Trekking Nepal
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Community-Trekking in Nepal Teil 3: Nangi – Mohare Danda

Kurz nach sechs Uhr sind wir schon wach – um sieben gibt es heute Frühstück. Da wir schon früher unsere Sachen gepackt und die Zähne geputzt haben, bleibt etwas Zeit, die Aussicht auf die Berge zu genießen. Es ist klar und wir sehen den Daulagiri, den Nilgiri und Annapurna Süd richtig gut. Sie wirken so nah – und irgendwie ist es auch ein wenig schade, dass man das auf den Fotos nicht so recht festhalten kann.

Was für eine Aussicht am Morgen in Nangi.

Zum Frühstück gibt es wieder Pfannkuchen mit Honig bzw. Erdnussbutter. Und dieses Mal ist der Pfannkuchen richtig dick gebacken und besteht gefühlt nur aus Eiern. Wir sind pappesatt danach. Heute Morgen müssen wir ein wenig auf Indra warten, bis es los geht. Er ist heute wohl etwas langsamer und so bringt uns heute auch Bijaya (unser Porter) Rechnung und Gästebuch.

Wir sind gespannt auf den Tag – denn leicht lediert (Durchfall bzw. Übelkeit) steht uns heute angeblich die anstrengendste Etappe bevor. Die ersten drei Stunden soll es nur bergauf gehen…

Kurz vor acht Uhr starten wir, ausgerüstet mit einer Zusatzflasche Wasser. Fünf Liter haben wir heute dabei und die Reste der Cola vom Vortag. Denn klar ist: In der Höhe ist es wichtig, viel zu trinken. Und tatsächlich: Es geht bergauf und das stetig. Doch es ist viel angenehmer zu laufen als am Vortag, auch wenn wir in der ersten Stunde wieder 400 Höhenmeter machen. Dieses Mal sind es aber weniger Treppen. Vielmehr geht es häufig über schmale Pfade. Ab und an lugt beim Blick zurück einer der weißen Gipfel des Himalaya hervor.

Der Blick zurück auf die Berge.

Bei rund 2800 Meter fängt Jule an, die Höhe zu spüren. Ab und an nimmt die Übelkeit zu, dann ist sie wieder weg und ein leichter Kopfschmerz kommt. Es ist gut zum Aushalten, doch wir versuchen, mehr zu trinken.

Nach rund eineinhalb Stunden kommt ein steiles Stück und an vielen Stellen klettern wir eher als das wir wandern. Das macht Spaß und irgendwie sind wir recht schnell oben auf 3000 Meter. Tatsächlich haben wir für die Teiletappe statt drei Stunden nur zwei gebraucht. Zur Anpassung an die Höhe ist das eigentlich nicht das Beste, doch ok.

Der Aufstieg hat es in sich.

Genau auf 3000 Meter findet sich eine kleine Schutzhütte, an der wir rasten. Bei einem Müsliriegel und einem Karamelbonbon beobachten wir wie der Nebel über den Bergkamm zieht. Etwa fünf bis zehn Minuten nach uns kommt das holländische Paar an, das wir zwischenzeitlich überholt haben, und wir verbringen einen schönen Mittagsschnack.

Unsere Truppe hat die 3000 Meter erreicht.

Nach der kurzen Pause geht es weiter – mehr oder weniger immer auf einer Höhe. Am Anfang fühlen wir uns an eine Alm erinnert. Wir laufen unterhalb von Felsen entlang, häufig ist es unterhalb sehr feucht und einmal laufen wir unter einem Mini-Wasserfall entlang. Nach einer knappen Stunden über diese Art von Weg rasten wir erneut: Es ist kurz nach elf Uhr und wir machen Mittagsrast. Indra hat uns am Morgen eine Tüte mit Chapati (dünnes Brot) und zwei Eier gegeben. Das – zugegebenermaßen sehr trockene – Brot futtern wir nun – Hauptsache Energie. Auch die erste Magnesium-Tablette lösen wir auf und trinken einen halben Liter davon dazu. Die Reste der Cola müssen auch dran glauben. Jule spürt etwas stärker die Höhe, auch die Beine machen sich leicht bemerkbar. Doch mit diesem „Doping“ geht es wieder besser und so laufen wir bald auch weiter.

Oberhalb von 3000 Metern fühlen wir uns an eine Alm erinnert.

Wir kommen wieder in einen Wald, über Wurzelwerk geht es mal ein paar Meter runter und natürlich auch schnell wieder hoch. Riesige, alte Bäume stehen hier. Wir passieren immer wieder kleine Bäche, über die Steine oder Holzscheite gelegt sind. Zwischendrin ist es immer mal wieder sehr morastig – einmal sinkt Jule richtig tief ein. Schließlich kommen wir durch einen Bambuswald bevor es wieder etwas steiler bergauf geht.

Ein Schild weist uns auf den Mohare Danda hin – nun ist es nicht mehr weit. Über einen schmalen Pfad geht es weiter nach oben. Es ist faszinierend, wie der Nebel über den Kamm zieht. Es sind rund 20 Grad, doch es fühlt sich kälter an. Längst haben wir beide das Fleece an.

Es ist nicht mehr weit zum Gipfel.

