E5: Von Giggelberg nach Meran
Zu Fuß

E5: Von Giggelberg nach Meran

Die letzte Etappe unseres E5-Abenteuers steht an. Von Giggelberg laufen wir nach Meran. Auf einfacher Strecke geht es an Bewässerungskanälen vorbei und mit Weintrauben sowie Apfelbäumen gesäumten Wegen in die mediterrane Stadt.

Los geht es am Berggasthof Giggelberg. Wir haben schnell gefrühstückt und machen uns früh auf die knapp 20 Kilometer lange Strecke. Unterhalb der Bergstation der Texelbahn verlassen wir den geteerten Weg und biegen ab auf einen schmalen Pfad. Unser Ziel liegt im Dunst vor uns: Meran. Die Aussicht aufs Tal ist einfach nur schön. Kurze Zeit später kraxeln wir über einen schmalen Waldpfad mit noch fantastischeren Ausblicken aufs Tal stets nach unten. Aufwärts-Meter haben wir heute gerade mal 30, runter sind es 1260 Höhenmeter.

Wir haben auf den letzten Metern den richtigen Abzweig verpasst. Eigentlich soll man laut Rother Wanderführer immer dem Wegweiser Wasserfall folgen. Wir haben diesen wohl übersehen. Der Weg nach unten über den schmalen Waldpfad ist allerdings auch sehr schön zu gehen und beschert uns ein paar tolle Blicke. Kurze Zeit später landen wir wieder auf der asphaltierten Straße. Wir vermuten, wir wären ansonsten ein paar Meter weiter oben rausgekommen.

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Vorbei geht es nun an einer Quelle, an der bereits Sissy getrunken haben soll. Klar, dass wir uns das Foto dazu nicht entgehen lassen können. Lukas muss herhalten, erst dann geht es weiter.

Bevor wir den breiteren Fahrweg wieder verlassen, erfreuen wir uns an einem Selbstbedienungs-Hofladen am Straßenrand. In einem Holzstand sowie einem Schrank befinden sich unzählige Fläschchen, Döschen und Marmeladengläser. Es gibt Holundersirup zum Selbst-Abzapfen und Eier „Natur pur“ von „glücklichen freilaufenden Hühnern“. Marmeladen, Essig, Sirup, Seife: Wir finden allerlei Produkte, die aus Brennnesseln, Holunder, Zitronenmelisse, Pfefferminze und vielem mehr hergestellt werden. Hier setzt man auf Vertrauen: Wer etwas mitnimmt, soll den angegebenen Preis in eine Kasse werfen. Wären wir als Tageswanderer unterwegs, wir hätten sicherlich etwas eingekauft.

Direkt an diesem Mini-Hofladen geht es ab. Auf einem teils verwachsenen Pfad laufen wir durch Wiese und Wald Richtung Partschins-Wasserfall (hier könnt ihr etwas mehr zum Wasserfall lesen). Wir sind bis zum Gasthaus Birkenwald nun von 1565 Metern auf 970 Höhenmeter abgestiegen – es ist also schon früh einiges an Abstieg geschafft.

Den Wasserfall selbst schauen wir uns auch aus nächster Nähe an. Am Gasthaus Wasserfall kann man rechts vom Höhenweg kommend direkt auf einen geschotterten Weg abbiegen. Nach etwa zehn Minuten aufwärts gehen erreichen wir den Aussichtspunkt und blicken auf Wasserfall und dahinter liegende Berge. Es lohnt sich, den kurzen Abstecher auf sich zu nehmen. Etwas später sehen wir den Wasserfall von weiter unten und können dabei auch die Fallhöhe des Wasser von 97 Metern nachvollziehen. Während der Schneeschmelze im Frühjahr sollen hier bis zu 1000 Liter Wasser pro Sekunde hier runter donnern.

Hinter dem Gasthaus Birkenwald biegen wir ab auf den Sagenweg, den wir zwischenzeitlich allerdings noch einmal verlassen. Der Sagenweg führt ab Partschins auf leichter Wanderung über knapp sechs Kilometer als Rundweg vorbei an vorgeschichtlichen Kultstätten. Wir gehen direkt über auf den Partschinser Waalweg.

Als Waalwege bezeichnet man die vor Jahrhunderten angelegten Bewässerungswegen entlang der Hänge. Heute sind es einfache Spazierwege, die durch Wald und Wiesen und vorbei an Apfelbäumen und Weinreben verlaufen. Der Partschinser Waalweg verläuft oberhalb des Ortes. Links des Weges fließt das Wasser im Kanal – mal gemächlich, mal wilder.

