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San Francisco

Um ehrlich zu sein: Die USA stand bisher nicht auf der Liste der Reiseziele, die möglichst bald besucht werden sollten, auch wenn einige Freunde bereits großartige Bilder aus “dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten” gezeigt haben. Doch nach ein paar Tagen in San Francisco – beruflich bei Jule bedingt – steht fest: Hier sollten wir durchaus mal etwas Zeit verbringen.

Für den ersten Tag in der Stadt habe ich mir vorgenommen, mich ein wenig treiben zu lassen. Klar, ein paar Ziele, die auch etwas weiter weg sind von Downtown und damit meinem Hotel, möchte ich mir ansehen. Doch einen genauen Plan habe ich nicht. Ich bin früh wach – der Jetlag lässt grüßen – und so ist der Union Square noch ziemlich leer, als ich vorbei komme. In der Mitte steht eine hohe Statue, die zum Gedenken an den spanisch-amerikanischen Krieg von 1898 errichtet wurde. Rund herum gibt es viele Geschäfte (Macy`s, Apple-Store, Nike) sowie das prächtige Hotel St. Francis, das zu den ältesten der Stadt gehört. Ich mache mich auf die Suche nach einem Frühstück und lande in einer Seitenstraße in einem – wie ich finde – Amerikatypischen Kaffee. Lauwarmer Kaffee, ein angedatschtes Schoko-Croissant – naja.

Ich laufe weiter die Powell Street hinunter. An der Kreuzung zur Market Street startet eine Cable-Car-Linie. Doch mir stehen zu viele Menschen an und ich mache mich auf Richtung Mission Dolores. Vorbei am Civic Center und dem prächtigen Rathaus, kreuze ich das Twitter Headquarter und biege an der Valencia Street ab. Nach ein paar Blocks durch das Viertel Mission biege ich in die 16th Street ein und lande bald an der Mission Dolores. Das Gebäude gehört zu den ältesten in San Francisco. Die Türme der Basilika bilden einen tollen Kontrast zum blauen Himmel – der Morgendunst ist ganz plötzlich verschwunden.

Empfehlenswert ist, die Dolores Street Richtung Market Street zurückzulaufen. Viele tolle Häuser stehen hier. Die “Painted Ladies” passen gut dazu: im viktorianischen Stil und mehrfarbig gestrichene Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert.

Ich komme wieder am Rathaus an, einem eindrucksvollen Gebäude, dessen Kuppel nach dem Vorbild von St. Peter in Rom gebaut wurde. Das Innere der City Hall interessiert mich. Nach einem kurzen Sicherheitscheck bin ich drin und wundere mich über viele Bräute. Es ist witzig, das Treiben auf der prächtigen Treppe im Barock-anmutenden Innern zu beobachten: Im Fünf-Minuten-Rhythmus werden am oberen Ende der Treppe Paare vermählt, auf der Treppe selbst unzählige Hochzeitsfotos geschossen. Und natürlich rennen alle ins Bild….

Rund um das Civic Center finden sich das Opera House, die Symphony Hall, die Stadtbibliothek und das Asian Art Museum. Folgt man den Gebäuden, landet man an der United Nations Plaza. Von hier aus ist es nicht mehr weit zum Union Square.

Ich laufe die Powell Street hoch, da ich erneut keine Lust habe, mich in die Schlange zum Cable Car zu stellen. Auf dem Weg nach oben bietet sich allerdings die Gelegenheit, aufzuspringen. Am Rand gibt es immer wieder Schilder, die auf einen Stopp der beliebten Cabel Cars hinweisen. An der Ecke California Street kreuzt eine andere Linie. Auch wenn es nicht weit ist bis zur Grace Cathedral – ich nutze meinen 3-Tages-Muni-Pass gerne aus.

Die Kathedrale erinnert an europäische Kirchen. Man sollte unbedingt rein gehen und die Fenster begutachten, die beim reinfallenden Licht wunderbar anzuschauen sind.

Von der Kirche laufe ich zum Cable-Car-Museum, ebenfalls im Viertel Nob Hill gelegen. Der Eintritt ist umsonst, um Spenden wird gebeten – und die sind die die historischen Ausstellungsstücke, die die Geschichte des Cable-Car-Systems in San Francisco erklären, sowie den Blick auf die riesigen Räder, die die Kabel in Bewegung halten, auch angemessen.

Nächster Stopp ist Chinatown. Ein riesiges, prächtiges Tor markiert den Eingang. Lampions und mit Drachen verzierte Straßenbeleuchtung sorgen für ein entsprechendes Flair. Viele Läden, in denen es kitschig-anmutende Kunst und natürlich auch die winkenden Katzen gibt, dominieren die Straßen. Immer mal wieder gibt es Läden, in denen Tee-Zeremonien angeboten werden. In den Seitenstraßen finden sich Obst- und Fischläden – natürlich noch mit lebenden Tieren.

Ich springe wieder auf ein Cable Car auf und fahre Richtung Lombard Street. Da das Cable Car, auf dem ich unterwegs bin, auf der Columbus Avenue unterwegs ist, steige ich in Höhe der Lombard Street auf und erklimme regelrecht den Berg. Die Lombard Street gilt als kurvenreichste Straße der Welt – die Serpentinen waren notwendig, da das Gefälle 27% beträgt. Die Autos schieben sich langsam die Straße herunter, die von einer tollen Bepflanzung gesäumt ist. Schneller geht nicht – wegen dem Gefälle und den vielen Touristen, die gespannt die Fahrerei beobachten, sich häufig genug aber auch für Fotos in den Weg stellen. Oben angekommen, wird man mit einem wunderbaren Blick auf San Francisco belohnt.

