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Cuenca

Cuenca gilt als die schönste Stadt Ecuadors – und schön ist die 2011 zum Welterbe der UNESCO erhobene Universitätsstadt tatsächlich. Wir verbringen zwei Nächte hier und einen ganzen Tag davon mit dem Bummeln durch die kolonial geprägten Straßen.

Mannheim lässt grüßen: Cuenca ist schachbrettartig angelegt und so ist die Orientierung „in den Qudraten“ sehr einfach.

52 Kirchen gibt es in Cuenca – für jede Woche im Jahr eine, könnte man meinen. In den Kirchen, die wir besichtigen, treffen wir immer auf betende Ecuadorianer. Es ist also immer etwas los im Inneren und häufig sehen wir auch Hinweise auf zwei Gottesdienste am Tag. Am beeindruckendsten ist die Catedral de la Inmaculada Concepción (Nueva Catedral), finden wir zumindest. Die neue Kathedrale wurde zwischen 1885 und 1967 gebaut und vereint acht Baustile. Blaue Kuppeldächer, (aus statischen Gründen) nicht vollendete Glockentürme, rot schimmernde Steine – der (deutsche) Planer Johannes Baptist Stiehle hat die Fertigstellung einer der größten Kirchen Lateinamerikas leider nicht mehr erlebt. Im Inneren steht eine riesige Statue von Papst Johannes Paul II., der auf seiner Ecuador-Reise 1985 das Gotteshaus besuchte.

Die neue Kathedrale liegt am Parque Calderón, auch als „Herz der Stadt“ bezeichnet. Hier beginnen wir unseren Stadtrundgang. Auf der anderen Seite des Parks liegt die alte Kathedrale (Iglesia del Sangrario). Da gerade saniert wird, kommen wir nicht rein, um den Altar del Santísimo uns anzuschauen, in dem sehr filigran das Abendmahl dargestellt sein soll. Direkt neben der alten Kathedrale liegt der Oberste Gerichtshof, untergebracht in einem imposant wirkenden Bau aus Marmor und Backstein. Wir umrunden den Platz, um uns noch das Rathaus (Palacio Municipal) anzuschauen. Untergebracht ist das in einem Eckhaus mit Säulen und Marmor.

Wir durchqueren den Park, an dessen Rand Schuhputzer Zeitunglesenden Herren die Lederschnürrer polieren. Wir passieren zwei Indigos mit Federschmuck, die mit der Panflöte Musik machen, und einen Markt im Schatten der neuen Kathedrale. Schließlich erreichen wir den Blumenmarkt am Plaza de Carmen. Interessant an diesem Platz ist die gleichnamige Kirchen und das sich anschließende Kloster. Die Nonnen dürfen weder sprechen noch Kontakt zur Außenwelt aufnehmen, sobald sie in den Orden eingetreten sind. Durch einen kleinen Schacht werden sie mit all dem versorgt, was sie zum Leben brauchen.

Unser Weg führt uns an weiteren Ständen vorbei zum Mercado 10 de Agosto. Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Tierfutter und Eier – solche Märkte sind doch immer wieder ein Erlebnis und wir schlendern durch die Gänge.

Das nächste Ziel ist eine Hutfabrik samt Museum, denn die berühmten Panama-Hüte kommen aus Cuenca! Im Museo del Sombrero de Paja Toquilla und dem Casa Paredes in der Calle Larga soll es eine kurze, kostenfreie Tour geben. Wir treten ein und sehen im vorderen Bereich ein paar alte Arbeitsgeräte. Im hinteren Teil sind viele verschiedene Hüte ausgestellt, die alle gekauft werden können. Am Rande stehen drei Maschinen, wovon zwei von Männern bedient werden, die den Hut in Form bringen. In der Ecke kontrolliert eine Frau die Qualität, nebenan sitzt eine Arbeiterin an der Nähmaschine und befestigt das Hutband. Zwei, drei Sätze auf Spanisch dazu, ein präsentierter Hut – wir hätten uns ehrlich gesagt etwas mehr erwartet.

Wir ziehen weiter, die Calle Larga entlang bis zur Borrero Street. In dem Café auf dem Eck, Goza, gönnen wir uns einen Kaffee, bevor wir in dem gegenüberliegenden Museum Remigio Crespo Toral (Eintritt frei) das Innere eines prächtigen Hauses bewundern. In dem Stadtmuseum wird die Geschichte Cuencas aufgearbeitet (leider nur auf Spanisch) – wir erfreuen uns an den alten Einrichtungsgegenständen.

