Trekking Nepal
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Community-Trekking in Nepal Teil 4: Mohare Danda – Tikot

Das war eine kurze und kalte Nacht! Draußen ist es leicht gefroren. Doch Dank der gekoppelten, warmen Schlafsäcke lässt es sich in der Kammer ganz gut aushalten (auch wenn es zu zweit auf einer 90 Zentimeter Pritsche etwas eng ist ;)). Jule schläft in der Nacht kaum – nicht ungewöhnlich bei der Höhe. Und dann weckt uns gegen 4.30 Uhr noch ein Geraschel. Wir können nicht erkennen, woher es kommt, doch am nächsten Morgen sehen wir beim Blick in Jules geschlossenen Rucksack, dass sich eine Maus an einem in einer Plastiktüte verpackten Apfel gemacht hat. Diebisch!

Vor Sonnenaufgang sieht man die Berge klarer. Also stehen wir früh auf. Unsere Schlafkammer ist in dem zweiten Gebäude von rechts, im Hintergrund der Daulagiri.

Wir stehen früh auf: Gegen 6 Uhr geht die Sonne auf. In der Morgendämmerung zuvor soll man die Gipfel des Himalaya am besten sehen können. Also gut eingepackt und raus in die Kälte. Die Klamotten sind kalt und klamm – einmal tief durchatmen und dann kommt man auch rein.

Draußen erwartet uns ein wunderschönes Panorama. Wir haben beste Sicht auf 15 Gipfel. Wahnsinn! Der Vollmond leuchtet auch noch blass vor sich hin, die Sonne kann man hinter den Bergen schon ausmachen. Welch tolle Stimmung – wäre da nicht die westfälische Gruppe, die kurz nach uns aus den Schlafsäcken gekrochen kommt und ununterbrochen redet. Wir versuchen das zu ignorieren (warum ist das so schwer, wenn es die eigene Sprache ist?) und die Morgenstimmung zu genießen.

Fasziniert bestaunen wir den vor uns liegenden Himalaya. Gerade mal 20 bis 25 Kilometer Luftlinie sind es bis zum vor uns liegenden Annapurna South. Das wirkt so nah und ist doch so fern.

Die Berge des Himalaya (hier der Annapurna South) sind einfach nur großartig anzusehen.

Der Dhaulagiri thront linker Hand, daneben kommt der Tukuche, Nilgiri, Tilicho und schließlich Annapurna eins, Annapurna Fang, Annapurna South, Annapurna drei, Hiunchuli, Gandharbab Chull, Mardi Himala und den Machapuchare. (Wir sind froh, dass wir diese zusammen bekommen ;))

Indra, der Gute, bringt uns eine heiße Tasse Schwarzen Tee. Super gegen die kalten Hände, die wir vor lauter Fotografieren und Schauen kaum bemerken. 360-Grad-Fotos, Videos, beide Kameras im Einsatz und die Smartphones.

Und da schließlich lugt die Sonne winzig klein hervor und ist schnell ein großer, runder, rot-gelber Ball. Fix ist sie oben und lässt die ersten Berge in Schatten verschwimmen. Die Gipfel des Annapurna und Daulgiri werden dagegen wunderbar angeschienen. Ein schönes Naturschauspiel, was wir diesen Morgen auf 3313 Meter bewundern dürfen.

Sonnenaufgangs-Stimmung auf dem Mohare Danda.

Wer mehr Eindrücke vom Sonnenaufgang entdecken möchte, wird in diesem Blog-Beitrag fündig (Videos, Fotos, 360-Grad-Aufnahmen).

Nach einer guten Stunde verschwinden wir noch einmal kurz in der Kammer, um unsere Sachen zusammen zu packen und Zähne zu putzen. Um kurz nach sieben gibts warmen Porridge und Chapati-Brot mit Honig zum Frühstück. Dann heißt es Tschüß sagen – dem netten holländischen Ehepaar Annette und Johann, mit denen wir lustige Abend und gute Gespräche hatten. Sie teilen die nächste Etappe auf zwei auf. Aber auch Tschüß zu diesem tollen Platz. Noch ein letztes Bild hier oben – dieses Mal mit Indra und Bijaya und dann geht es wieder los.

