Bandipur Wanderung nach Ramkot
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Bandipur und Wanderung nach Ramkot

Gerade einmal zweieinhalb Stunden nach unserer Abfahrt in der Sapana Village Lodge am Rande des Chitwan Nationalparks kommen wir bereits in dem kleinen Ort Bandipur an. Da die schöne Hauptstraße mit vielen tollen Bauten Verkehrsfrei ist, stoppen wir nach einer Serpentinenreichen Fahrt an einem staubigen Parkplatz. Wir verstehen nicht sofort, dass wir schon an unserem Tagesziel angekommen sind, hatten wir doch mit einer etwas längeren Fahrt gerechnet. Doch ein junger Mann mit grünem Polo-Shirt und dem Aufdruck Old Inn hat bereits unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum geschultert und wartet nur darauf, dass wir ihm folgen.

Also raus aus dem Auto, Tagesrucksäcke auf und dem Mann hinterher. Nach rund fünf Minuten Fußweg durch eine schön anmutende Straße kommen wir schließlich im Old Inn (www.rural-heritage.com) an. Das Hotel, das bereits über hundert Jahre alt ist, kommt toll daher: Viel Holz, französische Balkone, verwinkelt und urig gebaut – Lukas muss zwar häufig den Kopf einziehen, doch es ist wirklich wunderschön hier.

Das Old Inn

Im romantischen Garten mit vielen Blumen und Blick auf jede Menge Holztreppen werden wir mit Kaffee und Tee begrüßt. Nach einem kurzen Stopp im Zimmer und einem kurzen Mittagssnack ziehen wir los und erkunden das einst einfache Magar-Dorf, das im 19. Jahrhundert von den Newar aus Bkatapur besiedelt wurde und sich zu einem wohlhabebden Zentrum der Stoffherstellung und einem wichtigen Handelsposten an der Route Indien – Tibet entwickelte. Doch Bandipur verlor immer mehr an Bedeutung, auch mit der Fertigstellung des Prithvi Highways. Erst die Touristen sorgten wieder für mehr Belebung – und weil immer noch Dharsi-Ferien sind, sind auch viele Nepali zu Besuch.

Die Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sind einfach toll anzuschauen: die klassizistischen Fassaden mit hölzerne Fensterläden, dazu Blumen, die sich daran entlang ranken, laden zu vielen Fotos ein. Vor allem Einheimische positionieren immer wieder vor diesen tollen Fassaden mit ihrer bunten Tracht für ein Foto.

Wir schlendern die gepflasterte Straße entlang und stoppen an Schreinen und Tempeln bevor wor den steilen Kalksteinberg erklimmen, unterhalb dessen Bandipur liegt. Auf dem Gurungche Daada steht der Schrein Thani Mai. Zwanzig Minuten etwa geht es steil bergauf. Immer wieder halten wir inne und bewundern die Aussicht (und schnaufen natürlich auch durch). Oben angekommen genießen wir den Blick in alle Richtungen – hinunter auf das Dorf Bandipur und auf das Himalaya-Gebirge mit der Spitze des Manaslu (achthöchster Berg der Welt).

Wieder im Old Inn angekommen, gönnen wir uns eine Pause und ziehen zum Sonnenuntergang wieder los. Dieses Mal geht es auf der anderen Seite der Hauptstraße hinaus. Über mehrere Treppen und an einem Tempel vorbei laufen wir knapp zehn Minuten zu einem Platz mit bester Sicht in die Ferne. Sieht ein wenig wie ein Wende- oder Parkplatz aus. Vielleicht ist es aber auch eine Station der geplanten Seilbahn, auf die ein Schild hinweist? Wer weiß – die Aussicht auf den Manaslu und die daneben stehende Gipfel ist auf jeden Fall toll. Im Licht der untergehenden Sonne zeigt sich die ein oder andere Bergspitze über den Wolken. Eine Fahne flattert im Wind. Bald ist auch die große Gruppe weg, die sich auch den Aussichtspunkt ausgesucht hat, und wir sind mit zwei weiteren Touristen alleine. Herrliche Ruhe und wunderbarer Blick – ein schöner Abenddausklang.

