Südtirol 2020 - Hirzer
Zu Fuß

Alpenüberquerung E5: Das haben wir vor

Tatsächlich, wir haben es endlich vor: Einmal über die Alpen laufen. Was schon lange auf der Bucketlist steht, wird nun Dank Corona wahr. Statt Fernreise werden die Wanderschuhe nun eben in den Alpen geschnürt. Mitte September machen wir uns auf, die ausgerechneten 120 Kilometer und unzähligen Höhenmeter zu bezwingen.

Um die Alpen zu überqueren, gibt es unzählige Möglichkeiten: von München nach Venedig, vom Tegernsee nach Sterzing, von Salzbug nach Triest oder gar von Wien nach Nizza. Wenn wir also Gefallen daran finden, gibt es unzählige Varianten, um die Alpenquerung zu wiederholen. Zum Einstieg wählen wir die fast schon klassische Variante: Von Oberstdorf nach Meran.

Warum wird es diese E5-Strecke? Ganz sicher sind wir nicht auf ihr unterwegs, weil sie die beliebteste ist. Im Gegenteil: Wir wählen den September zum Wandern in der Hoffnung, damit die Hauptzeit Juli/August zu umgehen. Vielmehr gefällt uns, in Südtirol zu enden. Meran und Bozen sind gut mit der Bahn an Deutschland angebunden und so können wir mit dem Zug zurück fahren. Außerdem hat es uns Südtirol angetan: Wir mögen Landschaft, Essen und die Atmosphäre. Je nach Variante läuft man außerdem ein Stück auf dem Meraner Höhenweg, der uns auch schon lange interessiert.

Die Dauer ist mit durchschnittlich sieben Etappen gut machbar. Hinzu kommt, dass im Notfall auch Stücke mit dem öffentlichem Nahverkehrt zurückgelegt werden können. Strengt uns die Überquerung also zu sehr an, haben wir einen schlechten Tag oder Knieprobleme, könnten wir im Fall der Fälle auch ausweichen. Die Strecken im Tal sind durchaus auch ein kleiner Negativpunkt: Ein paar Male werden wir geplant ein Stück mit Bus oder Taxi zurücklegen.

Klar ist für uns, dass wir alleine laufen wollen. Mit einer Bergschule unterwegs zu sein oder in einer Gruppe, ist sicherlich für viele passend. Wir mögen aber die Individualität und die Möglichkeit, spontan auch mal Planänderungen einzulegen, die wir dann nur unter uns ausmachen müssen. Aufgrund vieler anderer Touren trauen wir uns zu, sicher im alpinen Gelände unterwegs zu sein. Das sollte man auf jeden Fall nicht unterschätzen.

Zur Planung der Tour haben wir unzählige Erfahrungsberichte verfolgt, beispielsweise in Blogs und YouTube-Videos, als Podcasts und auf der Facebook-Seite “E5 Alpenquerung” (auch gut geeignet für aktuelle Infos zu Wegsperrungen und Wetterverhältnissen). Der Blick auf das Angebot der Bergschulen ist auf jeden Fall auch eine gute Orientierung. Hilfreich sind außerdem die Wanderführer von Rother und Kompass:

Nach und nach entsteht die für uns perfekte Tour: Wir starten in Spielmannsau und wollen in Meran ankommen. Lange überlegen wir, ob wir über das Timmelsjoch samt Passeier Schlucht und Hirzer laufen oder doch Richtung Similaungletscher und dann – mit genug Energie – der Möglichkeit, die Ötzi-Fundstelle zu besuchen. Das Timmeljoch juckt uns irgendwie in den Fingern und auch hätten wir große Lust, die wunderschöne Passeier Schlucht einmal komplett zu erleben. Bei unserem vergangenen Südtirol-Besuch war sie leider geschlossen, die “Ersatz-Wanderung” dennoch schön. Auch haben wir noch vor, den Hirzer zu besteigen; Schnee hatte uns im Vorjahr den Weg nach oben versperrt. Doch nach vielem Hin und Her Überlegen gehen wir davon aus, dass auch in diesem Jahr wieder Schnee auf dem Hirzer liegen wird und wir etwas früher im Jahr einmal kommen sollten, um den Gipfel zu erklimmen. So wird es also doch die Tour über die Martin-Busch-Hütte und Similaungletscher.

Mit Blick auf die Übernachtungen haben wir uns dazu entschieden, jeweils im Tal zu übernachten, auch wenn das etwas teurer ist. Sonnenuntergang und -aufgang hoch oben auf den Hütten in den Bergen zu erleben ist auf jeden Fall ein Erlebnis und prägt solche Touren (wir denken beispielsweise immer noch fasziniert an den Sonnenaufgang am Mohare Danda). Doch gleichzeitig haben wir mit Blick auf Corona kein Lust darauf, das Zimmer mit uns fremden Personen zu teilen. Ja, wir wissen, dass viele Hütten sehr gute Hygienekonzepte haben und darauf achten. Doch wir haben bei der Übernachtung im eigenen Doppelzimmer einfach ein besseres Gefühl. Weiterer Vorteil aus unserer Sicht: Wir laufen zu einigen antizyklisch und starten im Tal, während ein Teil der Wanderer auf dem Berg die jeweilige Tagestour beginnt.

Da wir eineinhalb Wochen Urlaub haben, haben wir außerdem zwei Ruhetage eingeplant. Ob volle Entspannung und Muskeln pflegen oder doch noch eine Tagestour zu unternehmen, entscheiden wir spontan. Am Ende verbringen wir zwei Nächte in Bozen, bevor es wieder zurück geht. Entspanntes Ankommen und sich noch etwas anschauen zu können, sind damit also auch garantiert.

So sieht die Tour nun aus:

TagStreckekmHöhenmeterÜbernachtung
1Mainz – OberstorfHaus Immenhof, Oberstdorf
2Spielmannsau – Holzgau151000/900Berggasthof Hermine, Madau
3Madau – Memminger Hütte – Zams211480/2021Pension Haueis, Zams
4Zams – Venet – Wenns11,5300/1500Landgasthaus Gasser, Wenns
5Ruhetag in MittelbergBerggasthof Steinbock, Mittelberg
6Mittelberg – Braunschweiger Hütte – Vent211160/1100Hotel Similaun, Vent
7Ruhetag in VentHotel Similaun, Vent
8Vent – Martin-Busch-Hütte – Vernagt19,61167/1320Obergamphof, Vernagt
9Katharinenberg – Giggelberg14,3965/635Gasthof Giggelberg
10Giggelberg – Meran17,830/1260Capitol Rooms, Bozen
11+12BozenCapitol Rooms, Bozen

Hinweis: Die Kilometer und Höhenmeter sind grob ausgerechnet. Wir sehen am Ende, wie viele es dann tatsächlich sind 😉

Und hier die Tour mit den Etappenzielen in einer Karte:

Die gelben Punkte markieren die Alternativroute über das Timmelsjoch.

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als stellvertretende Chefredakteurin bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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