Chitwan Nationalpark
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Chitwan-Nationalpark

Der Tag startet früh – sehr früh für uns, denn bereits um 6.30 Uhr beginnt unser Dschungel-Trip. Eine schnelle Tasse Kaffee in der Sapana Village Lodge, dann fahren wir in einem alten Jeep Richtung Nationalpark und Kanu-Anlegeplatz. Früh raus, das muss man, um möglichst viele Tiere zu sehen, meint unser Guide – und soll Recht behalten.

Chitwan Nationalpark
Der Tag starte früh an der Sepana Village Lodge.

Nach kurzer Jeep-Fahrt steigen wir um ins Kanu. Das ist ganz schön voll beladen. Neben der Fünfer-Gruppe, mit der wir unterwegs sind, sitzen vier Asiatinnen und drei weitere Frauen im Kanu, dazu die jeweiligen Guides. Das Kanu liegt tief im Wasser. Wir sitzen direkt am Bug, direkt hinter unserem Guide – beste Aussicht.

Der beste Platz: Ganz vorne im Kanu.

Tatsächlich sehen wir schon nach wenigen Metern das erste Mugger-Krokodil. Riesig sind die Tiere, die entweder mit ihrem Kopf aus dem Wasser lugen oder deren Rückenspitzen zu sehen sind. Im Kanu sitzend kommen wir recht nah an ihnen vorbei. Der Guide bittet dann auch die dauerschwatzenden Asiatinnen mal ruhig zu sein und so kann man die morgendliche Fahrt auf dem Fluss denn auch genießen.

Chitwan Nationalpark
Mit dem Kanu in den Chitwan Nationalpark

Die aufgehende Sonne kämpft sich so langsam durch den Morgennebel hindurch. Die Atmosphäre ist ganz einzigartig. Ein leeres Kanu kommt uns entgegen, der Steuermann steht einsam am hinteren Ende und bewegt den Kan entgegen der Strömung zurück zum Ausgangspunkt.

Immer wieder passieren wir kleinere Stromschnellen. Am Uferrand weist uns unser Guide auf die „Wildtierautobahnen“ hin – Stellen, an denen Elefanten, Rhinos und Rehe den Fluss kreuzen. Die riesigen Fußabdrücke des Großwildes sind zu erkennen.

Auf den Bäumen am Ufer entdecken wir immer wieder verschiedene Vogelarten, darunter zum Beispiel den Kingfisher, dessen blaues Gefieder auffällig ist. Auch einen Storch sehen wir.

Leider ist die Zeit auf dem Wasser kurz. Nach etwas mehr als einer halben Stunde kommen wir bereits an unserem Ziel an. Wir hätten durchaus noch etwas mehr Zeit auf dem Wasser verbringen können, die morgendliche Stimmung hat auf jeden Fall etwas. Auf der anderen Seite sind die eng aneinander gestellten Holzsitze alles andere als bequem.

Als nächstes entdecken wir den Chitwan-Nationalpark von der Landseite aus – bei einem Mini-Trekking durch den Dschungel. Der Tierbestand im Park gilt als gut: Tiger, Panzernashörner, Rehe, Affen, Lippenbären und wilde Elefanten gibt es, dazu jede Menge Schmetterlings- und Vogelarten. Im „Herz des Dschungels“ (das bedeutet Chitwan) entdecken wir ihre Spuren (Tiger, Bär) und hören auch den Tiger brüllen, doch zu sehen bekommen wir sie nicht. Als glücklich können wir uns allerdings schätzen, dass wir gleich vier Rhinos sehen.

Chitwan Nationalpark
Zu Fuß auf Tierbeobachtung

Schon nach kurzem Laufen auf einem breiteren Weg kommen wir an einen See. Die beiden Guides, die uns begleiten, entdecken an der anderen Uferseite ein Rhino. Wir gehen vom Hauptweg ab und schlagen uns durch das Dickicht. Das fühlt sich direkt nach Dschungel an! Von etwa 50 Meter Entfernung können wir nun das Tier beobachten und fotografieren. Näher ran sollte man auch nicht (auch wenn wir im Rhino Sanctuary in Uganda ganz andere Erfahrung gemacht haben). Unser Guide erzählt uns von seiner letzten direkten Rhino-Begegnung, als er ein Tier plötzlich immer näher kam und er nur noch einen Touristen hinter einen Baum schubste und sich dann selbst mit dem Rhino im Kreistanz um einen Baum bewegte, bis er es mit seinem Stock vertreiben konnte.

