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Roadtrip durch Ostafrika: Kenia, Tansania und Sambia

In zwei Wochen geht es 3300 Kilometer durch Kenia, Tansania und Sambia.

Schnell raus aus dem chaotischen Nairobi: Unser Flieger ist gerade auf dem Jomo Kenyatta-Airport gelandet, doch wir wollen die Millionen-Stadt direkt wieder verlassen. Richtung Norden zum Mount Kenya soll es erst einmal gehen, bevor uns die Reise, rund 3300 Kilometer weit, mit Bus und Jeeps über Tansania nach Lusaka in Sambia führt. Gerade mal zwei Wochen haben wir dazu Zeit.

Die Straße Richtung Norden ist eine einzige Baustelle. Der „Highway“ wird frisch geteert, Brückenelemente zur Querung der Straße gebaut. Für die vielen Autos, Busse und Lastwagen heißt dies, auch mal abseits der befestigten Straße zu fahren – wenn es denn voran geht – oder sich zwischendurch zu schlängeln. Über Kratzer und Beulen macht sich hier keiner Gedanken. Zwischen den Fahrzeugen huschen Händler umher und versuchen von Zeitungen über Obst und Gemüse bin hin zu aufblasbaren Spidermans und Goldkettchen alles an Mann und Frau zu bringen.

Markttag

Ist das Stopp-and-Go durch Nairobis Vororte überstanden, geht es durch eine grüne, fast schon regenwaldartige Gegend. Nach drei Stunden erreichen wir Kaiyaba. Auf einem Zeltplatz schlagen wir für zwei Nächte unsere Zelte auf. Zum Abendessen kaufen wir an den Ständen der Bauern Kartoffeln, Eier und Maniok. Ein Gespräch entsteht dabei wie von selbst.

Am nächsten Morgen zieht es uns ins 25 Kilometer entfernte Nyeri. Das Städtchen am Fuße des Mount Kenya ist Heimat der Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai. Der Pfadfindergründer Sir Robert Baden-Powell verbrachte hier mit seiner Frau Olave seinen Lebensabend. Wir besuchen das Grab der beiden und ihren letzten Wohnort. Das Haus, Paxtu genannt, ist heute Teil des Outspan-Hotels und beherbergt ein Museum, das Anlaufstelle vieler Pfadfinder ist.

Nach einem Zwischenstopp in Nairobi samt Übernachtung geht es Richtung Tansania. Die 270 Kilometer bis Arusha sind gut an einem Tag zu schaffen. Der Grenzübertritt geht relativ schnell, schließlich gehören Kenia und Tansania zur Ostafrikanischen Gemeinschaft, die das Ziel einer Wirtschafts- und Zollunion hat. Am Straßenrand gibt es immer wieder Souvenirläden, die auch saubere Toiletten und Rastplätze anbieten – und das ohne die Erwartung einer Gegenleistung.

Bald taucht der Mount Meru am Horizont auf, der mit 4562 Metern zweithöchste Berg Tansanias. Am späten Nachmittag erreichen wir Arusha. Die Stadt bietet sich gut zum Einkaufen von Vorräten für die anstehende Safari an. Doch das wird verlegt auf den kommenden Morgen: Das Tageslicht reicht gerade noch aus, um die Zelte im Massai-Camp aufzuschlagen.