Toller Platz zum Sonnenuntergang schauen

Zum Abendessen bleiben wir im Old Inn. Auf der schönen Terasse brennen überall Kerzen, auf den Tischen werden Fahnen verteilt, die neben der nepalesischen Flagge (übrigens die einzige weltweit, die nicht rechteckig ist) die das Herkunftsland der Gäste zeigt. Eine deutsche ist nicht da. Wir bekommen kurzfristig eine belgische, bis ein belgisches Paar zum Essen kommt.

Das Essen ist fantastisch: An einem Tisch steht ein großer Topf mit Reis, dazu Naan Brot, Pickles (eine Art Chutney), Joghurt in kleinen goldenfarbenen Kelchen. In vier nett anzusehenden Schalen sind Leckereien angerichtet: Dhal Bat (eine Art Linsensuppe, die die Nepalesen zum Reis essen), würzig angemachtes Gemüse, leckeren Kürbis und zartes Hähnchenfleisch in einer Soße. All das zusammen nennen die Nepalesen ein Dhal Bat Menü – Nachschlag so viel man möchte inklusive.

Wir gehen also nach vorne, bekommen mit einem freundlichen „Namaste“ von einer freundlich lächelnden älteren Dame in traditioneller Kleidung einen Teller in die Hand gedrückt und können uns aufnehmen, was und wie viel wir möchten. Ein junger Kellner (der am Vormittag noch unser Gepäck trug) preist das „Hähnchen – lecker“ an, bietet Joghurt an und verpasst jedem Teller einen Klecks Pickles. Und dann heißt es genießen!

Als unser Teller leer ist, werden wir freundlich aufgefordert, uns doch nochmal Nachschlag zu holen. Bei dem leckeren Essen muss man das einfach tun. Zum Nachtisch gibt es schließlich Brownies, auch Kaffee und Tee werden uns noch einmal angeboten.

Satt gegessen fallen wir früh ins Bett. Überhaupt ist man früh im Bett in Nepal. Denn früh am Morgen startet der Tag wieder. Um sechs Uhr hören wir es bereits von der Straße rufen: „Good morning, good morning!“

Der Weg von Bandipur nach Ramkot

Um acht Uhr startet unser Tagestrekking. Mit unserem Guide Debidevidhatta (der vorher noch in der Küche stand, beim Frühstück half und kaum sind wir zurück, wieder Zwiebeln schält) laufen wir ins Bergdorf Ramkot. Erst geht es Richtung Parkplatz, an dem wir ankommen. Von dort zweigt ein Weg ab und verläuft Richtung Kalksteinfelsen, die wir am Vortag hoch sind. Ein paar Meter hinter dem Gipfel mit dem Tempel passieren wir den Bergrücken und erleben nun einen abwechslungsreichen Weg. Mal geht es durch Wald, mal über eine „Straße“, die eher einem Geröllfeld gleicht. Nach und nach verzieht sich auch der Nebel und der Blick auf das Tal zeigt sich.

So langsam verzieht sich der Nebel

Unterwegs treffen wir wenig Menschen – und wenn, dann nur Locals. Mal sitzen zwei Hirten am Wegesrand und wachen über ihre Ziegen. Debidevidhatta unterhält sich kurz mit ihnen, dann geht es weiter. Wir passieren eine kleine Hüttenansiedlung. Ein paar Männer stehen zusammen an einer Art Tisch und spielen ein Spiel. Aus der Ferne sieht es wie eine Mischung aus Backgammon und Mühle aus.

Der Weg nach Ramkot

Mit unserem Guide haben wir richtig Glück. Sein Englisch ist zwar nicht das beste, aber er ist ein echt liebenswerter Mensch, der uns viel erklärt und uns auf vieles hinweist. Mal erklärt er uns Pflanzen, weist uns auf wildwachsenen Marihuana hin und zeigt uns, aus welchen Blättern man Seifenblasen (oder besser Pflanzenblasen) herausputzen kann. Mal deutet er auf die Gipfel in die Ferne und erklärt, dass das eine ein Annapurna, der andere der Kingfisher ist.

