Patan 2019
Welt entdecken

Patan und Bhaktapur

Zwei weitere Königsstädte werden heute besucht: Patan und Bhaktapur. Beide sind richtig toll anzuschauen – trotz der noch sichtbaren Erdbeben-Schäden aus dem Jahr 2015. Und beide versprühen ihren ganz eigenen Charme.

Wir starten in Patan, das nahtlos an Kathmandu angrenzt. Auf Grund des Feiertages sind wir schnell an unserem Ziel, dem Durbar Square in Patan, denn die Straßen sind frei. Wir sind wieder mit Erik, dem Local Guide unterwegs, der aus Patan kommt. Daher bleiben wir nur kurz auf den Hauptplatz vor dem alten Königspalast für einen ersten Eindruck stehen – und der ist richtig gut. Die Bauten haben ihren ganz eigenen Stil, die Holzschnitzereien sind schön anzuschauen. Patan ist zu Recht stolz auf seine Kunsthandwerker und wird auch als Lalitpur – „Stadt der Schönheit“ – bezeichnet. Ein Gebilde erinnert stark an Szenen aus der Verfilmung des Dschungelbuchs.

Nach diesem ersten Eindruck entdecken wir die älteste Stadt des Kathmandutals bei einem Spaziergang. Erik führt uns durch sein Viertel – er wohnt nur wenige Gehminuten weg vom Durbar Square. So sehen wir seine alte Schule und erfahren dabei mehr über das Bildungssystem in Nepal: Kinder werden schon sehr früh gelehrt (Erik startete im Alter von vier Jahren), allerdings kostet die Schule und damit kann sie sich nicht jeder ausreichend lange leisten. An einem Straßenstand bekommen wir Nepals Streetfood erklärt – natürlich sind auch Momos (Teigtaschen) mit dabei.

Erik erzählt uns auf unsere Nachfrage hin auch, wie er im Tourismus gelandet ist: Nach seinem Studium und einer Reise wusste er nicht, was er tun sollte. Sein Bruder, bereits im Tourismus tätig, schlug ihm vor, das doch auch zu machen, schließlich reise er ja gerne. „Und nun tue ich, was mir Spaß macht und bekomme sogar Geld dafür“, fasst Erik seinen Werdegang zusammen. Besonders gut daran fände er, ständig neue Leute zu treffen und Neues zu lernen – ein bisschen wie reisen, meint er. Auffällig ist, dass viele der Häuser in dem Viertel in einem sehr guten Zustand sind. Ob es daran liegt, dass viele Mitarbeiter ausländischer Hilfsorganisationen hier leben?

Schließlich führt uns Erik zu einem buddhistischen Tempel. Wir erfahren mehr zu dem immergleichen Baum, der in der Nähe dieser Tempel steht (Buddha meditierte lange unter einem Baum dieser Art und starb an einem solchen). Auch können wir beobachten, wie viele Nepalesen hierher kommen und ihre Gaben bringen.

Priester sitzen mit kleinen Gruppen am Boden und lesen den Menschen etwas vor. Überall brennen kleine Lampen und Räucherstächen. An einem großen Wasserbassin waschen sich Jungen, an einem anderen rasieren sich junge Männer den Schädel kahl.

Wir laufen weiter zum Goldenen Tempel, den Hiranyavarna Mahavihara (Eintritt 100 Rupien pro Person). Ein Schild weist darauf hin, dass hier keine Schuhe aus Leder erlaubt sind. Uns kommen beim Eintreten ein paar Mönche entgegen – Erik kennt einen davon und unterhält sich kurz mit ihm. Wir erfahren später, dass die beiden zusammen studiert haben.

Der Tempel ist nicht allzu groß, doch wenn man ins Innere eintritt, wird man von der vergoldeten Fassade geblendet. Die Handwerkskunst ist schön anzuschauen, auch die, die den verzierten Schrein in der Mitte des Tempels schmückt. Überall hängen lange Metallbänder herunter – sie sollen den Göttern als eine Art Rutschbahn auf die Erde dienen. Aus einem Seitenflügel hören wir meditativen Gesang, eine ältere Frau kümmert sich um Kerzennachschub. Wie wir von Eric erfahren, wechseln sich verschiedene Familien beim Kümmern um den Tempel ab – sie müssen allerdings aus der Kaste der Priester kommen.

Der Durbar Square ist nun nicht mehr weit weg. Wie auch in Kathmandu zahlt man Eintritt für das Ensemble (2000 Rupien). Wir treten durch ein goldenes Tor ein in den Palast, der aus drei Hauptflügeln besteht. Der erste Innenhof wirkt nach den Eindrücken des Goldenen Tempels sehr nüchtern. Hervorzuheben sind allerdings die feinen Holzschnitzereien. In einem zweiten Innenhof sehen wir noch die Überreste eines Tieropfers: Einige Blutspuren ziehen sich in Schreinnähe auf dem Boden entlang. Daneben ist eine Ziege angebunden – sie wird wohl als nächstes geopfert.