Der Markt in Arusha ist kaum überschaubar. Überall türmen sich Zwiebeln, Tomaten und riesige Avocados. Ein Händler bietet ein Stück Mango zum Probieren an: Sie sind süß und saftig, davon nehmen wir welche mit. Auch Ananas und Süßkartoffeln landen im Korb. In einer anderen Ecke gibt es getrockneten Fisch und Fleisch. Ein kurzer Stopp bei der Bank und der Kauf einer zwei Tage alten deutschen Tageszeitung, dann geht sie los, unsere Safari. Wir fahren Richtung Westen, wollen aber nicht in die von Touristen überlaufene Serengeti, sondern in zwei kleinere Nationalparks: Lake Manyara und Tarangire Nationalpark. Sie können die gleichen Tiere wie die „große Schwester“ bieten. Aus dem Fahrzeug heraus sieht man immer wieder Massai, meist Kinder, die Kühe und Schafe hüten. Oft geht es an Schulen vorbei, ab und an gibt es auch ein Massai-Dorf mit einfachen Hütten zu sehen.
Gegen Mittag erreichen wir den Nationalpark Lake Manyara. Inzwischen sind wir mit Jeeps unterwegs, mit dem Bus wären die Wege wohl nicht bezwingbar. Bereits am Eingang gibt es ein Tierspektakel zu sehen. Zwei Bäume sind voll besetzt mit Störchen, viele kreisen in der Luft. Ähnlich geht es weiter: Affen treiben ihre Faxen, turnen auf den Ästen oder lehnen gelassen an ihnen. Aus einem Wasserloch lugen zwei Hippos hervor. Immer wieder sieht man Zebras und Giraffen, die friedlich futtern.

Woran merkt man, dass es im Nationalpark etwas Besonderes zu sehen gibt?

Sehr zu empfehlen ist die Übernachtung im Panaroma Camp mit Blick auf den Manyara-See. Der Platz ist einfach, der Ausblick auf das Rift Valley gigantisch – und so lohnt es sich, bereits um 5 Uhr aufzustehen, um den Sonnenaufgang zu betrachten. Mit etwas Glück entdeckt man dabei auch von oben Giraffen im Park.

Guckguck – Zebras.

Nur 70 Kilometer sind es von dort aus zum Eingangstor des Tarangire Nationalparks. Auch er wartet mit vielen Tieren auf. Ein Picknickplatz mit Aussicht auf ein Flussbett ermöglicht es, große Zebra- und Gnu-Herden beim Trinken zu beobachten. Als Höhepunkt taucht ein Löwenrudel auf.
Unser nächstes Ziel ist der Kilimanjaro. Mit seiner weißen Kuppe begrüßt uns der höchste Berg Afrikas schon lange vor unserer Ankunft am Nationalpark. Wer den 5895 Meter hohen Berg bezwingen will, muss mindestens vier Tage veranschlagen. Uns genügt es, von unserem Camp auf rund 2000 Meter Höhe aufzusteigen – vorbei an Kaffee- und Bananenplantagen, streckenweise begleitet von Kindern aus dem Dorf.

Abenteuerlich ist am nächsten Morgen unsere Weiterfahrt in die Usambara Mountains. Von der Hauptstraße ab geht es auf Serpentinen in die Berge hinein. An den Hängen bestellen Bauern mit der Hacke ihre Äcker. Ihnen geht es hier recht gut: Die Böden sind fruchtbar, die Region gilt als Gemüsegarten Dar Es-Salaams. Mit einem lokalen Guide geht es auf eine elf Kilometer lange Wanderung durch die Dörfer und die Bergregenwälder zu einem Aussichtspunkt.

Wieder „on the road“ am nächsten Tag bricht der Dachgepäckträger. Reparieren ist nur notdürftig möglich, die nächste Werkstatt ist weit weg. Im Businneren ist zu wenig Platz, um das Gepäck umzuladen, also heißt es vorsichtig zu fahren und Schlaglöcher zu meiden. Rund 310 Kilometer sind es bis zum nächsten Ziel, dem Mikumi Nationalpark – und tatsächlich, wir kommen samt Gepäck und Dachträger an.

Statt einer Abendpirsch im Nationalpark geht es zur Werkstatt. Auf dem Gelände des Genesis-Motels schlagen wir unsere Zelte auf. Die Pirsch durch den Nationalpark holen wir am Tag darauf nach.
Dann heißt es wieder früh aufstehen und packen. Ein weiter Weg liegt vor uns. Innerhalb von drei Tagen wollen wir die sambische Hauptstadt Lusaka erreichen. Mitten in den Bergen quillt plötzlich weißer Dampf aus allen Ritzen: Motorschaden. Wir halten in einer Kurve und verbringen dort die nächsten Stunden. Ein Blick aufs Handy: Kein Empfang. Doch vier Stunden später hat der Busfahrer ein neues Gefährt organisiert und wir können umsatteln.

