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Quito

Welch wunderschöne Stadt Quito ist! Man glaubt es kaum, in einer Hauptstadt zu sein. Recht entspannt geht es zu, finden wir.

Nach dem Ankommen erkunden wir ein wenig das Stadtviertel Mariscal, in dem unser Hotel Fuente de Piedra II ist. In den 1930er-Jahren als feine Wohngegend jenseits der von Kolonialbauten geprägten Altstadt errichtet, finden sich hier heute viele Bars, Restaurant, Diskos, Sprachschulen und alles, was Touristen erfreut. Das macht es uns leicht, am Abend ein nettes Restaurant zu finden – im „Q“ am Plaza Foch probieren wir ecuadorianisches Essen: Rindfleisch, Avocado, Kartoffelbrei-Puffer mit Käse und natürlich Mais.

Am nächsten Morgen werden wir von einem Guide am Hotel abgeholt. Die nächsten vier Stunden entdecken wir Quito mit ihm – rückblickend eine super Idee, denn so erfahren wir vieles über die Stadt und aktuelle Themen. Während wir durch die Straßen laufen, Sehenswürdigkeiten besichtigen und das ein oder andere ausprobieren, erzählt er uns beispielsweise davon, dass am Sonntag eine der Hauptstraßen komplett für den Autoverkehr gesperrt wird und nur Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind. Er ordnet eine kleine Demo vor dem Präsidentenpalast für uns ein (Exil-Venezuelaner demonstrieren gegen die Grenzschließung) und als wir an der Uni vorbei kommen, erfahren wir direkt etwas dazu, wie es ist zu studieren.

Zuallererst führt er uns aber auf einen Markt. Wir entdecken die verschiedenen Bereiche, von Obst und Gemüse über die Fleisch- und Fischabteilung bis hin zu den Blumen. Wusstet ihr, dass viele Rosen (beispielsweise die Fair-Trade von Lidl) aus Ecuador stammen? Oder dass es 300 Sorten Karoffeln in den Anden gibt? Auf dem Markt gibt es auch einige Garküchen. Schwein, im Lehmofen gebacken, dazu viele verschiedene Maissorten in unterschiedlichster Zubereitung (gekocht oder geröstet) – wir probieren und meinen: sehr lecker. Anschließend geht es zu einem Obststand. Wie schmeckt eigentlich „pink banana“? Süßer als die Bananen, die wir kennen. Die Marktfrau schneidet verschiedene Früchte für uns auf: Passionsfrucht, Kaktusfeigen, Drachenfrucht; wir probieren ecuadorianische Brombeeren und Physialis und zum Schluss gibt es einen frisch zubereiteten Fruchtsaft aus „tree tomatos“ (Tamarillo).

Nach diesem tollen Marktbesuch fahren wir mit dem öffentlichen Bus zur Basílica del Voto Nacional – ein toller Startpunkt zur Erkundung der Stadt, da es vom Turm aus einen großartigen Blick gibt. Wir staunen außen aber zu erst einmal über Elemente der neugotischen Basilika: Statt Drachen oder Löwen, wie man es von anderen Kirchen kennt, zieren hier Schildkröten, Tapire und Leguane die Ornamente. Die Basilika ist eine der jüngsten Kirchen Eciadors – sie wurde erst 1985 von Papst Johannes Paul II. eingeweiht. Wie uns unser Guide berichtet, kommt der Name „nationales Gelübde“ daher, dass der damalige Präsident das Volk fragte, ob die Kirche gebaut werden soll. Nach dessen Zustimmung wurde die 115 Meter Kirche (und damit eine der größten des Landes) errichtet.

Wir besteigen den Turm und queren das Mittelschiff oberhalb der Decke über eine wackelige Holz-Konstruktion. Über eine sehr steile Treppe geht es weiter hoch, wir erreichen eine kleine Plattform rund um den Turm. Von dort aus führen zwei weitere steile Treppen nach oben – was man nicht alles für eine tolle Aussicht tut… Doch der kleine Adrenalin-Kick wird belohnt – ein einzigartiges Erlebnis für 2 U$ Eintritt. Wir machen uns wieder auf den Weg nach unten und stoppen auf einer Empore, von der aus man einen fantastischen Blick in das Kircheninnere und die bunten Fenster hat.

Von der Basilika aus laufen wir eine steile Straße hinab Richtung historische Altstadt, die Straße der sieben Kreuze. Unser Guide weist uns auf jedes Kreuz hin – und gibt zwischendurch noch Tipps, wo wir beispielsweise essen gehen oder uns später noch etwas anschauen sollten.