So macht man also Pflanzenblasen…

Nach rund zwei Stunden erreichen wir das Bergdorf Ramkot. In ihm lebt die Volksgruppe der Magar, denen nachgesagt wird, eine starke Gruppenidentität und einen starken Zusammenhalt zu haben. Kaum haben wir das Dorf erreicht, werden wir in ein Haus eingeladen. Zuhause sind zwei Frauen und ein Kind, die ältere der beiden hängt gerade Wäsche auf. Stolz bekommen wir das Haus gezeigt. Im unteren Bereich gibt es ein Gästezimmer, die Küche (gekocht wird sowohl auf Gas als auch Feuer) sowie ein Schlafzimmer, aus dem eine Treppe nach oben führt. Das Schlafzimmer ist verziert mit allerlei Postern und Zeitungsseiten. Der lehmige Boden ist glatt gefegt, alles ist ordentlich verstaut. Sogar einen Fernseher und Internet gibt es in diesem kleinen Raum.

Rund um das Haus wächst allerlei Gemüse: Chili, Ingwer, Kürbis und Tomaten können wir identifizieren. Dazu kommen viele bunten Blumen. Direkt neben dem Haus ist ein Stall, in dem Kühe stehen und ein sehr kleines Schwein. Die ältere Frau spricht zwar kein Englisch, aber lacht uns die ganze Zeit an. Als ich ihr schließlich ein Bild auf der Kamera von ihrem Haus zeige, deutet sie auf sich. Ich mache auch ein Bild von ihr und zeige es ihr – sie lacht noch mehr.

Blick auf das Dorf Ramkot

Wie nett das war! Wir ziehen weiter und erleben ähnliche Situationen wieder. Debidevidhatta kennt gefühlt das ganze Dorf – klar, er ist sicherlich häufiger hier. Ganz selbstverständlich führt er uns an vielen Häusern vorbei, zeigt uns die unterschiedlichen Bauweisen, erklärt, was die Bewohner so alles tun. Wir bekommen einen richtig guten Eindruck davon, wie das Leben hier ablaufen muss. Alle sind geschäftig, immer gibt es etwas zu tun: Von Tiere verpflegen, waschen, kochen, Landwirtschaft. Hühner laufen zwischendrin umher. Mais hängt vor den Häusern zum Trocknen, Chili-Schoten liegen in der Sonne. An einem Haus hängt ein Schild, das auf eine anstehende Hochzeit hinweist.

Die Chili-Schoten werden in der Sonne getrocknet.

Die Menschen hier wirken total ausgeglichen und sehr glücklich. Wir begegnen keinem, der schlecht drauf ist. Überall werden wir mit einem freundlichen „Namaste“ begrüßt. Und hübsch sind sie: Die Augen blitzen vor Freude und Freundlichkeit. Alle Frauen, selbst junge Mädchen schon, tragen einen goldenen Nasenring. Männer und Frauen haben goldene Ohrringe.

Auf einem kleinen Feuer steht ein großer Topf, ein Mann schüttet Wasser rein. Debidevidhatta erklärt, dass hier Wein hergestellt wird. Wein, der kocht? Nun gut, es ist eben anders als bei uns. Kurze Zeit später sitzen wir in einem Haus auf der Ecke eines Bettes und bekommen den Wein der Magar serviert. Stark ist er, und erinnert an Korn. Gemacht wird er übrigens aus Hirse.

Wein-Herstellung – oder Schnaps, würden wir sagen.