Nach dem kurzen Beobachtungsstopp laufen wir weiter. Im Dickicht entdecken die Guides Rehe. Wir sehen lediglich die Köpfe der sehr scheuen Tiere, aber immerhin. Und wir hören sie. „Sie warnen sich gegenseitig vor einem Feind“, erzählt einer der Guides. Tatsächlich hören wir wenig später das Brüllen eines Tigers. Wie weit er wohl weg ist? Der jüngere der beiden Guides nimmt Fährte auf und läuft zielstrebig den Weg weiter, schaut immer wieder auf den Boden nach Spuren. Doch es bleibt bei dem Hören und dem Sehen der Spuren. Das ist durchaus schon aufregend.

An einer Kreuzung von zwei kleineren Wegen entdeckt einer der Guides Pilze. Sie sehen ein bisschen aus wie Spargel. Sehr teuer seien die und sehr lecker, sagt der Jüngere der beiden und versucht sie auszubuddeln. Doch das ist gar nicht so einfach, der Boden ist hart, denn die Pilze wachsen auf alten Termitenhügeln.

Nur ein paar Meter weiter sitzen Rhesus-Affen in den Bäumen. Wir gehen etwas näher und schrecken ein Reh auf, das schnell verschwindet. Die Affen brüllen, springen von Ast zu Ast. Ein paar Jungtiere sind mit dabei. Nach kurzer Zeit ziehen sich auch die Affen mehr und mehr ins Dickicht zurück und wir laufen weiter.

Entdeckt ihr den Affen?

Der Weg wird nun wieder etwas schmaler, es geht durch zugewachsene Gebiete. Wir kommen wieder an einem See heraus. Zwei Rhinos stehen dort im Wasser, nicht weit voneinander entfernt. Und dann geht es schnell: Die Tiere scheinen sich gegenseitig wahr genommen zu haben. Sie erklimmen das Ufer und dann hört man nur viele knacksende Äste und Kampfgeräusche. „Sie kämpfen um ihr Revier“, erklärt uns einer der Guides.

Und noch ein Rhino…

Nachdem wir nichts mehr sehen und auch nichts mehr hören, laufen wir ein paar Meter weiter und kommen an einem Picknickplatz raus. Es gibt Frühstück. Aus ihrem Rucksack zaubern die Guides belegte Sandwiches, hartgekochte Eier, Äpfel, Gemüse und Mangosaft. Sie verteilen Teller aus Blättern, die später an Ort und Stelle biologisch abbaubar entsorgt werden. Mit Blick auf den See stärken wir uns.

Dann steht der Rückweg an, auf dem die Guides uns viele Pflanzen zeigen und ihren Einsatz erklären. Eine Art wilde Minze ist mit dabei, aber auch Blätter, die man kaut, wenn man Durchfall hat.

Die Wanderung durch den Dschungel macht richtig Spaß.

Kurz bevor wir unseren Ausgangspunkt wieder erreichen, sehen wir noch ein Rhino. Seit 1962 ist Chitwan übrigens Schutzgebiet für Nashörner, 1973 wurde es zu Nepals erstem Nationalpark. Ein letzter Blick und dann geht es zurück zum Fluss, an dem wir auf die andere Uferseite übergesetzt werden. Mal wieder liegt das Kanu ziemlich tief im Wasser und schaukelt ziemlich stark.

Doch wir kommen trocken auf der anderen Seite an und fahren mit dem Jeep zurück zur Sapana Village Lodge, wo wir die Blutegel-Stellen versorgen. Denn auf der Wanderung hat uns das ein oder andere Tier erwischt und das trotz langer Kleidung. Und ist es immer noch ein Rätsel, wie die Tiere, die vor allem zur Monsunzeit vorkommen (die endete im September), vor allem Lukas befallen konnten. Doch sie sind von alleine abgefallen, dass wir immerhin keine entfernen mussten.

Empfehlen können wir außerdem, Mückenschutzmittel mitzunehmen. Auch wenn die Malaria seit den Fünfzigern ausgerottet ist, so gibt es doch ein paar Stechmücken, die Dengue-Fieber übertragen können. Unangenehm sind außerdem die Bisse der Riesen-Ameisen, wie Jule erfahren durften. Beim Abendessen in der Unterkunft bekommt übrigens jeder Gast eine Flasche mit angezündetem Anti-Brumm unter den Tisch gestellt.

Nach einer ausgiebigen Mittags-Siesta fahren wir in ein Tharu-Dorf und erfahren etwas mehr zur Reis-Ernte und den typischen Häusern der Tharu. Die gesamte Region war eigentlich von Dschungel bewachsen und nur die Tharu lebten hier, die gegen eine Malaria-Erkrankung resistent sind. In den späten Neunzigern lebten mehr als 20.000 Menschen innerhalb der Parkgrenzen. Es folgte ein Umsiedlungsprogramm der Regierung – heute leben innerhalb der Parkgrenzen nur Soldaten, die die Tiere vor Wilderen schützen sollen und dies wohl auch erfolgreich tun. Seit 2011 habe es keine Vorfälle mehr gegeben, erzählt uns einer der Guides am Morgen.

