Bad Sobernheim - Kloster Disibodenberg
Dehääm,  Zu Fuß

Wandern an der Nahe: Bad Sobernheim – Kloster Disibodenberg

Die abwechslungsreiche Rundtour über rund 15 Kilometer führt vom Freilichtmuseum Rheinland-Pfalz in Bad Sobernheim vorbei am Barfusspfad zum Kloster Disibodenberg. An der Glan und dem Ortsrand von Odernheim entlang geht der Weg hoch auf den Neuberg, am Ortsrand von Staudernheim und durch den Sobernheimer Stadtwald wieder zurück. Die Tour führt vor allem über Asphaltwege, bietet neben Fernsicht und schöner Landschaft mit dem Kloster Disibodenberg auch einen interessanten Ort.

Wir parken am Freilichtmuseum, laufen ein Stück Richtung Kurpark und biegen bald rechts ab. Vorbei an einer Klinik und der Freizeit- und Bildungsstätte der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. führt der Weg bald aus dem Ort hinaus. Wir laufen immer in Sichtweite der Nahe, vorbei an Feldern, am Barfußpfad (der auch sehr zu empfehlen ist) und Kleingärten.

Über einen Damm geht es direkt an der Nahe an Staudernheim vorbei. Schon bald erreichen wir den Fuß des Disibodenbergs. Es geht nach oben. Am Disibodenbergerhof sollen wir laut Outdoor-Active-Karte hinter dem landwirtschaftlichen Betrieb vorbeilaufen. Als wir dort ankommen, weist ein Schild allerdings auf einen Privatweg hin. Dieser ist mit einer Kette abgesperrt, so kehren wir wir um – wenige Meter zuvor war ein Museum ausgeschildert. Tatsächlich erhält man dort für fünf Euro pro Person ein Ticket und kann durch ein Drehkreuz in den Landschaftspark samt Klosterruinen eintreten. Das Museum lassen wir Corona-bedingt außen vor.

Wir treten durch das Drehkreuz. Vorbei an einer Kräuterspirale geht es steil nach oben. Dort folgen wir dem Rundweg links entlang. Rechts startet der Meditationsweg. Schon bald sehen wir die ersten Überbleibsel des ehemaligen Klosters und verfallen in einen regelrechten Fotorausch. Richtig toll ist es hier oben.

Die Geschichte des Klosters führt zurück bis in das Jahr 640. Ein Wanderprediger namens Disibod ließ sich hier nieder und errichtete eine Taufkapelle. Der Mainzer Erzbischof Willigis gründete schließlich ein Stift mit Augustiner Chorherren. Mit Erzbischof Ruthard von Mainz zogen um 1100 die Benediktiner ein. Drei junge Frauen wurden 1122 in das bisherige reine Männerkloster aufgenommen – unter ihnen Hildegard von Bingen. Nach ihrem Werk „Skivias“ („Wisse die Wege“) ist die heutige Stiftung Disibodenberg benannt.

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Während der Auseinandersetzungen zwischen dem Adel aus dem Naheland und dem Mainzer Erzbistum um 1300 wurde das Kloster gestürmt. Die Aufständischen belagerten und plünderten das Kloster. Erzbischof Gerhard von Mainz schickte 1259 schließlich Zisterzinsern aus Otterberg zum Disibodenberg. Sie sollten die Anlage wieder aufbauen – und das gelang ihnen. In dieser Zeit entstanden neue Bauwerke. Die heute vorhandenen hohen Mauern an der Nordseite des Berges stammen aus dieser Zeit.

Nach der Reformation wurde das Kloster 1559 aufgelöst und im Dreißigjährigen Krieg besetzt. Die Eigentümer, die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken, ließen das Anwesen herunterkommen. Bürger der umliegenden Orte nutzten die Klosteranlage als Steinbruch. So sind heute die Odernheimer Kirche sowie viele Häuser in den Ortskernen von Odernheim und Staudernheim aus Klostersteinen aufgebaut.

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In der napoleonischen Zeit ging der Disibodenberg in Privatbesitz über. Zwei Familien teilen sich heute diesen. 1840 wurde ein romantischer Ruinenpark errichtet, 1985 bis 1990 archäologische Grabungen durchgeführt. 1989 wurde die Klosteranlage in die Disibodenberger Scivias-Stiftung überführt.

Die vielen Infos zur Anlage finden sich in einem Flyer wieder, den wir beim Bezahlen des Eintritts erhalten. Nachdem wir die Fotostreife beendet haben, gönnen wir uns eine Pause. Am Labyrinth, das sich ebenfalls auf dem Berg befindet, steht etwas abgelegen eine Bank. Dort studieren wir die Geschichte des Klosterbergs. Auf der anderen Seite des Disibodenberges steigen wir wieder ab, mit schöner Aussicht auf die Nahelandschaft und Weinberge. Richtig toll ist auch ein Baum mitten in den Weinbergen.

Am Fuß des Disibodenbergs angekommen, biegen wir an der Niedermühle rechts ab. An der Glan entlang geht es nun Richtung Odernheim. Dabei kommen wir an einer Stau-Stufe vorbei. Auf diese kann man sogar drauf gehen, um sich das etwas näher anzuschauen.

Nach einem kurzen Stück durch Odernheim heißt es wieder bergauf. Es geht hoch zum Neuberg. Wir gönnen uns beim Aufstieg eine kurze Pause. Eine „Rentnerbank“ lädt zum Verweilen ein – mit bestem Blick auf den Disibodenberg. Bald kommen wir auf 270 Meter an und genießen den Blick auf die Umgebung. An der Abflugstelle für Gleitschirmflieger vorbei führt der Weg nun wieder steil abwärts durch Wiesen und Koppeln.

Bad Sobernheim - Kloster Disibodenberg

In Staudernheim kommen wir an einer alten Synagoge vorbei. Durch ein großes Fenster kann man reinschauen, derzeit wird allerdings saniert. Das Fenster kommt übrigens daher, dass das Gebäude 1969 den Besitzer wechselte – ein Grundstückstausch, weil der neue Besitzer das Gebäude als Garage nutzen wollte. So schlug er die Öffnung für das Garagentor in die Wand.

Bald schon wieder sind wir aus Staudernheim heraus und laufen durch den Bad Sobernheimer Stadtwald zurück zu unserem Ausgangspunkt. Nach knapp dreieinhalb Stunden, rund 400 Höhenmetern und 15 Kilometern kommen wir wieder am Freilichtmuseum an. Eine sehr empfehlenswerte Tour!

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Chefredakteurin bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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