekommen.

Auf dem Rückweg wählen wir einen anderen Teil des Congo-Nil-Trails, bei dem wir nach elf Kilometern und etwa einer Stunde die Asphaltstraße erreichen – genau richtig zum Einsetzen von starkem Regen. 22 Kilometer und eine halbe Stunde später erreichen wir wieder Gisenyi und lassen nach diesem schönen Tagesausflug den Abend auf der Terrasse der Inzu-Lodge ausklingen. Der Regen hat aufgehört, auf dem See sind kleine Boote unterwegs. Der Gesang der Fischer klingt bis zu uns hoch.

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