Wir ziehen weiter durchs Dorf und haben das Gefühl, wirklich jedes Haus gesehen, jeden Bewohner gegrüßt zu haben. Bei einer alten Frau bleibt Debidevidhatta stehen und unterhält sich mit ihr. Und schwups stehen wir neben ihr und unser Guide macht ein Foto von uns dreien – das ein wenig witzig anzuschauen ist, denn die alte Frau ist locker zwei bis drei Köpfe kleiner als Jule und mit Lukas daneben…

Gruppenfoto mit einer alten Bauersfrau und zwei Europäern.

Weiter geht es. Ein alter Mann stark beladen kommt uns entgegen. Wahnsinn, wie viel er trägt. Grünzeug rüber die Tiere hat er auf seinem Rücken geladen – und wie es in Nepal so üblich ist, „hängt“ die Last an der Stirn. Wir machen schnell Platz.

Wahnsinn, was die Leute alles auf ihrem Kopf/Rücken transportieren.

Wir erreichen einen Aussichtspunkt – mit Blick auf die Himalaya-Gipfel – und lassen uns dort zum Lunch nieder. Debidevidhatta packt aus seinem Rucksack ein Lunchpaket für jeden aus: Sandwiches mit Yak-Käse und Pickles, gekochte Eier, Äpfel, Kekse, ein Kitkat und natürlich auch der Mango-Saft im Trinkpäckchen. Dazu eine kalte Sprite, die am Picknickplatz verkauft wird. Debidevidhatta wird von der Frau, die sich um den Platz kümmert, mit einem warmen Essen versorgt. Eine Art getrockner Reis und Schweinefleisch. Er bringt uns auch ein Teller zum Probieren!

Blick auf den Annapurna

Nach der Rast geht es weiter. Wir wählen den langen Weg – es gäbe auch noch einen kürzeren. Und der lange führt erst einmal steil bergab. Wir kommen noch an einzelnen Hütten vorbei und wieder einmal ermuntert uns Debidevidhatta, etwas zu probieren: Bohnen. Na, warum nicht, geht auch ungekocht und erinnert ein wenig an junge (ebenfalls ungekochte) Erbsen.

Auf dem Weg runter begegnet uns ein Junge, der mit seinem Mountainbike auf dem Weg nach oben ist. Er sitzt im Schatten und sieht schon ziemlich fertig aus – unser liebenswürdiger Guide bietet ihm von seinem Wasser an, das er dankend annimmt.

Die knalle Sonne bekommen wir in den nächsten zwei Stunden auch heftig zu spüren. Es ist richtig heiß und fühlt sich ein wenig nach Dauersauna an. Der Weg bietet so gut wie keinen Schatten und auch wenn wir immer mal wieder an den Dorfplätzen unter dem riesigen Versammlungsbaum kurz pausieren, setzt das unserer beider Kreisläufe ziemlich zu. Als es dann auch wieder steil nach oben geht, kommen wir ganz schön an unsere Grenze. Da hilft nur viel Wasser, ein Traubenzucker zur Stärkung und immer wieder kurze Stopps.

Kurz vorm Ziel kommen wir an einer Silkfarm vorbei. Ein Mann erklärt uns da anhand alter Reagenzsgläsern die verschiedenen Stati einer Raupe. Wir tun uns etwas schwer, ihm in unserer Erschöpfung zu folgen. Viel lieber würden wir doch nun draußen im Schatten im leichten Wind sitzen und uns kurz erholen.

Endspurt! Die letzten Meter berghoch, noch einmal ein Stück an der Straße entlang, dann erreichen wir endlich nach rund 15 Kilometern und 660 Höhenmetern hoch und wieder runter wieder Bandipur (die Route gibt es hier bei Outdoor Active). Die Dusche tut nun richtig gut und natürlich auch eine Runde Entspannen. Jeder zieht sich noch ein Liter Wasser mit einer Calcium-/Magnesium-Tablette rein und so bleibt tatsächlich am nächsten Tag auch der Muskelkater aus.

Zum Abschied von Bandipur wiederholen wir das Programm vom Vorabend: Sundowner am Aussichtspunkt, Dhal Bat-Menü im Old Inn. Uns geht es gut!

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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