Wandern in den Vogesen: Felsenweg - Lac de Schiessrothried - Höhenkamm
Zu Fuß

Wandern in den Vogesen: Felsenweg – Lac de Schiessrothried – Höhenkamm

Was für eine Wanderung, was für ein Erlebnis! Wir sind in den Vogesen unterwegs und laufen die “Passages difficiles” ab Col de La Schlucht, die wir auf Outdoor Active gefunden haben. Am Ende haben wir 21 Kilometer und 900 Höhenmeter auf unserer Uhr, dazu schwere Beine und jede Menge Erlebnisse im Gepäck.

Bei der schweren Tour geht es über den bekannten Felsenweg – den Sentier des Roches -, an Frankenthal und der Grotte de Dagobert vorbei zum Col du Schäferthal. Ab Schiessroth geht es in Serpentinen abwärts zum Schiessrothried-Stausee, von da aus wieder über eine schwere Passage über den Spitzstein und durch den Wormsawald hoch auf den Kerbholz, weiter zur Kastelbergwasen. Ab hier kann man fast von Rückweg sprechen, der sich über den Höhenkamm unterhalb von Hohneck entlangzieht.

Doch nun zu den Details der abenteuerlichen Tour. Wir starten vom Parkplatz am Col de La Schlucht, wo wir über Nacht mit unserem Bus standen. Der Einstieg auf den drei Kilometer langen alpinen Steig befindet sich links hinter dem Hotel-Restaurant in der Nähe der Straße nach Soultzeren. Auf 1139 Metern geht es los, das Ende des Felsenpfades liegt am Krappenfels auf einer Höhe von 980 Metern.

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Die ersten Meter fangen harmlos an. Es geht über einen schmalen Waldpfad. Zwischen den Bäumen können wir bereits die fantastische Aussicht erahnen – bei bestem Wetter blicken wir an den unterschiedlichsten Aussichtspunkten ins Tal und Richtung Schwarzwald. Wer Glück hat, erkennt die Alpen. Wir erreichen den ersten Felsvorsprung und sind begeistert von der Fernsicht. Wenn nun nicht noch rund 19 Kilometer vor uns liegen würden, kämen wir fast in die Versuchung, auf den Felsen hoch zu klettern und zu rasten. Doch weiter geht es auf dem auch Strohmeyerpfad genannten Weg. Erschaffen wurde er übrigens in den frühen 1910er Jahren.

Kurze Zeit später kommen die ersten Eisengeländer am Fels. Auch über eine eiserne Brücke gilt es zu gehen. Alles noch sehr einfach, denn der Weg ist noch recht breit und ausreichend Platz vorhanden. Doch schon kurze Zeit später kommen wir an die Passagen, an denen es links von uns steil nach unten geht. Über viele Felsen und Steine, auf natürlichen Treppen und einfache Brücken finden wir unseren Weg. Manchmal teilen wir den Weg mit einem Bachverlauf und auch einen Wasserfall können wir entdecken.

Als wir die 1155 Höhenmeter erreichen, geht es erst einmal abwärts – immer wieder mit kürzeren Aufwärts-Etappen. Ein Auf und Ab. Über viele Steine kommen wir langsam vorwärts. Die Konzentration ist hoch, der Blick oft auf die Füsse gerichtet. Schließlich kommen wir zu einer spannenden Felsstelle: Durch einen schmalen Durchgang gehen wir auf die andere Seite. Dort geht es über eine steile Eisenleiter nach unten. Über Felsen krabbeln wir regelrecht nach unten.

Wir erreichen schließlich das Ende des Felsenpfades und wechseln auf einen breiteren Schotterweg. Erholung für die Füße, könnte man meinen. Doch es geht aufwärts. Nach einiger Zeit gelangen wir in einen breiten Talkessel. Oben sehen wir Hohneck und das Col de Falimont. Später werden wir dort oben zurückgehen. Wer möchte, könnte hier auch abbiegen und einen als schwer markierten Weg nach oben nehmen.

