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Hoch auf den Cotopaxi

Ein Highlight unserer Ecuador-Reise: Der Aufstieg auf den Cotopaxi. Ok, nicht ganz, aber immerhin auf 4864 Meter zum Refugio José Ribas. Auf 5897 Meter und damit auf den Gipfel des zweithöchsten Berges Ecuadors kommt man nur mit ausgiebiger Vorbereitung, Akklimatisation und Eispickel.

Seitdem wir auf der Hacienda El Porvenir sind, lädt uns der Cotopaxi regelrecht ein. Immer wieder zeigt sich der noch aktive Vulkan, übrigens einer der höchsten aktiven der Erde. Mit seinem weißen Gipfel und der konischen Form kommt er daher wie ein Musterbild eines Vulkans.

Patrick, unser Guide für diesen Tag, sammelt uns am Morgen an der Hacienda El Porvenir ein. 4,5 Kilometer sind es von dort zum Eingang des Nationalparks. Der Vulkan zeigt sich an diesem Tag von seiner besten Seite: Ein paar Wolken rechts und links, doch der weiße Gipfel und das darunter liegende rötliche Lava-Feld sind perfekt zu erkennen. Fast schon ein wenig majestätisch sticht der Vulkan aus der überraschend grünen Landschaft hervor.

So langsam gleicht sich die Umgebung allerdings dem Vulkan an und erinnert an eine Steinwüste. Immer wieder liegen Felsbrocken und Geröll an der Seite der Straße. Wir verlassen schließlich die Ebene und schlängeln uns auf Serpentinen nach oben. Unser Ziel: Ein Parkplatz auf etwa 4600 Meter Höhe. Von dort aus geht es zu Fuß weiter zur Schutzhütte Refugio José Ribas.

Wir steigen aus dem Auto aus und starker Wind bläst uns entgegen. Die Sicht ist schon einmal fantastisch. Mützen auf, Sonnebrille auf, Rucksack auf – wir ziehen los. Direkt zeigt sich – zumindest bei Jule: Die Höhe hat es in sich und es ist gar nicht so selbstverständlich, so viel Sauerstoff einzuatmen, wie man bräuchte. Doch langsamen Schrittes geht es gut vorwärts auf dem Schotterweg. Patrick begleitet uns und fragt immer wieder nach, wie es uns geht. Selbst Handschuhe hat er im Gepäck, um uns im Notfall auszuhelfen. Doch es geht ohne, auch wenn es gerade wegen des eisigen Windes sich kälter anfühlt als etwa die sechs bis sieben Grad, die es hat.

Auf dem Weg nach oben bleibt wenig Muse für die tolle Aussicht. Stattdessen ist der Blick auf den Boden gerichtet: Ein Schritt nach dem anderen, ein Meter nach dem anderen. Der rund zwei Kilometer lange Weg nach oben hat es in sich. Wir haben die komfortablere Serpentinen-Strecke genommen – statt dem kürzeren, steileren Stück. Doch der Wind und die Höhe erfordern ein wenig Kampfgeist. Jule wird in einer Wende von einem starken Windstoß erfasst, verliert das Gleichgewicht und purzelt um – doch halb so wild, nichts passiert. Insgesamt sind wir doch ein wenig überrascht, wie gut wir vorankommen, auch wenn es anstrengend ist. Aber wir hätten tatsächlich Schlimmeres erwartet. Viel Trinken, ein Bonbon oder Traubenzucker zwischendurch – es scheint zu helfen.

Angekommen am Refugio José Ribas – das fühlt sich großartig an! Während wir noch ein wenig überwältigt sind von der Aussicht und dem Geschafften, dirigiert uns Patrick zum Erinnerungsfoto und schließlich in die Schutzhütte rein. Der Gute packt dort eine Thermoskanne mit warmen, süßen Coca-Tee aus – das stärkt die Lebensgeister – und besorgt uns einen Stempel für unsere Pässe.

Kurz vor uns am Refugio angekommen ist eine Bergsteigerin mit ihrem Guide. Sie waren kurz nach Mitternacht über die Nord-Aufstiegsroute zum Gipfel aufgebrochen – und nun, mit viel Eis auf der Ausrüstung, zurückgekehrt. Beeindruckend, finden wir – wir sind allerdings auch ganz glücklich mit „unseren“ 4864 Metern.

Und schon beginnt wieder der Abstieg. Runter nehmen wir die steile Piste. Es fühlt sich ein wenig an, wie mit Schneeschuhen den Berg runter zu sliden – nur eben mit viel Staub, denn durch was wir „durchrutschen“ ist Asche.

Unten angekommen geht es schnell ins Auto und weiter zur Laguna Limpiopungo. Auf dem Weg dorthin sehen wir sogar zwei Füchse – da hätten wir viel Glück gehabt, meint zumindest unser Guide Patrick. An der Lagune weht erneut ein starker Wind und so halten wir uns nicht allzulange dort auf. Am Bergsee gibt es einige Vögel zu beobachten, auch kommen Wildpferde zur Tränke. Und was uns freut: Noch einmal tolle Bilder vom Cotopaxi.

Ein paar Kilometer lässt uns Patrick aus dem Wagen aussteigen und schickt uns auf einen kleinen Wanderweg. Rund 30 Minuten sind wir unterwegs und überrascht über den Wald, den es hier auf rund 3600 Meter gibt. Erneut gibt es tolle Blicke auf den Vulkan und einen Canyon. Hier sei Lava durchgeflossen, erklärt uns Patrick später.

Ihn treffen wir wieder am Ende des Weges an einem kleinen Museum mit Cafeteria. Patrick geht mit uns durch die Ausstellung und erklärt noch einmal ein paar Dinge zum Aufbau eines Vulkans, der letzten Eruption des Cotopaxi im Jahr 2015 und der Auswirkungen des Klimawandels auf die Region. Durchaus ein wenig „Denkfutter“ für die sich nun anschließende, rund zweistündige Fahrt nach Banos.

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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