Die Borrero Street entlang laufend, machen wir einen Abstecher zur Iglesia La Concepcion und das daneben liegende Kloster, in dem heute ein Museum untergebracht ist. Zurück zur Calle Larga folgen wir der Straße, bis wir an den Ruins Todos los Santos und Pumapungo ankommen. Im dazugehörigen Museum (der Zentralbank) gibt es einen Einblick in die Entstehung der Stadt sowie auf Ausgrabungsgegenstände. Im ersten Obergeschoss werden die einzelnen Völker Ecuadors sehr rührig dargestellt. Wir laufen durch entsprechend passende Hütten, Puppen zeigen die Kleidung, daneben stehen typische Gegenstände. Schade nur, dass alles nur auf Spanisch ist.

Nach dem Museumsrundgang zieht es uns nach draußen zu den Überresten der Inka. Cuenca war einst die umkämpfteste Stadt des Landes, heißt es im Reiseführer. Zu Zeiten der Cañari hieß Cuenca noch Tumipamba (oder Tomebamba). Das Volk wehrte sich lange gegen die Inka, die aus Cuzco kamen, heißt es dort – was den Erzählungen unseres Guides in Ingapirca ein wenig widerspricht. Die wenigen Überreste vermitteln einen kleinen Eindruck, wie es einmal ausgesehen haben muss. Der Berg ist – Inka-typisch – Terrassenförmig angelegt. Es gibt ein paar Mauerreste sowie Überbleibsel des Kanalsystems zu sehen. Was uns gut gefällt: Im angrenzenden Park werden die Pflanzen angebaut, die zu Zeiten der Inkas bereits vorhanden waren.

Mit den Ruinenresten haben wir den äußersten Punkt unseres Stadtrundgangs erreicht. Wir bummeln nach einem späten Mittagessen im Restaurant El Maiz durch die Gassen zurück Richtung Parque Calderón, kaufen ein paar Souvenirs und laufen schließlich die Calle Bolivar zu unserem Hostal Posada del Angel zurück. Dabei kommen wir an einer deutsch-geprägten Drogerie vorbei und wundern uns über „besondere deutsche Produkte“ wie Bitburger, Erdinger, Kirschschnaps und Glühwein. Im selben Gebäude sind übrigens auch das deutsche Konsulat, das Casa Alemán und die Tageszeitung Hoy.

Unser Resümee:

Cuenca ist wirklich hübsch anzuschauen. Die vielen tollen Bauten mit ihren Holz- oder gusseisernen Balkonen, die Fassaden in sehr gutem Zustand, die 52 Kirchen mit ihrem Glockengeläut – die einstige Inkahauptstadt des Nordens verknüpft Geschichte und Moderne. Denn wir entdecken neben all den Prachtbauten auch viele hippe Läden und Restaurants. Gefallen hat uns außerdem, dass sich in denen Teilen, in denen wir unterwegs waren, wohnen, einkaufen, arbeiten und Sehenswürdigkeit verband. Hier mal eine offene Werkstatt wie beispielsweise eine Offset-Druckerei, dort der Eingang zu einer Kirche und daneben eines der vielen Eisdielen, die es in Cuenca gibt – das hat auf jeden Fall etwas.

Schade finden wir allerdings den Verkehr und den damit verbundenen Lärm. Sind in Quito bereits einige Straßen für den Verkehr gesperrt, arbeitet Cuenca aktuell an einer Art Straßenbahn und möchte in Verbindung damit wohl auch einige Straßen für den Verkehr sperren, hören wir vor Ort. Das würde die Innenstadt auf jeden Fall aufwerten, denn die stinkigen und lauten Busse sowie die verstopften Straßen sind zwischendrin doch ein wenig anstrengend.

Zweiter Minuspunkt: Einige Restaurants, die wir auf Grund von Tipps gezielt angesteuert haben, waren geschlossen. Auch hatten einige Geschäfte und Museen zu. Wir können nicht so recht einschätzen, ob es an der Ferienzeit liegt oder daran, dass diese generell nicht mehr offen haben.

Unsere Empfehlungen für Essen und Trinken:

Café Goza in der Calle Larga: guter Kaffee

Café del Parque in der Benigno Malo: große Auswahl, wir waren mit den Burgern sehr zufrieden

Restaurant El Maiz in der Calle Larga: gutes, ecuadorianisch geprägtes Essen – wir hatten Empanadas und eine Art Risotto aus Quinoa mit Pilzen

Restaurant Mediterraneo in der Calle Honoratioren Vasquez: leckere, frische Pasta

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