Gipfelbild bei bester Sicht mit Indra und Bijaya

Kurz vor acht Uhr sind wir wieder unterwegs. Hinter den Schlafhäusern laufen wir über eine Art Kamm den Bergen entgegen. Wir sind nicht weit gelaufen, da müssen wir von der schönen Szenerie noch einmal ein Bild machen: Annapurna und Daulagiri überragen einfach alles. Plötzlich huscht aus dem Busch heraus ein Yak an uns vorbei und ist genauso schnell wieder veschwunden.

Bei solch einer tollen Szenerie muss man einfach Bilder machen.

Wir folgen dem schmalen Pfad und sehen das Yak immer mal wieder durch das Gebüsch rechts und links hindurch. Das Yak und auch wir finden schließlich den Rest der Herde. An ihnen vorbei gehen wir einen steilen und rutschigen Weg bergab. Der Boden ist schmierig, dazwischen liegen viele Steine. Es ist deutlich zu sehen, dass bei Regenfällen hier wohl das Wasser runterläuft. Doch auch der vielen Yak-Kacke gilt es auszuweichen.

Nach etwa einer halben Stunde kommen wir an einen kleinen See. Indra empfiehlt uns, ihn halb zu umrunden, dann würden sich die Berggipfel im Wasser spiegeln. Und tatsächlich – das ist schön anzuschauen und natürlich auch super für Fotos geeignet.

Der Annapurna South spiegelt sich im See.

Hier zum Entdecken in 360-Grad:

Über eine Art Wiese führt der Weg weiter – mit bestem Bergpanorama. Wir genießen sichtlich diese Momente und können uns gar nicht vorstellen, dass das schon bald wieder vorbei sein soll.

Nun gilt es über eine Art Gatter zu klettern, denn wir erreichen nach rund eineinhalb Stunden ein Teehaus. Die Aussicht von dort auf die Berge ist fantastisch, vor allem mit den farbintensiven Blumen davor. Da mag man sich kaum von trennen.

Pause am Teehaus.

Nach dem kurzen Stopp laufen wir durch einen Rhododendron—Wald. Die Bäume sind groß und mit ihrer hellen Rinde ganz nett anzuschauen. Immer mal wieder queren wir einen Bach. Der Weg geht meist nach unten – auf 2250 Meter liegt unser heutiges Ziel. Doch ab und an gibt es auch kleinere Etappen nach oben. So zum Beispiel ein breites Stück Weg nach einem Fischteich, den wir passieren. Das zieht sich irgendwie ganz schön. Doch der breite Weg ermöglicht auch Gespräche und so erzählt ins Indra mehr über das Guide-Sein. So wählt er sich zum Beispiel den Porter aus – Bijaya ist ein Freund von ihm. Das finden wir gut. Und auch, als er uns erzählt, dass er sehr zufrieden ist mit seinem Arbeitgeber Royal High Mountain. Als er vor zwei bis drei Wochen an Dengue-Fieber mitten auf einem Trekking erkrankt ist, haben sie nicht gezögert, ihn mit dem Hubschrauber aus der Everest-Region nach Kathmandu zu fliegen. Echt gut, denn wenn man mit Dengue-Fieber nicht gleich behandelt wird, kann das tödlich enden.

Auf schmalen Pfaden geht es bergab.

Meist laufen wir allerdings auf einem schmalen Pfad, mal durch Wald, mal über Wiesenartige Strecken. Die letzteren gefallen uns besonders gut, da die Aussicht hier am Schönsten ist. Dann machen wir den letzten Stopp für heute: Unsere beiden Begleiter bekommen Hunger – und was machen sie: Sie reißen einer dieser Nudelpackungen auf, die man sonst mit heißem Wasser übergießt und dann als Art Nudelsuppe isst. Doch es geht auch ohne heißes Wasser, wie wir heute lernen, denn natürlich bekommen wir auch etwas ab. Das Nudelpaket wird zerkleinert, dann kommt das Gewürz drüber und ab damit in den Mund. Geht auf jeden Fall…

Ja, das ist eine Straße…

Nach einer Etappe über Wiesen stossen wir auf eine Straße – sofern sie überhaupt den Namen verdient, denn sie ist mit Schlaglöchern und teilweise kaum passierbaren Matschlöchern übersäht. Zu Fuß geht das ganz gut, mit dem Auto ist das eher ein Auf und Ab. Nach kurzer Zeit können wir auf unser Ziel blicken: Tikot. Das Bergdorf schmiegt sich an die Hügel an, nett sieht das aus von oben.