Nach diesen spannenden Eindrücken in Patan, fahren wir ins etwa 15 Kilometer entfernte Bhaktapur. Hier dominiert der rote Ziegelsteinbau. Viele Landwirte wohnen hier, daher bekommen wir auch viele kleine Verkaufsstände mit Obst und Gemüse zu sehen.

Wir werden am Eingangsbereich zur Altstadt herausgelassen – unser Gepäck bleibt im Auto – und zahlen insgesamt 3000 Rupien für den Eintritt. Dass man die Tickets immer bei sich haben sollte, erleben wir später am Tag, als wir mit dem Auto auf dem Weg zum Hotel einen Kontrollposten passieren. Dort müssen wir die Tickets erneut vorweisen.

Doch wir erkunden erst einmal zu Fuß die Stadt – und sind mal wieder dankbar, dass Erik uns begleitet. Denn wir ziehen ein wenig durch die Gassen abseits der Touristenströme und bekommen etwas von Bhaktapurs Alltagsleben mit: Frauen waschen an den öffentlichen Wasserstellen, ein Mann repariert seinen Traktor, eine Frauengruppe spielt Karten am Straßenrand. Wir entdecken außerdem zwei ältere Männer, die einen Traktor mit Blumen und Bändern schmücken. Davor brennen einige Räucherstäbchen und Kerzen und auch eine Schale mit Gaben sehen wir. Im Zuge der Festivitäten werde auch dafür gedankt, dass man ein Gefährt habe, und bitte darum, dass es noch lange und vor allem sicher fahre, erklärt uns Erik. Irgendwie cool – sollten wir vielleicht auch mal mit unserem Bus zelebrieren…

Ein Großteil der Stadt ist heute tatsächlich Fußgängerzone und so sind in einigen Teilen zumindest die Autos und Busse ausgeschlossen. Motorräder kommen eben überall hin. Doch macht es das an vielen Stellen etwas entspannter, durch die Stadt zu spazieren.

Wir starten das Sightseeing am Tachapal Tol (Dattatreya Square). Berühmt ist der Platz wegen eines Meisterwerks der nepalesischen Holzschnitzkunst: ein Pfauenfenster am Pujari Math. Ein Schild bezeichnet das als „Mona Lisa Nepals“ – wir müssen darüber sehr schmunzeln.

Als nächstes kommen wir zum Taumadhi Tol. Lebhaft geht es hier zu – viele Händler bieten ihre Waren an, darunter auch einige Hühner. Der fünfstöckige Nyatapola-Tempel fällt direkt auf. Nepals größte Pagode wird „bewacht“ von zehn Figuren. Jeweils gegenüber stehen zwei Ringer, Elefanten, Löwen, Greife und zum Abschluss zwei Göttinnen. Wir erklimmen die steilen Treppen und genießen die Aussicht von oben auf die Umgebung, so auch auf den Tempel Bhairabnath Mandir.

Nur wenige Minuten zu Fuß entfernt ist der Durbar Square. Einige Gebäude sind hier noch im Aufbau. So stehen zum Beispiel am Ostrand des Platzes zwei Steinlöwen scheinbar im Nichts herum. Der dreistöckige Pagodentempel dahinter ist verschwunden. Richtig schön anzuschauen ist der neu wieder aufgebaute Siddhi Lakshmi Mandir. Steil geht eine Treppe den Steinbau hinaus, gesäumt von Tierpaaren.

Wir laufen vorbei am Palats der 55 Fenster und treten ein in den Königspalast, der ursprünglich etwas näher am Tachapal Tol stand und im 15. Jahrhundert zu seinem heutigen Platz verlagert wurde. Durch das Goldene Tor treten wir ein. Das vergoldete Kupfer ist wunderschön gestaltet mit vielen Figuren, bewacht von einem geflügelten Garuda und einer zehnarmigen, vierköpfigen Taleju.

Nur eine Blick können wir durch das mit schönen Holsschnitzereien versehene Tor in den Mul Chowk werfen. Der Eintritt in den Palast-Innenhof ist nur Hindus vorbehalten – und das auch nur zu den derzeitigen Dasain-Festlichkeiten. Wir folgen dem Durchgang zum Schlangenteich Naga Pokhari. Das frühere königliche Badebecken aus dem 16. Jahrhundert zieren zwei große Schlangen sowie eine Kobra-Statue. Im Wasser schwimmen ein paar Kois.