Weiter führt der Weg vorbei an der Kirche St. Peter und Paul – mit kurzer Rast am Washington Square -, die Filbert Street hoch zum Coit Tower. Der Aussichtsturm auf dem Telegraph Hill wurde zu Ehren der Feuerwehrleute gebaut. Im Inneren des Turms gibt es tolle Wandbilder. Hoch kann man leider nur noch mit dem Aufzug für 5 U$ fahren. Ich habe darauf verzichtet, da man bereits von der Anlage rund um den Turm eine tolle Sicht hat – ein toller Ausklang für den ersten Tag.

Am zweiten Tag fahre ich mit der historischen F-Linie zu Fisherman Wharf und miete mir ein Rad bei San Francisco Bicycle Rentals. Die Räder sind in einem guten Zustand, der Verleiher locker drauf. Je nachdem, wie lange man unterwegs ist, wird berechnet. Ich bin rund 3 Stunden unterwegs und zahle 8U$ pro Stunde plus Steuern. Die Tagesmiete rechnet sich ab vier Stunden.

Von Fisherman Wharf folgt man einfach den anderen Radlern, um zur Golden Gate Bridge zu kommen – bei mir leider mit starkem Gegenwind. Letztendlich geht es immer die Bay entlang, die Brücke meist in Sichtweite. Stopps an Piers und tollen Aussichtspunkten sind so jederzeit möglich. Ich empfehle, vor Start Wasser und einen kleinen Snack zu kaufen.

Vorbei an Fort Mason und dem wunderbaren, naturnahen Chrissy Beach lande ich schließlich am Fort Point und kann die Brücke von unten fotografieren. Den Berg hoch und dann reiht man sich in die Radspur über die Golden Gate Bridge ein. Wichtig: Radfahrer sind auf der einen Seite unterwegs, Fußgänger auf der anderen. Das kann aber je nach Wochentag und Uhrzeit sich auch ändern.

Auf der Brücke selbst ist es recht laut, es ist viel los und starker Wind, so dass anhalten nur schwer möglich ist. Ich suche mir einmal eine Lücke aus, um ein paar Fotos zu machen – ein richtiger Stopp ist aber erst wieder auf der anderen Seite möglich. Dort stellt man am besten sein Rad ab und läuft ein paar Meter unter der Brücke entlang, um zum Aussichtspunkt zu kommen. Ein neuer Blick auf die Brücke und vor allem auf die Stadt und das Wasser – wirklich lohnenswert.

Wer noch etwas weiter möchte, kann beispielsweise nach Sausalito fahren und auch mit einer Fähre zurückfahren. Da es bei mir aber schon nachmittags ist und ich keine Lust habe, mich in Sausalito in die Fährschlange einzureihen, von der oft erzählt wird, mache ich mich mit dem Rad auf den Rückweg. Dank Rückenwind geht das nun schneller voran und trotz einiger Fotostopps inklusive Abstecher im Presidio-Park (alter Militärstützpunkt) bin ich bald wieder an der Fisherman Wharf und gebe das Rad ab.

In dem Bereich gibt es einige Restaurants und Imbissbuden. Shrimps und Chips – genau mein Ding. Doch Achtung: die Möwen sind gierig danach und trotz aufpassen klaut mir am Schluss doch eines der Vögel aus der Hand heraus ein Scrimps-Stück!

Ich laufe die Bay entlang und schaue mir die verschiedenen Piers und Attraktionen an. Besonders hervorzuheben ist das Ferry Building, ein Bau aus dem Jahr 1898, das toll restauriert wurde und neben dem Fährterminal auch viele stylische Läden beheimatet. Und dann ist da natürlich Pier 39, der einem Rummel gleicht und sehr an Disney-Land erinnert: Fahrgeschäfte, eine kleine Bühne, jede Menge Souvenierläden und Restaurants. Hier leben auch die San Francisco-Seelöwen – ein Magnet für Touristen, die sich um die Tiere scharen. Schön anzuschauen ist außerdem die Bay Bridge – vor allem bei Sonnenuntergang.

Einen halben Tag habe ich schließlich noch Zeit, um mit dem Bus 38 zur Endhaltestelle bei Lands End zu fahren. An der Pazifikküste lässt es sich wunderbar auf dem Coast-Trail entlang spazieren. Unterhalb von Lands End gibt es eine schöne Bucht und die Möglichkeit, in eine kleine Höhle reinzugehen. In einem kleinen Wald halten Künstler in ihren Bildern die tolle Landschaftsszenerie fest. Immer wieder bieten sich auf dem Trail schöne Ausblicke und Rastmöglichkeiten. Tipp: Im Café am Lands End einen Sandwich kaufen und vorne dran am Wasserspender die Flasche füllen – so ist man gut gerüstet für ein Picknick zum Beispiel am Dead Man`s Point.

Das Resümee für San Francisco: Ein vielseitiger Platz, um Stadtleben und Naturerlebnisse zu kombinieren. Prächtige Bauten und exotisches Chinatown, Kommerz und viele Obdachlose, Wolkenkratzer und eine schöne Küste – ob zu Fuß, mit dem Cable Car oder Rad, San Francisco ist sehr gegensätzlich und spannend zu erkunden. Wer Alcatraz sehen will, sollte sehr frühzeitig online Tickets buchen – ich hatte drei Wochen vorher nichts mehr bekommen.

Lust auf mehr Bilder? Dann schau doch mal in der Flickr-Galerie vorbei!

Auf der Suche nach einem Reiseführer? Wie wäre es mit City-Trip von Reise Know-how oder Marco Polos Stadtführer zu San Francisco?

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