Chitwan Nationalpark
Welt entdecken

Sapana Village Lodge: ein großartiges Community-Projekt

Von Bhaktapur aus fahren wir in den Chitwan-Nationalpark. Wir sind schon auf die Fahrt gespannt: Sechs Stunden soll sie dauern – und das für 165 Kilometer. Doch wieder kommen uns die Dasai-Feiertage entgegen: Die Straßen sind recht leer und wir kommen ganz gut voran. Klar, bei all den Stellen, an denen die Straße kaputt ist, muss auch unser Auto langsam machen. Doch wir haben nach den Beschreibungen Schlimmeres erwartet.

Die Straße schlängelt sich in vielen Serpentinen durch die Berge. Wir sehen das erste Mal die verschneiten Gipfel des Himalaya. Zwei Mal stoppen wir – immer mit netten Ausblicken auf die Umgebung und der Möglichkeit für Kaffee und Toilette. Auffällig ist tatsächlich – sehr zu Lukas Freude: Die Nepalesen haben ganz gute Kaffeemaschinen und so gibt es leckeren Espresso und allerlei andere Kaffee-Spezialitäten (mehr zu Kaffee auf Reisen könnt ihr hier nachlesen).

Chitwan Nationalpark
Entspannung pur in der Sapana Village Lodge: Mit Kaffee und einem guten Buch.

Nach etwas mehr als vier Stunden kommen wir schon in der Sapana Village Lodge an (die übrigens eine eigene Café-Bar hat). Die von einem niederländischen Entwicklungsprojekt getragene Unterkunft unterstützt die lokale Tharu-Bevölkerung: Mit Jobs, Touristen-Programm im Dorf und allerlei Angeboten für den Alltag. In einer Broschüre werden die Mitarbeiter vorgestellt – richtig interessant, zu erfahren, welchen Hintergrund sie haben. Meist kommen sie aus armen Verhältnissen und sehen Sapana als eine Art „Rettung“ an, um die Möglichkeit zu Bildung und eigenem Einkommen zu erhalten. Zum anderen wird in der Broschüre auch genauestens berichtet, was mit den Einnahmen schon alles umgesetzt werden konnte: der Aufbau einer eigenen Schule, eine Handarbeits-„Fabrik“, dessen Erzeugnisse sowohl in den Fair-Trade-Handel gehen als auch hier vor Ort verkauft werden, Medizinchecks für über 1000 Kinder einmal im Jahr, Wasserpumpen und -filter für die Familien, eine Hühnchen-Farm und vieles mehr. Wer mehr zu den Tharu erfahren will, kann dies über ein vielfältiges Programm tun: Von Homestays über Kochkurse, Angelausflüge und Feldarbeit bis hin zu Mini-Aktionen wie Henna-Tatoos und das Erlebene ihres traditionellen Stocktanzes.

Auch positioniert sich Sapana Village eindeutig gegen Elefanten-Ritte, die hier in der Region noch verbreitet sind. Elefanten werden von der Bevölkerung domestiziert und seit Jahrtausenden als Last- und Reittiere eingesetzt. Man sagt, dass sie kulturell sehr wertgeschätzt werden und bringt dies auch in Verbindung mit der Popularität des Elefantengottes Ganesh. Im Reiseführer heißt es, dass durch die Nähe zum Menschen der Asiatische Elefant hauptsächlich als domestizierte Art auch dort, wo der natürliche Lebensraum fast verschwunden ist, überlebt hat.

Naheliegend, dass man den Kontakt zu den Elefanten auch den Touristen anbietet, womit sich Geld verdienen lässt. Einige Elefanten befinden sich im Staatsbesitz – auch auf ihnen können Touristen reiten. Sapana Village leistet viel Überzeugungsarbeit, dass das nicht gut is für die Tiere. „Das dauert lange“, erzählt uns ein Mitarbeiter. Sapana Village löst es so, dass sie andere Aktivitäten rund um die Elefanten, die nun mal als Art „Haustiere“ da sind, anbietet: Beim täglichen Baden der Elefanten kann man mit ins Wasser steigen, man kann beim Füttern mit dabei sein oder mit den Elefanten spazieren gehen. All diese Tätigkeiten machen die Elefanten sowieso jeden Tag.

Chitwan Nationalpark
Relaxing-Time

Drei Nächte verbringen wir hier auf der schön angelegten Anlage direkt am Flussufer – und genießen es sehr. Die Athmosphäre ist entspannt, die Räume sind mit traditionellen Elementen der Tharu ausgestattet und man kommt viel in Kontakt mit den Mitarbeitenden. Überall gibt es kleine Oasen, um sich niederzulassen: Hollywood-Schaukeln, Liegestühle, Sitzkissen und eine Terasse – immer mit besten Blick auf den Fluss, an dem sich vieles abspielt.

Wir können Fischer beobachten und einige Vögel. Nach unserer Ankunft machen wir uns es an einem dieser Stellen bequem: lesen, Blogbeiträge schreiben, Kaffee trinken und Momos essen. Unterbrochen werden wir dabei von vorbeilaufenden Elefanten und einem Krokodil. Und schließlich von der Badesession der Elefanten, die das Krokodil ziemlich schnell vertreiben.

Chitwan Nationalpark
Den Elefanten beim Baden zuzuschauen ist eine Freude.

Das Baden der Elefanten ist toll anzuschauen. Einer der älteren Elefanten scheint das richtig zu genießen. Er versucht sich regelrecht im Wasser umherzurollen, taucht immer wieder unter, dreht sich im Kreis. Eine wahre Freude. Ein kleinerer Elefant watet durchs Wasser, sein Mahout (Elefantenführer), ein junger Mann, sitzt auf ihm drauf und muss sich irgendwann stellen, um nicht komplett nass zu werden.

Chitwan Nationalpark
Ein Mahout begleitet seinen Elefanten ein Leben lang.

Für uns bietet die Badesession eine gute Gelegenheit, die Tiere etwas genauer zu betrachten, von denen rund 170 als domestizierte Tiere leben und etwa genauso viele in freier Wildbahn. Die Afrikanischen Elefanten kennen wir ja zum Beispiel bereits von unserem Erlebnis in Uganda, als uns im Queen Elizabeth Nationalpark ein Tier ziemlich nahe kam. Die Asiatischen Elefanten sind kleiner als die Afrikanischen. Bis zu drei Meter groß wird ein Bulle, rund vier Tonnen wiegt er. 200 Liter Wasser und 225 Kilogramm Futter braucht er – und das täglich. Ihre Haut ist 2,5 Zentimeter dick, Schlamm- oder Staubbäder helfen, um sich vor Insekten zu schützen. Elefanten können bis zu 75 Jahre alt werden, zwischen 15 Jahren und Mitte fünfzig werden sie als Arbeitstiere eingesetzt. Ein Mahout begleitet seinen Elefanten bis zum Lebensende.

Schon nach dem ersten Tag in der Sapana Village Lodge können wir einen Aufenthalt hier absolut empfehlen. Die Lage am Rande des Chitwan Nationalparks ist gut gelegen und auch ohne Besuch im Park bekommt man vieles von der Tierwelt, aber auch den Bewohnern hier mit. Gleichzeitig unterstützt man mit seinem Aufenthalt viele sinnvolle Projekte. Beim Abendessen auf der Terasse – mit nepalesischen Enchillada und gegrillten Fisch, lokalem Bier und Wein – freuen wir uns bereits auf die nächsten beiden Tage hier.

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.