Roadtrip Polen: Von der Schneekoppe nach Oppeln
Nach unseren ersten beiden Nächten in Polen in Karpacz mit einer schönen Wanderung an der Schneekoppe steht ein Tag auf der Straße an. Ziel ist Oppeln (Opolu), unterwegs stoppen wir am Schloss Fürstenstein (Zamek Ksiaz), in Schweidnitz (Swidnica), am Gut Moltke (Palac rodziny von Moltke w Krzyzowej), in Neisse (Nysa) und Ringwitz (Rzymkowice).
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Nach einem kurzen Tankstopp geht es los durch einen sehr intakten Wald. Einige Kurven sind zu bewältigen, ein paar Höhenmeter rauf und runter. Das Regenwetter und der leichte Nebel sorgen für eine mystische Stimmung. Immer wieder passieren wir kleine Gehöfte, ab und an fahren wir über Alleen. Nach etwas mehr wie einer Stunde kommen wir zum Schloss Fürstenstein. Erst noch sind wir in einer größeren Stadt mit vielen Ampeln und Kreiseln (letztere gibt es in Polen zu Haufe), blicken auf Plattenbauten, dann geht es von der vierspurigen Straße links ab und wir fahren über Kopfsteinpflaster an einem Gestüt vorbei. Dies gehört bereits zur Schlossanlage, genauso wie ein Palmenhaus, an dem wir bereits vorbei gefahren sind, ein Mausoleum und ein riesiger Park. Man könnte hier einen vollen Tag verbringen.
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Wir stellen unseren Bus am Parkplatz in der Nähe des Gestüts ab und zahlen 6 Euro. Es scheint eine Tagespauschale zu sein. Wir spazieren durch einen Teil des schönen Schlossparks mit alten Bäumen und großen Rhododendron-Büschen. Plötzlich steht man vor einem künstlich angelegten Teichbecken und einem imposanten Eingangstor. Wer das Innere des Schlosses besuchen, an einer Untergrundführung oder das Palmenhaus besuchen möchte, besorgt sich in einem Nebenbau ein Ticket. Uns genügt der Blick auf das Märchenhafte Schloss, das mehrere Baustile vereint. Wir treten ein durchs Eingangstor, laufen über einen von schönen Gebäuden gesäumten Weg und landen im Garten vor dem Schloss, der von verschiedenen Skulpturen umrahmt ist. Rechts und links geht es ordentlich runter, denn das Schloss steht gut geschützt auf einem Felsen, umrahmt von einer Schlucht.





Nach diesem schönen Stopp fahren wir weiter nach Schweidnitz, was nicht weit entfernt ist. Wir kommen dort zur Mittagszeit an und finden einen kostenlosen Parkplatz am Rande des Parkes, der sich an die Innenstadt schmiegt. Durch diesen hindurch sowie durch einen weiteren schön angelegten Park sind wir in rund zehn Minuten an der Kathedrale, die wir besichtigen. Davor findet sich ein Platz zu Ehren von Johannes Paul II..

Kurze Zeit später sind wir am zentralen Platz, in dessen Mitte unter anderem das Rathaus samt Turm ist. Rund herum finden sich viele Cafés. Wir haben eigentlich Lust auf etwas Herzhaftes, finden dort aber nichts Passendes, und landen so schließlich im Ciacho Caffe by Fajne Ciacho bei einem Flatwhite und mächtigem Kuchen. Als Alternative hätte sich das Chocoffee angeboten, eine Pralinenmanufaktur. Allerdings hätte es dort eher „kleine Happen“ gegeben – und wir hatten durchaus Hunger.





Rund um den Marktplatz finden sich hübsche Häuser. Wer die Straßen vom Marktplatz ab entlang läuft, kann Engel-Graffiti und eine Barockkirche entdecken. Wir laufen schließlich zur Friedenskirche, die eine interessante Entstehungsgeschichte hat. Die evangelischen Gläubigen durfte nur außerhalb der Stadtmauer bauen, außerdem mit der Vorgabe, es müsse einfach sein. Also kamen Lehm und Holz zum Einsatz. Entstanden ist ein interessanter Fachwerkbau. Im Inneren ist die Kirche prächtig ausgestattet. Rundherum findet man Gräber mit deutschen Namen. Etwas entfernt steht ein Glockenturm.



Etwa zehn Minuten von Schweidnitz entfernt liegt das Gut Moltke in Kreisau. Der Ort versteckt sich von der Landstraße aus in einer Mulde. Als wir dort ankommen, fahren wir über Kopfsteinpflaster an einer hübschen Kirche vorbei und sind direkt am Landgut, das heute eine Begegnungsstätte ist. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Gut in Besitz der Familie von Moltke. Helmuth James von Moltke traf sich auf seinem Gut mit dem Kreisauer Kreis, einer Gruppe von Gegnern des Nationalsozialismus. Am 12. November 1989 gaben sich hier der polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki und Bundeskanzler Helmut Kohl symbolträchtig ein Zeichen des Friedens.

Unser Roadtrip führt uns als nächstes in die Ingelheimer Partnerstadt Neisse. Direkt hinter der Brücke finden wir einen Parkplatz – samt der Überraschung, dass er am Ende nichts kostet, als wir unser Parkticket zahlen wollen. Wir vermuten, das ist aufgrund des Wochenendes so. Auf dem Weg in die Altstadt passieren wir direkt ein hübsches Gebäude aus Backsteinen. Der Turm ist leider bei unserem Besuch in ein Gerüst gehüllt. Dahinter findet sich ein erster Brunnen – und tatsächlich fühlen wir uns ein wenig an Ingelheim erinnert, denn auch dort gibt es solche Brunnen.


