Wanderung Luitpoldturm - Ruine Gräfenstein
Zu Fuß

Wandern (fast) vor der Haustür: Luitpoldturm – Ruine Gräfenstein

Eine lange Rundtour auf einsamen Pfaden – das klingt perfekt für uns, erst Recht zu Corona-Zeiten. Und so machen wir uns nach unserer Bus-Übernachtung am Luitpoldturm auf eine rund 20-Kilometer-Wanderung zur Ruine Gräfenstein.

Im Kompass-Wanderführer zum Pfälzer Wald und der Deutschen Weinstraße gibt es einige Touren, die uns ansprechen. Inspirieren lassen wir uns nach der Nacht am Luitpoldturm von der im Buch beschriebenen Route 22, die als anspruchsvolle Rucksackwanderung mit kräftigen Anstiegen beschrieben wird. Die Original-Route startet ab Hofstätten und wird mit 23 Kilometern und sechseinhalb Stunden angegeben. Der Luitpoldturm würde auf der Strecke erst gegen Ende erreicht. Wir verändern die Tour leicht, starten logischerweise an unserem Übernachtungsplatz und laufen nicht nach Hofstätten rein. Am Ende sind es bei uns laut Aufzeichnung 20,2 Kilometer, die wir in viereinhalb Stunden reiner Laufzeit bewältigen. Nachschauen könnt ihr Höhenprofil und Wanderroute auf Outdoor Active.

Werbung


Doch von vorne: Wir starten am Parkplatz des Luitpoldturms und laufen erneut die rund 600 Meter nach oben auf den Weißenberg. Hier erreichen wir den höchsten Punkt dieser Rundtour auf 614 Meter. Wir umrunden den Turm und suchen nach dem weiteren Weg. Heute laufen wir ohne GPS – wir haben vergessen, die Daten, die im Buch angegeben sind, herunterzuladen. Da wir auf Outdoor Active die Tour aber aufzeichnen, können wir auf der Karte Wege und ihren Verlauf sehen und entsprechend navigieren. Die Karten im Wanderführer selbst sind dazu zu grob.

Wanderung Luitpoldturm - Ruine Gräfenstein

So geht es also Bergab durch einen Buchenwald. Der Pfad ist schmal, aber gut zu gehen, und schon bald kommen wir am nächsten Etappenziel an, dem Holländer Klotz. Der Steinbrocken unter einem riesigen Baum erinnert daran, dass die Eichen aus dem Pfälzer Wald nach Holland verkauft wurden.

Wanderung Luitpoldturm - Ruine Gräfenstein

Auf einer Infotafel erfahren wir mehr zum acht Hektar großen Naturwaldreservat Wartenberg, durch das wir laufen. Seit 1972 wir es nicht mehr bewirtschaftet, das heißt, die Natur ist sich selbst überlassen. So sehen wir auf dem weiteren Weg immer wieder umgefallene Bäume, die einfach liegen gelassen werden. Ab und an müssen wir drüber klettern, können gebückt unten durch laufen oder müssen auch einmal den Weg verlassen, um drum herum zu kommen. Ist das nicht möglich, haben Waldarbeiter in den Stamm eine Lücke gesägt, sodass Wanderer doch weiter kommen.

Werbung


Laut Beschreibung im Wanderführer müssten wir am Holländer Klotz die kaum befahrene, enge Straße queren, um Richtung Hofstätten zu kommen. Da wir den etwa 100-Einwohner-großen Ort, der erstmals 1379 als Stützpunkt für Waldarbeiter erwähnt wurde, nicht passieren wollen, folgen wir der Beschilderung zur Burgruine Gräfenstein und laufen auf einem breiteren Weg Richtung Wüsttal.

Wanderung Luitpoldturm - Ruine Gräfenstein

Rechts ab geht es auf den Pfälzer Naturwaldpfad, dem wir immer wieder begegnen und später auch laufen werden. An dieser Stelle würde es aber die Route abkürzen und so bleiben wir auf dem breiteren Weg. Über 300 Jahre alte Eichen und Buchen und ein Felsrelief aus Buntsandstein am Bergrücken prägen das Waldbild. Das ist schön anzuschauen.

Wanderung Luitpoldturm - Ruine Gräfenstein

Unterhalb des Hortenkopfs erreichen wir eine (nicht befahrene) Straße und biegen links auf einen schmaleren Pfad ab. Ein eingewachsenes Einfahrt-verboten-Schild macht klar, wer hier unterwegs sein darf.

Wanderung Luitpoldturm - Ruine Gräfenstein

Die nächste Etappe ist leicht zu laufen: Es gibt kaum Höhenmeter zu bewältigen und der Weg ist gut ausgebaut, wird bald wieder etwas breiter. Wir sehen auf dem gegenüberliegenden Weißenberg den Luitpoldturm und genießen die ein oder andere Sicht durch die Bäume. Hier begegnen wir auch den wenigen Lebewesen auf unserer Rundtour: einem Nordic Walker, einer Familie, einem Eichhörnchen und tatsächlich Rehen.

Kurz werden wir stutzig bei einem Hinweisschild auf Kameraüberwachung. Doch schon bald sehen wir die Wildkamera und uns ist klar, was dahinter steckt. Ob hier wohl auch Luchse und Wölfe gesichtet werden?

Unterhalb des Winschertbergs verlassen wir den breiteren Weg und wechseln auf einen schmaleren Pfad, der in Serpentinen nach oben führt. Mittlerweile folgen wir dem grün-weißen Zeichen des Pfälzer Waldpfads.