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Die Ebene umgeben von den steilen Felswänden ist richtig toll anzusehen. Die Ferme Auberge Frankenthal bietet ein paar Sitzgelegenheiten mit bester Aussicht. Richtig schön gemacht ist es hier. Doch es ist zu früh, um Waldmeister-Bier zu testen, und so lassen wir die Liegebank hinter uns und passieren über eine Holzbrücke das kleine Hochmoor.

Klar, dass es direkt wieder aufwärts geht. Der Blick zurück lohnt, doch wir müssen just an dieser Stelle etwas aufmerksam sein. Denn nach ein paar Metern, auf denen wir dem scheinbar richtigen Weg folgen, merken wir, dass der Pfad abgebogen sein muss. Und tatsächlich: Etwas unscheinbar geht es hier rechts ab. Das Grün rechts und links des schmalen Weges wächst ordentlich nach oben. Wir nehmen schließlich den Abzweig zur Grotte Dagobert mit.

Die etwa 350 Meter Umweg lohnen sich, denn in die Grotte kann man tatsächlich rein klettern. Auf Komoot ist nachzulesen, dass sich im 16. Jahrhundert König Dagobert vor seinen eigenen Gefolgsleuten in eben dieser Grotte versteckt haben soll. Wir können es leider nicht bestätigen – die Infotafel auf französisch ist zu kompliziert für unsere einfachen Sprachkenntnisse. In der Grotte ist es stockduster. Lediglich die Langzeitbelichtung beim Fotografieren zeigt uns, wie es im Inneren aussieht. Die Licht der Smartphone-Taschenlampe hat hier gar nichts gebracht.

Nach dem kurzen, abenteuerlichen Besuch der Grotte steigen wir weiter auf und halten kurz an einem Aussichtsfelsen auf rund 1200 Metern. Von hier aus geht es an der unbewirtschafteten Hütte Schäferthal vorbei leicht aufwärts zum Col du Schäferthal. Die Aussicht ist fantastisch.

Ab dem Col du Schäferthal führt die Route stetig abwärts. Zuerst suchen wir unseren Weg über viele Steine zur Hütte Schießroth. Das ist nicht wirklich angenehm zu laufen, dafür ist die Aussicht fantastisch. Zwischendrin können wir in der Tiefe auch den Schiessrothried-Stausee entdecken. Der Staudamm wurde von 1887 bis 1891 gebaut. Ab der Hütte ist der Weg nach unten angenehm zu laufen und so kommen wir über den Serpentinen Waldweg schnell nach unten. Angekommen am See, der zum Ende der Eiszeit als Gletschersee entstand, heißt es für uns: Pause. Baguette und Salami werden ausgepackt. Die Mittagsrast tut gut, denn die nächste schwere Etappe wartet auf uns.

Auf 925 Meter haben wir gerastet, nun geht es erneut über die tausender Marke. Bis zum Spitzkopf kommen wir leicht vorwärts über einen angenehmen Waldpfad. Die Felsformation selbst ist toll anzuschauen. Kurz hinter uns sind Kletterer unterwegs, denn die Spitzköpfe sind ein beliebtes Klettergebiet.

Dann beginnt der schwierigere Teil, auf dem wir weitestgehend auch alleine unterwegs sind. Es wird erneut felsig. Immer wieder kommen Kletterpassagen. An Drahtseilen halten wir uns fest, während es auf der anderen Seite gut nach unten geht. Mal gilt es, über Felsen hinab zu klettern oder über ein Schotterfeld sich entlang zu hangeln. Mal geht es nur über Behelfsstufen vorwärts. Interessant wird es, als wir über ein Geröllfeld müssen. Über riesige Steine folgen wir den blauen Balken – der Weg ist hier sehr gut beschildert.