Das Bergdorf Tikot.

Ein Schild weist uns schließlich den Weg weg von der Straße runter über mit Holzstämmen angelegten Treppen und einem schmalen Pfad. Etwa 15 Minuten später und nach 13,6 Kilometer kommen wir nach fünf Stunden und 13 Minuten im Dorf an und werden mit Blumenkränzen herzlich begrüßt. 1230 Höhenmeter sind wir runter gelaufen, 219 Meter hoch. Kurz in der Sonne sitzen, über die Toilettenbeschriftung schmunzeln (die „Western Toilette“ ist extra ausgeschildert), dann kommt auch schon unser Essen, das Indra von unterwegs bereits bestellt hat. Es gibt Chowmein (gebratene Nudeln mit Gemüse).

Mit Blumenkränzen werden wir in Tikot begrüßt.

Anschließend werden wir zu unserer Unterkunft geführt. Wir wohnen wie die erste Nacht auch bei einer Familie. Dieses Mal ist es ein Haus in der typischen Bergdorf-Bauweise. Im oberen Bereich gibt es eine Art Veranda und vier Türen. Hinter einer verbirgt sich unser Zimmer mit zwei Betten, nebenan schlafen Indra und Bijaya. Wir blicken zum Fenster raus. Da wird gerade ein Tier geschlachtet. Der Hausherr ist schüchtern, begrüßt uns aber herzlich. Er scheint sich sehr zu freuen, dass wir zu Gast sind. Und ist äußerst amüsiert, als wir kurze Zeit später in der „Dusche“ unsere Haare waschen. Das kombinierte Dusch-Klo ist passend für Nepalesen gebaut – Lukas ist also viel zu groß. Nacheinander halten wir unseren Kopf unter den Wasserhahn, mit den Füßen auf der einen Seite auf der Türschwelle stehend, auf der anderen Seite auf dem Toilettenabsatz (die Toilette ist einfach nur ein Loch im Boden). Die Kopfhaut ist danach zwar geeist, aber es klappt und erinnert stark an Pfadi-Pfingstlager.

Mit Erfrischungstüchern folgt ein grobes Reinemachen – am nächsten Tag bekommen wir ja wieder Zivilisation und eine „richtige“ Dusche. Und dann machen wir uns auf zum Spaziergang durch das Dorf. Es gibt sogar ein Café, das leider geschlossen hat. Wir drehen eine Runde, laufen über die Steintreppen nach unten und orientieren uns an dem beim Mittagessen abfotografierten Plan zu den Home-Stay-Unterkünften. Neun Stück gibt es in dem Ort und an den Häusern hängt überall ein Schild. Das macht die Orientierung einfach – wobei das Dorf wirklich nicht groß ist.

Die Bewohner sind alle geschäftig: Manche waschen, andere kommen gerade von der Feldarbeit zurück und dreschen die Sojabohnen. Überall werden wir mit einem freundlichen Namaste begrüßt. Es ist einfach nur nett. Wir setzen uns auf die Veranda mit bestem Blick auf die Berge (wenn auch nicht so schön, wie am Morgen), lesen, schreiben. Gegen 18 Uhr geht es wieder in die Dinning Hall, wo das Abendessen auf uns wartet. Heute gibts Dal Bhat und Momos.

Mit Indra unterhalten wir uns nach dem Essen noch ein wenig. Er zeigt uns Bilder von seiner Familie und anderen Touren. Wir bekommen richtig Lust, mehr davon zu machen, denn die Bilder – egal ob aus der Everest-Region oder vom Annapurna-Circuit (Indras Lieblings-Trek) – sehen toll aus (mehr zu Trekking-Alternativen haben wir hier angerissen). Uns hat das Bergfieber (mal wieder) gepackt!

Als wir zurück zu „unserem“ Haus kommen, sitzt die Familie in einem der Räume an einem Feuer zusammen. Auf dem Lehmboden sind ein paar Sitzteppiche ausgelegt – gemütlich sieht das aus. Wir sind früh in den Schlafsäcken und lauschen den Geräuschen von draußen: Hunde bellen, hier und da hört man leises Gemurmel, die Hühner gackern im drunter liegenden Stall.

Alles rund um das Community-Trekking zum Mohare Danda mit Hinweisen zu Ausrüstung, Unterkünften und Verpflegung haben wir in einem eigenen Blog-Beitrag festgehalten.

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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