Ein Haus im Tharu-Dorf.

Knapp eine Stunde spazieren wir auf den Wegen in und rund um das Tharu-Dorf entlang. Viele der Häuser sind bunt bemalt, daneben gibt es meist einen Stall aus Holz oder Stroh für Ziegen, Rinder, Enten und Hühner. Wir sehen, wie eine Frau Seegras für die Tiere kleinschneidet. An anderer Stelle bereiten Frauen das Essen zu. Kinder blicken uns neugierig an, viele Menschen begrüßen uns mit einem „Namaste“. Ein paar Geräte zur Bewirtschaftung der Felder stehen vor manch einem Haus, oft mit „Ausstattung“ für den Antrieb per Ochsen.

Auf den Straßen ist viel los. Viele sind auf Rädern unterwegs: Männer radeln, auf dem Gepäckträger sitzen Frauen in farbenfrohen Gewändern. Sie sind wohl auf dem Weg zum Tempel – oder aber zurück. Unser Fahrer hat wohl große Freude daran, mit „seinem Gefährt“ etwas anzugeben. Während wir umherlaufen sehen wir ihn mit dem Jeep umherfahren – eine Frau sitzt auf seinem Schoss, steuert und hat sichtlich Freude daran. Als wir auf dem Heimweg an dem ein oder anderen Haus stoppen und er hier und da noch ein Schwätzchen hält, finden wir das einfach nur cool.

Zurück in der Sapana Village Lodge zieht es uns bald zum Abendessen. Während wir bestellen, fängt es stärker an zu regnen. Es schüttet richtig stark und windet, in der Ferne erhellt sich der Himmel immer wieder durch die vielen Blitze. Schnell ziehen alle Gäste von der überdachten Terrasse ins Innere. Stühle und Tische werden zusätzlich reingestellt, am großen Tisch versammeln sich mehrere Grüppchen. Das hat durchaus etwas gemütliches. Es regnet lange in dieser Nacht und auch der Strom fällt aus. Die Elefanten tröten in der Nacht. Kleinere Seen bilden sich – doch als wir am nächsten Morgen aufwachen, ist davon nichts mehr zu merken. Die Sonne scheint und all das Wasser ist schon verdampft. Lediglich der Fluss führt mehr Wasser. Die Luft ist herrlich klar, es hat etwas abgekühlt. Im Vergleich zu der drückenden Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit, bei der schon bei der kleinsten Anstrengung der Schweiß rinnt, ist es sehr angenehm.

Der neue Tag beginnt entspannt. Wir frühstücken gemütlich auf der Terasse mit Ausblick auf den Fluß und der aktuellen E-Paper-Ausgabe der Allgemeinen Zeitung Mainz. Sogar Zimtschnecken gibt es und werden als Spezialität des Hauses angepriesen. Und genauso entspannt geht der Tag weiter: lesen, über neue Urlaubsziele nachdenken, Blog schreiben und immer wieder der Blick auf den Fluss und vorbei ziehende Elefanten.

Sapana Village Lodge
Entspannung pur in der Sapana Village Lodge – immer mit bester Aussicht auf den Fluss und die Elefanten.

Zur Mittagszeit machen wir einen kurzen Spaziergang. Direkt hinter der Lodge gibt es die dazu gehörige Handarbeits-„Fabrik“, wie sie es nennen: Ein kleines Haus, in der laut Beschreibung ein paar Frauen und ein Mann Handarbeit herstellen. Leider ist keiner da, wir vermuten wegen der Feiertage. Wir laufen ein Stückchen weiter, wo die Elefantenstallungen sind: Ein Haus, daneben jeweils ein hoher Unterstand – und das mehrmals nebeneinander. Zwei Elefanten sind auch gerade da.

Chitwan Nationalpark
Rund um die Lodge gibt es Elefanten-Stallungen.

Wir gehen schließlich in die andere Richtung und schauen bei der von der Sapana Village Lodge aufgebauten Schule vorbei. Natürlich ist auch da heute nichts los, aber es ist beeindruckend zu sehen, welch imposantes Schulgebäude sie aufgebaut haben. Auf dem Weg kommen wir an einem Reisfeld vorbei, in dem richtig Wasser steht – vermutlich vom Regen der letzten Nacht, den am Tag vorher ist uns das nicht aufgefallen. Vier Männer stehen am Straßenrand und hiefen eine schwere Maschine auf ein Lastenrad. Sie haben wohl Reis geerntet und mit der Maschine den Reis von der Pflanze getrennt. Auf einer großen Fläche sind die Reiskörner zum Trocknen ausgebreitet.

Chitwan Nationalpark
Reisernte direkt neben der Lodge

Und dann startet unser Candle-Light-Dinner mit den Elefanten zum Abschluss unserer Tage hier im Chitwan-Nationalpark…

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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