Letzter Stopp unseres Stadtrundgangs ist der Potters’ Square. Wegen der Feiertage ist wenig los an dem Töpferplatz. Nur ein paar wenige Stände haben offen und präsentieren ihre Krüge, Töpfe und Kunstwerke. Wir gehen in den hinteren Bereich, in dem die Brennöfen stehen. Ein Mann ist mit einer Jugendlichen gerade dabei, den Ofen zu füllen – und da wird jeder Zentimeter ausgenutzt.

Nun geht es zum Hotel, dem Heart of Bhaktapur. Wir sind nur wenige Meter vom Taumadi Tol entfernt und damit auch von unserem Hotel. Doch der Wagen mit dem Gepäck fehlt noch. So überqueren wir den Taumadi Tol und steigen auf der anderen Seite des Platzes ins Auto ein. Da wir den Platz mit dem Wagen nicht queren dürfen, fahren wir nun einmal raus aus der Innenstadt und wieder rein und landen schließlich auf der anderen Seite des Taumadi Tol. Dabei gibt es ein aufwendiges Drehmanöver, denn wir landen mit dem Auto in einer Sackgasse voller Händler, Motorräder, die passieren wollen, und zwei weiteren Autos. Just an dieser Sackgasse müssen wir auch raus und die letzten Meter zum Hotel zu Fuß laufen. Fun Fact: Es ist genau der Platz, an dem wir kurze Zeit vorher den Fahrer angerufen haben, dass wir fertig sind mit der Stadttour.

Das Heart of Bhaktapur liegt mitten drin. Wir passieren ein paar Stände mit Schuhen und Gemüse, laufen vorbei an Käfigen mit Hühnern und landen dann in einem der typisch nepalesischen Quartier. In der Mitte steht ein Mini-Tempel, darum herum sind die Häuser angeordnet. Eines der Häuser ist das Heart of Bhaktapur. Na, wenn das mal nicht authentisch ist!

Drum herum sind einige Häuser noch eine halbe Baustelle. Wir vermuten, dass das noch die Arbeiten nach dem Erdbeben 2015 sind. Was wir an der Unterkunft neben der Lage großartig finden: Hier werden Kinder mit Beeinträchtigungen unterstützt. Im Treppenhaus und in den Zimmern finden sich Bilder von den Kindern, auch auch Selbstgemaltes. So etwas finden wir richtig gut. Die Familie, die das Hotel betreut, ist sehr nett und uns gegenüber sehr offen und interessiert. Wir fühlen uns richtig wohl, auch wenn wir nur für eine Nacht da sind.

Nach dem Check-in zieht es uns noch einmal in die Stadt und nehmen im Café Nyatapola direkt am Taumadhi Tol zwei Pepsi und eine Portion gebratene Nudeln. Dabei lässt sich wunderbar das Treiben auf dem Platz beobachten.

Schließlich schlendern wir die Gassen entlang, schauen in die Verkaufsstände und wundern uns, was es teilweise alles gibt: rosarote Kleidchen, jede Menge Dampfgarer und elektrische Reis-Kochtöpfe, aber auch allerlei Kunsthandwerk. Wir laufen noch einmal alle Sehenswürdigkeiten unserer Stadtrundtour ab, entdecken weitere Besonderheiten und schießen jede Menge Fotos.

Am Abend zieht es uns noch einmal nach draußen. Der Taumadhi Tol scheint der Treffpunkt zu sein: Die Stände sind mit Licht ausgeleuchtet. Männer sitzen am Tempel und machen Musik. In einer Ecke des Platzes ist eine Art Schrein in den Boden eingelassen. Menschen bilden einen Kreis drum herum und zünden Kerzen an. Das bunte Treiben ist durchaus faszinierend.

Nach kurzer Suche entscheiden wir uns, zum Essen ins Restaurant des Shiva Guesthouse zu gehen. Es ist direkt am Durbar Square und bietet nepalesisches Essen zu Preisen, die in Ordnung sind. Natürlich ist es teurer als an den Straßenständen, doch günstiger als in den Restaurants, die mit dem besten Ausblick werben. Wir nehmen frittierte Gemüsetaler (Pakoda) zum Start. Lukas nimmt eine Platte, auf der Dal Baat, Spinat, Reis, Chutney und Gemüsecurry sind, dazu ein einheimisches Craft-Beer (Sherpa Brewery Himalayan Red). Jule wählt ein nepalesisches Curry. Alles ist super lecker und mit der Schärfe kommen wir auch ganz gut zurecht.

Schlafen ist in der Nacht übrigens nicht wirklich angesagt: Das Dasai-Fest geht dem Höhepunkt entgegen und so feiern die Nepalesen die komplette Nacht in ihren Tempeln. Dabei werden ständig Glocken geläutet. Die Nacht ist entsprechend kurz, dazu müssen wir früh raus, um zu unserem nächsten Ziel zu fahren: Den Chitwan-Nationalpark.

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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