Oben angekommen laufen wir unterhalb des Hinteren und Vorderen Winschertkopfs bis zu einer Kreuzung. Hier ginge es nun hoch auf den Aussichtspunkt am Vorderen Winschertkopf. Da wir Rast an der Burgruine Gräfenstein machen wollen und der Magen schon ein wenig knurrt, lassen wir den Abzweig links liegen und biegen ab auf einen schmaleren Pfad, der bergab zum Wanderparkplatz an der Ruine führt. Hier stehen ein paar wenige Autos, sind eine Handvoll Leute, die mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind.

Werbung


Wir nehmen den Aufstieg zur Ruine. Steil ist er, aber es lohnt sich. Oberhalb von Merzalben gelegen, wird das Bauwerk auch als Merzalbener Schloss bezeichnet. Auf den Karten ist von Schloßberg die Rede. Erstmals erwähnt wurde Gräfenstein 1237. Der Bergfried stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert und geht demnach laut Wikipedia auf die Stauferzeit zurück.

Besonderheit ist der siebeneckige Bergfried mit 17 Metern Höhe – keine andere Burg in Deutschland hat einen siebeneckigen Bergfried. Über eine Wendeltreppe kann man ihn heute noch besteigen, der untere Teil ist allerdings sehr dunkel.

Die Burganlage mit einer Länge von etwa 80 Metern und einer Breite von etwa 60 Metern ist toll anzuschauen. Ein riesiger Abenteuer-Spielplatz, kommt uns in den Sinn. Ober- und Unterburg lohnen eine Besichtigung. Nachdem wir uns alles angeschaut haben, gibt es die verdiente Mittagessens-Pause, natürlich mit Dosenwurst aus der Pfalz. Dieses Mal im Gepäck: Bratwurst aus Niederkirchen, die in einem Pfälzer Geschenkkorb zu unserer Hochzeit war.

Gut gestärkt machen wir uns auf den Rückweg zum Luitpoldturm. Eine Wegtafel mit blau-weißem Symbol weist den Weg Richtung Hermersbergerhof. Ein bemalter Stein, der auf einer Infotafel liegt, zeigt, was wir fühlen: Wanderlust.

Wieder geht es über einen schmalen Pfad durch den Wald, dieses Mal leicht abwärts, bis wir den Talgrund erreichen. Wir queren einen gut ausgebauten Radweg und einen Bach, dann befinden uns wieder auf einem Naturwaldpfad.

Wanderung Luitpoldturm - Ruine Gräfenstein

Der führt durch die Kernzone Quellgebiet der Wieslauter und ist wie bereits das Reservat Wartenberg ein besonderer Teil des Biospährenreservats Pfälzer Wald – Nordvogesen. Auf 2400 Hektar wird auch hier der Wald sich selbst überlassen, sodass wieder Urwald entstehen kann. Umgefallene Bäume, Äste auf den Wegen, abgestorbene Pflanzenteile – die Natur dominiert, forstwirtschaftlich wird hier nicht agiert. Das macht den Wald ursprünglicher und wie wir finden interessanter. Ab und an knarzt es dann doch einmal, weil ein Baum in einem anderen hängt. Wir können nachvollziehen, dass bei starkem Wind, Regen oder Schnee Wanderer in diesem Teil des Waldes nicht unterwegs sein sollen.

Werbung


Stetig geht es Bergauf, bis wir den Spalt erreichen. Der sogenannte Ritterstein geht auf ein Projekt des Pfälzer-Wald-Vereins zurück, der 1908 unter seinem Gründungsvorsitzenden Karl Albrecht von Ritter an bemerkenswerten Örtlichkeiten im Pfälzer Wald Steinblöcke aufstellte. Auf Wikipedia gibt es eine Liste dieser Rittersteine samt Klassifizierung zum Beispiel als historischer Ort oder Erinnerung an Persönlichkeiten.

Der „Spalt“ wird hier als Orientierungspunkt für Wanderer eingeordnet und am „Sattel zwischen dem Wartberg und dem Schmalen Hals“ lokalisiert. Der Sattel zwischen den beiden Bergen bilde eine enge Schlucht, die im Volksmund „Spalt“ genannt werde, ist auf Wikipedia nachzulesen.

Nach einer kurzen Pause geht es auf die letzte Etappe dieser Tour. Entlang des Berghangs laufen wir durch ein einsames Waldgebiet. Tatsächlich kommt uns auf den kompletten rund acht Kilometern seit der Burgruine Gräfenstein kein Mensch entgegen.

Wanderung Luitpoldturm - Ruine Gräfenstein

Oberhalb des Weges staunen wir immer wieder über schöne Felsformationen. Es macht Spaß, die leuchtend-grünen Buchen vor dem blauen Himmel zu fotografieren und die Sicht auf benachbarte Hügel zu genießen. Mal müssen wir einen Bach queren und können unsere Hände im kalten Wasser kühlen, mal horchen wir in die Stille und vernehmen das Rauschen des Windes in den Baumwipfeln. Ganz schön idyllisch!

Und dann geht diese wunderbare Rundtour zu Ende. Wir können sie wirklich weiterempfehlen: Wer Einsamkeit sucht und die Ausdauer testen möchte, wird mit dieser Tour sehr zufrieden sein.

Bei Outdoor Active gibt es GPS-Daten und Höhenprofil. Wer die Original-Tour, die uns zu dieser Wanderung inspiriert hat, nachlesen möchte, wird im Kompass-Wanderführer Pfälzer Wald und Deutsche Weinstraße fündig. Kauft ihr ihn über diesen Link, unterstützt ihr unseren Blog, denn wir erhalten dafür eine kleine Provision.

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

3 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.