Wir laufen zum zentralen Platz, schauen uns St. Jakobus und Agnes an sowie das imposante Dom Wagi-Haus am Fontanna Skuennicza. Von dort aus laufen wir zur Kirche St. Peter und Paul. In der Straße davor finden sich ebenfalls ein paar schöne Häuser und ein weiterer Brunnen. Wir queren noch einmal den zentralen Platz samt markanten Kirchen, laufen am Turm Wieza Bramy Wroclawskiej und der Kirche Belski Geodezja vorbei, um zu Stadtverwaltung zu kommen. Im Park davor soll es einen Baum geben, den die Stadt Ingelheim der Partnerstadt geschenkt hat. Mit einer Plakette sei dieser versehen, finden wir einen Eintrag im Internet. Doch leider können wir den Baum nicht finden – dafür ein Schild, auf dem alle Partnerstädte von Neisse genannt sind. Am Kreishaus vorbei laufen wir Richtung Flussufer und kommen dabei noch an einer Bastion vorbei.








Als nächstes steuern wir das nahe gelegene Ringwitz (Rzymkowice) an, da hier Verwandtschaft von Lukas her kommt. Der Ort ist klein und Dank der Navigation von Lukas Eltern per Videoanruf finden wir auch die entsprechenden Häuser.

Nächster und letzter Stopp für diesen Tag ist Oppeln. Auf dem Weg dorthin entdecken wir ein Reh und einen Fasan am Straßenrand. Die Landschaft ist wechselhaft – mal Felder, mal Wald. Wir kommen immer wieder durch kleinere Orte. Wie schon den gesamten Fahrtag entdecken wir dabei mal recht verfallene Häuser, viele alte Bauernhäuser, viele Häuser mit grauem Putz, dann aber auch wieder schön renovierte und schön gestaltete. Wir wundern uns darüber, dass jemand einen Panzer im Garten stehen hat – und teilweise über die Standorte der vielen Wegkreuze und Marien-Statuen (zum Beispiel auf einer Koppel).
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In Oppeln steuern wir als erstes unseren angedachten Stellplatz an, der sich in der Nähe des Zoos am Oder-Ufer bei einer Kanustation befindet. Als wir ankommen, ist das Tor leider verschlossen. Ein Campingmobil steht auf dem Platz, allerdings treffen wir keine Menschen an. Auch die Bar, die direkt angrenzt, ist komplett verschlossen. Schade, das wäre sicherlich ein schöner Stellplatz für die Nacht gewesen. In die Stadt sind es von dort aus etwa 20 Minuten.
Die Stadt fahren wir an. Auf einem Parkplatz vor einem Museum wollen wir erst einmal parken. Bei Bewertungen haben wir gelesen, dass andere hier übernachtet haben. Als wir ankommen, begrüßt uns ein Parkwächter sehr freundlich. Mit Hilfe der Google-Übersetzung finden wir raus, dass wir maximal bis Mitternacht stehen können, da wir sonst abgeschleppt werden würden. Es ist eine Art Museumsnacht. Wir dürfen allerdings erst einmal kostenlos parken – perfekt, um etwas für den knurrenden Magen zu finden und eine Runde durch die Altstadt zu drehen.
Im Restaurant Starka finden wir einen Platz und genießen die schlesische Küche mit Blick aufs Wasser. Es gibt Rouladen mit Klösen, Rotkraut und Soße. Sehr lecker! Danach schlendern wir in die Altstadt. Es sind richtig viele Leute unterwegs, denn zu den offenen Museen gesellen sich noch zwei Bühnen mit Livemusik. Wir hören zuerst John Porter, der mit seinem Album „Helikopter“ ein erfolgreicher polnischer Musiker ist (wie wir später nachlesen). Auf der zweiten Bühne wird polnischer HipHop geboten.



Wir lassen uns treiben, entdecken rund um das Rathaus erneut hübsche Häuser und bummeln durch Gassen. Natürlich sehen wir dabei auch ein paar Kirchen. Über den Mühlgraben geht es dann wieder zur Halbinsel, am Bautor und an einem Teich mit Wasserspielen vorbei zum Parkplatz.






Als Ersatz für die Übernachtung haben wir uns einen Parkplatz an einem See am Rande von Oppeln ausgesucht. Am Kapielsko Beach am Bolko-See kann man kostenlos stehen. Als wir auf dem Parkplatz zwischen See und leerstehender Fabrik ankommen, steht bereits ein Camper aus Frankreich dort. Am Seeufer sitzen zwei Gruppen mit Jugendlichen, die aber bald schon abfahren. Ruhig wird es allerdings nicht: Autoposer haben sich den Platz zum Driften ausgesucht. Daher beschließen wir gegen 23 Uhr dann doch noch den Platz zu wechseln, weil wir uns nicht wohl fühlen. Wir fahren einen Parkplatz in der Nähe der Autobahn bei Dabrowka Gorna an.



Wir suchen uns dort einen Platz zwischen zwei LKW, von denen einer in der Nacht dann doch noch wegfährt. Schön ist etwas anderes, doch wir stehen gut geschützt und es ist einigermaßen ruhig. Die nahe gelegene Autobahn hört man kaum und nachts ist hier kaum Betrieb. Noch dazu gibt es eine sehr saubere Toilette. Nach dem Frühstück geht es von hier aus weiter nach Auschwitz.