Und dann erreichen wir den Gipfel! Das fühlt sich richtig gut an! 3313 Meter haben wir geschafft. Leider ist es sehr nebelig – oder sind es Wolken? Wir sehen gerade mal bis zur Abbruchkante. Doch das ist in dem Moment egal. Wir haben es hier hoch geschafft und tatsächlich war die Etappe richtig gut. Das hat jede Menge Spaß gemacht und wir mussten uns – trotz den leichten Höhenanpassungsschwierigkeiten – weniger quälen als am Vortag. Darauf ein Selfie, einen Gipfelschnaps (Haselnuss ;)), einen Ingwer-Tee (soll gegen die Höhenkrankheit helfen) und einen selbst aufgebrauten Kaffee.

Wir haben den Gipfel des Mohare Danda erreicht.

Lukas hat zum Geburtstag von einer Münchner Kaffeerösterei ein sogenanntes Coffee Drip Bag bekommen. Der gemahlene Kaffee ist in einem Teebeutelähnlichem Filter und wird mit heißem Wasser übergossen. Und da man sich hier oben heißes Wasser für rund 40 Cent bestellen kann… Beurteilung: schmeckt wie ein frisch aufgebrühter Kaffee zu Hause.

Auf über 3000 Meter wird das Coffee Drip Bag ausprobiert.

In unserer Kammer (dieses Mal mit der Nummer zwei) gibt es eine schnelle Katzenwäsche, denn Duschen gibt es hier oben nicht. Dafür steht eine schwarze Tonne mit Wasser und zwei Schöpfkelche im Hof. Wir machen eines der Handtücher nass – brrrr, kalt. Aber die trockenen Klamotten im Zwiebellock im Anschluss, frische Socken, Buff und Mütze helfen gegen die Kälte.

Wir machen eine kleine Erkundungstour. Neben der Haupthütte, in dem es das Essen gibt und in dem ein großer Ofen steht, gibt es die Schlafkammern, in denen wir nächtigen, sowie ein Neubau. Daneben stehen zwei Steinhäuser, die vollgepackt sind mit Solarzellen. Unten drin stehen viele Batterien – Strom und Wifi (eher schlecht als recht) gibt es hier oben. Überall stehen die schwarzen Tonnen mit Wasser.

Zurück am Hauptpunkt machen wir mit Indra und Bijaya noch Fotos am Mohara-Danda-Schild und dann geht es in die Hütte. Es gibt eine Knoblauch-Suppe (soll ebenfalls gegen die Höhenkrankheit helfen) und mit Rosmarin und viel Knoblauch angemachte Kartoffeln. Wir hatten auf Pommes spekuliert, denn am Tag zuvor verbarg sich das hinter den Fried Potatoes. Doch die Kartoffeln sind auch super lecker. Die Suppe wärmt – das ist auch notwendig, denn es ist alles andere als warm.

Wir verbringen den Nachmittag mit Magnesium-Wasser trinken, Eindrücke niederschreiben und lesen (“Theaterdurst” von Jules Kollegen Stefan Benz) – ja, die nachmittägliche Routine… Doch heute hat sie eine ganz andere Atmosphäre. Alle Guides, Porter und die meisten Touristen (wir werden immer nett Gäste genannt) sitzen in dem großen Hüttenraum, in dem gerade einmal drei größere Tische passen. In einer Ecke sammeln sich alle Handys – dort ist die einzige Steckdose im Raum und ein Mehrfachstecker. Um den großen Ofen herum sind ein paar Bänke gestellt und die Porter und Guides wärmen sich und ihre nassen Klamotten daran. Auch wir stellen uns irgendwann die angrenzenden Stühle um und wärmen uns.

Die Wirtin der Hütte macht den Ofen an.

So vergeht der Nachmittag im Zug. Schnell noch die Taschenlampe aus der Kammer geholt, bevor es dunkel wird (dieses Mal gibt es kein Strom im Schlafbereich) und die Flaschen gefüllt (dieses Mal aus einer Tonne, an der ein kleiner Filter hängt – wir gehen dennoch auf Nummer sicher und geben etwas Micropur dazu).

Dann kommt schon das Abendessen. Rösti! Yummy, ist das lecker an diesem Abend! Wie üblich erklärt uns Indra im Anschluss die Route für den nächsten Tag. Und weil just zu diesem Zeitpunkt die Köchin und ein Porter neben uns mit Kartenspielen beginnen, aber nach einer Partie schon wieder aufhören, schnappt er sich die Karten. „Ich zeige euch einen Kartentrick“. Sprachs, bittet uns, uns eine Karte auszusuchen und legt die Karten immer wieder hin mit der Frage an uns, in welcher Reihe sich genau diese Karte befindet. Nach viel Gehabe zeigt er uns natürlich die richtige Karte. Die beiden Niederländer haben sich zwischenzeitlich dazu gesetzt und nun beginnt reiht sich ein Kartentrick nach dem anderen, denn Johann kennt auch noch einige. Wir lachen viel – was für ein schöner Tagesabschluss.

Hütten-Spaß bei Kartentricks.

Alles rund um das Community-Trekking zum Mohare Danda mit Hinweisen zu Ausrüstung, Unterkünften und Verpflegung haben wir in einem eigenen Blog-Beitrag festgehalten.

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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