Was für eine Etappe: Kräftezerrend und abenteuerlich, doch es macht uns richtig Spaß. Kurz durchatmen können wir im Ammelthal auf 1030 Meter. Eine Holzbrücke führt über einen idyllischen Bach. Wow, ist das schön hier. Auf 1080 Metern erreichen wir schließlich den Kerbholz. Nach der anstrengenden Etappe lassen wir uns kurz auf dem Grasbewachsenen Gipfel nieder. Einmal ausstrecken, Beine entlasten, die Sonne ins Gesicht strahlen lassen und Augen zu. In der Ferne hören wir die Kuhglocken bimmeln, ansonsten ist es ruhig. Herrlich!

Keine zehn Minuten später sind wir wieder am Laufen. Der nächste Stopp ist der Kastelbergwasen, eine Hütte unterhalb des Kastelbergs auf 1165 Metern. Erst geht es durch den Wald, natürlich bergauf. Dann laufen wir eine Art Panoramaweg entlang mit schöner Aussicht auf Mittlach und die Berge. Rechts und links von uns wachsen Heidelbeeren. Weiter unten sehen wir einige Personen, die diese pflücken. Am Kastelbergwasen stärken wir uns mit Kuchen, Orangina und Bier.

Rund um den Kastelberg herum führt ein Schotterweg stets aufwärts. Auf dem sind wir nun unterwegs. Erneut tut es den Füßen gut, einfach mal gerade aus zu laufen. Für uns ist es dennoch anstrengend. So langsam merken wir die Kräftezehrenden vergangenen Kilometer – und beim Geradeauslaufen sind wir nicht unbedingt abgelenkt oder konzentriert auf etwas anderes. Dazu das stetige Auf, kein Schatten und ab und an ein Auto, dass Staub aufwirbelt.

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Wir sind froh, als wir bei etwa 1290 Höhenmetern auf einen Pfad über Wiesen abbiegen können. Vorbei an ein paar Skiliften nähern wir uns dem Col du Wormspel. Von da aus sehen wir die Hütte auf dem Hohneck. Wer nun noch super motiviert ist, kann den Gipfel mitnehmen. Uns zieht es weiter zum Col de Falimont, von wo aus wir eine wunderbare Sicht auf die Martinswände und den Talkessel mit der Hütte Frankenthal haben. Hier waren wir einige Stunden zuvor.

Wir sind nun auf dem Höhenkamm unterwegs. Übrigens verlief hier 1871 die Grenze zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich. Die Strecke ist leicht zu laufen. Es geht mehr oder weniger eben Richtung Col de la Schlucht. Wir wechseln auf einen sandigeren Weg, schließlich kommen wir durch einen schönen Wald

Am Refugium Les Trois Fours halten wir uns am Waldrand und nehmen das letzte Stück durch den Wald in Angriff. Wir sind erneut in einem schönen Waldstück unterwegs. Klar, dass wir den letzten Aussichtspunkt noch mitnehmen.

Nach sechs Stunden und fünfzehn Minuten Laufzeit bei etwa einer Stunde Pause erreichen wir wieder Col de La Schlucht. Müde und glücklich über solch einen imposanten Wandertag freuen wir uns, den Rest des Abends im Bus ein wenig entspannen zu können und nicht weiterfahren zu müssen.

Alternativen

Wer die Tour in mehrere aufteilen oder nur Teile davon gehen möchte, dem sei der Sentier des Roches empfohlen. Ihn kann man ihn verschiedenen Abstufungen laufen. Beispielhaft ist diese mittlere Tour von 6,3 Kilometer:

Denkbar ist auch, den Felsenweg mit Hohneck zu verbinden:

Warnhinweis

Achtung! Der Sentier des Roches gilt als einer der anspruchsvollsten Gebirgspfade in den Vogesen. Gute Wanderschuhe und Trittsicherheit sind Voraussetzung. Nach Regenfällen und im späten Herbst, wenn Laub den Steig bedeckt, sollte er nicht begangen werden. Wir hatten unser Klettersteig-Set für den Fall der Fälle dabei, haben es aber nicht gebraucht. Der Steig ist gut abgesichert, der Einsatz eines Klettersteig-Sets nicht vorgesehen.

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als stellvertretende Chefredakteurin bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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