Spät erreichen wir Mbeya, wo wir auf dem Gelände von Schweizer Missionaren übernachten. Ein tief hängendes Stromkabel sorgt noch einmal für einen Adrenalinschub. Mit dem Bus bleiben wir daran hängen, reißen es herunter. Funken sprühen, es zischt – und der Strom für das Viertel ist weg. Busfahrer und Anwohner sehen es gelassen: Hakuna matata. Kann man ja wieder reparieren.

Nach einer kurzen Nacht sind wir bald wieder auf der Straße. Die tansanische-sambische Grenze erreichen wir gegen 13 Uhr. Im Grenzbüro heißt es wieder einmal Zettel ausfüllen: Name, Geburtsort, Passnummer, ausstellende Behörde, Aufenthaltsdauer. Als wir uns den Ausreisestempel holen wollen, kommt der Schock. Der Beamte teilt uns mit, dass unser Busfahrer keinen Pass hat. Ausreisen lassen möchte er uns nicht. Fürsorglich erklärt er, dass wir dann ja auf der anderen Seite ohne Transportmöglichkeit sitzen würden. Wenn wir zurück nach Tansania wollten, müssten wir erneut Visa-Gebühren zahlen.

Der Fahrer bestätigt, dass sein Pass fehlt. Nun heißt es entweder einen neuen Ausweis oder einen neuen Bus organisieren. Wir stellen uns auf langes Warten ein, und beleben das Geschäft der Händler im Niemandsland mit dem Kauf von Bananen. Endlich gibt es das Okay der Beamten: Der Fahrer bekommt einen neuen Pass – und wir unseren Ausreisestempel. Um 20 Uhr geht unsere Reise weiter.
Wir haben uns entschieden, die Nacht durchzufahren, um vor dem Rückflug nach Deutschland möglichst viel Zeit in Lusaka verbringen zu können. In Sambia ist die Nachtfahrt erlaubt, und mit zwei Fahrern ist das gut machbar. Tiefe Schlaglöcher und viele Polizeikontrollen verlangsamen das Vorankommen. Nachts um vier Uhr halten wir an, um aus dem Dieselfass, das unsere Fahrer noch in Sambia besorgt hatten und das wir seitdem auf dem Dach mittransportieren, zu tanken und Öl zu wechseln. Letzteres läuft beim Ablassen einfach auf die Straße. Unsere Einwände bleiben erfolglos. Immerhin haben wir die Fahrer schon soweit, dass sie ihre leere Plastikflaschen nicht mehr aus dem Fenster werfen.
Zum Frühstücken halten wir in einem Straßendorf, dessen Bewohner uns ihre Feuerstelle nutzen lassen. So gibt es heißen Kaffee und Tee zum ausgiebigen Frühstück.

Benzin wird auf dem Dach transportiert.

Vorbei an großen Farmen nähern wir uns der sambischen Hauptstadt. Als wir um 16 Uhr am „Lusaka Backpackers“ aus dem Bus steigen, können wir es kaum glauben, dass wir nach den Pannen der vergangenen Tage tatsächlich angekommen sind. Eine heiße Dusche, ein bisschen Bewegung, ein gutes sambisches Essen mit Maisbrei, Gemüse, Fisch und gebratenem Hähnchen und schon sind die Lebensgeister nach der langen Fahrt wieder geweckt.

3300 Kilometer und rund zwei Wochen nach unserer Ankunft in Nairobi bleibt uns die Erinnerung an viele Begegnungen mit Menschen und Tieren und die Bestätigung, dass ein Land abseits der normalen Touristenpfade durchaus reizvoll ist.

Der Text erschien am 09.10.2010 im SonntagsEcho des Echo Zeitungen.

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Chefredakteurin bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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