Wir erreichen den Platz der Unabhängigkeit. Neben der Kathedrale findet sich hier auch der Präsidentenpalast, das Rathaus sowie der Bischofspalast und ein schön restauriertes koloniales Gebäude, in dem ein Hotel drin ist. In der Mitte des Platzes steht die Siegessäule. Übrigens: Ein Teil des Bischofspalastes ist untervermietet und damit frei zugänglich, da sich im Hinterhof ein paar nette Cafés und Restaurants befinden. Nach unserem Stadtrundgang kehren wir im Café „7 Campaniaros“ ein und freuen uns über richtig guten Kaffee und Kuchen, Kurzerklärung zu ecuadorianischen Kaffeesorten vom Barista inklusive. Sehr empfehlenswert!

Die Calle Ronda, älteste Straße der Stadt, gefällt uns sehr. In der schmalen Kopfsteinpflastergasse lässt es sich über zwei Blocks schön bummeln. Rot-blaue Fähnchen (die Farben der Stadt) und bunte Wimpel sorgen für ein tolles Flair. Kleinere Läden, Cafés und Restaurants laden zum Verweilen ein – als wir da sind, hat jedoch vieles zu. Kaum vorstellbar, dass diese Straße früher am Rande einer Schlucht und damit die einstige Südgrenze Quitos war. Von der Schlucht, die es zu Zeiten der Inkas und der spanischen Eroberer gab, ist heute nichts mehr zu sehen. Im 19. und 20. Jahrhundert ließen sich in der Straße viele Künstler und Handwerker nieder – Erklärtafeln an verschiedenen Stellen erzählen die Geschichte nach. Nach der Blüte als kulturelles Zentrum entwickelte sich La Ronda in den Achtzigern zu einem Rotlichtviertel. „Kein guter Ort“, erzählt unser Guide. Doch die Stadt habe durchgegriffen und so habe sich die Straße wieder zu einem besseren Platz entwickelt.

Nächster Stopp: die Iglesia y Convento de San Francisco. Der Platz davor ist riesig und war bereits für die Inka ein wichtiger Handelsort. Die Franziskaner brannten im 15. Jahrhundert einen Inkapalast nieder und errichteten darauf ihr Kloster. Am Rande des Platzes wird eine der Stationen der künftigen U-Bahn errichtet – 2019 soll sie fertig sein, berichtet stolz unser Guide.

Im Inneren erklärt er, warum stets die Jungfrau Maria sehr präsent in den Kirchen ist – und weniger Jesus. Zurückgeführt wird dies darauf, dass bei den Indigenas Pacha Mama eine große Rolle spielt – die Mutter der Erde, die Leben schenkt. Da passt Maria doch gut dazu. Das Innere der Kirche ist prächtig anzuschauen und lädt zum kurzen Verweilen nach dem ständigen Auf- und Abgehen durch Quito ein.

Neben all den Kirchen und Kloster gibt es auch einige Kulturbetriebe zu entdecken. Das Nationaltheater Sucre wurde beispielsweise von dem deutschen Architekten Franz Schmidt geplant. Der Platz davor war übrigens im 17. und 18. Jahrhundert ein großer, offener Schlachthof und Stierkampfarena. Die Stierkämpfe wurden aber vom Nationalkongress Ende des 19. Jahrhunderts verboten, wie uns unser Guide erzählt – zugunsten der Kunst, die stattdessen auf öffentlichen Plätzen stattfinden sollte.

In einer Gasse mit ein paar Bäumen prangert uns die Leuchtschrift des Bolívar-Theaters entgegen. Uns zieht es nach innen: Die Glanzzeiten hat das Multifunktionshaus mit Kino-, Musik- und Theaternutzung wohl bereits hinter sich – Leonard Bernstein war in den Sechzigern mit dem New York Philharmonic Orchestra zu Gast. Im Eingangsbereich sieht man deutlich die Schäden eines Großbrandes – die Säulen sind mit Russ belegt – das lädt regelrecht zum Fotografieren ein. Im Erdgeschoss ist übrigens auch ein Café beherbergt, das toll aussieht und ecuadorianischen Kaffee anbietet.

Nach dem Tag in der Altstadt können wir gut nachvollziehen, warum die UNESCO 1978 diese zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt hat – es ist wunderschön, die Gassen entlang zu bummeln, hübsch restaurierte Kolonialbauten und schöne Plätze zu entdecken. Übrigens war Quito das erste Weltkulturerbe überhaupt.

Schaut doch auch mal rein in “Quito von oben” – denn die Seilbahnfahrt hoch auf den Hausberg lohnt sich!

Jule Lumma

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als Leitung Digital bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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