Die Einsamkeit vorangegangener Wege ist nun endgültig vorbei. Wir begegnen vielen Touristen, die auf Tagestouren und Spaziergängen unterwegs sind. Die Landschaft ist nach wie vor aber prächtig: Die Aussichten aufs Tal sind famos, das Spazieren durch Apfelbäume und unter Weinranken entlang hat etwas für sich. Und zwischendrin entdecken wir erste Palmen und fühlen uns weit weg vom kalten Herbst in Deutschland.

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Diese Idylle wird von einer wilderen Idylle zwischenzeitlich unterbrochen. Kurz hinter dem Hotel Niedermeyer steigen wir nach einer kurzen Etappe durch Apfelplantagen ab zu einer Brücke, die über einen Fluss führt. Große Kieselsteine säumen den Weg. Über den Saxnerweg geht es zur gleichnamigen Mühle, dann passieren wir ein paar Gartenhäuschen. Mitten hindurch führt der Weg. Etwas später erreichen wir den „Schluchtnstuanweg“ (sic!), der an einem alten Bewässerungskanal entlang führt. Wir wandern durch ein Waldstück. Dann geht es auf einen steinigen Pfad und durch ein Gatter hindurch. Unter einem „Dach aus Weintrauben“ sind wir hier gelandet. Man könnte vom Schlaraffenland sprechen: Lukas muss nur den Mund aufmachen, so weit runter hängen die Trauben (und natürlich haben wir das nur fürs Foto gestellt und keinen Winzer um seine Trauben betrogen).

Am Café Konrad legen wir einen kurzen Stopp ein. Wir sind sehr gut in der Zeit und können uns eine Mittagspause mit Erfrischung und Stärkung gönnen. Nach etwas Wartezeit erhalten wir einen Platz mit Aussicht aufs Tal. Die Holundersirup-Schorle erfrischt und um die Südtiroler Nudelsuppe kommt man einfach nicht drum herum.

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So gestärkt verlassen wir mit gefüllten Wasserflaschen das Café Konrad über den Algunder Waalweg. Die Aussicht aufs Tal ist mal wieder wunderschön. Es lohnt sich auf jeden Fall immer wieder der Blick zurück. Vor uns liegt schließlich das Schloss Tirol samt Dorf Tirol. Es ist nun wirklich nicht mehr weit: Ein Hochgefühl, es bald geschafft zu haben, vermengt sich mit dem Gedanken „Schade, es ist bald vorbei.“

Wir bleiben auf dem Waalweg, bis wir zu einer Schlucht kommen. Diese passieren wir über eine Hängebrücke. Ein paar hundert Meter müssen wir nun an der Straße entlang laufen. Hier ist allerdings mehr Fußgänger-Verkehr als motorisierter. Durch ein historisches Tor treten wir auf die Tappeiner Promenade. Die „Passeggiata Tappeiner Promenade“ ist insgesamt sechs Kilometer lang. Der erste Abschnitt wurde bereit 1893 eröffnet.

Die Promenade ist wunderschön zu laufen. Einerseits ist der Bereich toll angelegt und es gibt jede Menge Pflanzen zu sehen. Und natürlich bietet die Strecke viele wunderbare Panoramablicke auf Meran.

Wer möchte, kann bereits zwischendrin mehrmals nach Meran absteigen und kommt damit auf direkterem Weg zum Bahnhof oder in die Innenstadt. Wir wollen das Ankommen aber noch etwas herauszögern und umrunden die Stadt quasi von oben. Am Pulverturm vorbei, dann fangen die letzten Meter des Tappeiner Wegs an. Wir steigen ab zum Fluss Passer und spazieren am Ufer entlang Richtung Innenstadt. An der ersten Eisdiele gönnen wir uns ein Eis: Pistazie und Zitrone – so schmeckt Italien! In Höhe des Kurhauses folgt das obligatorische Foto mit dem Meran-Schriftzug. Dann schlendern wir Richtung Bahnhof, um mit dem nächsten Zug nach Bozen zu fahren.

Damit ist unser E5-Abenteuer geschafft, die Strecken-Wandertage zu Ende. Wir sind euphorisch und auch ein wenig stolz, es geschafft zu haben, zugleich aber traurig, dass es vorbei ist.

Pfälzerin, Redakteurin, Fernweh-Geplagte. Pfadi, Abenteuer-freudig und gerne unterwegs. Als stellvertretende Chefredakteurin bei der VRM und ausgebildete Redakteurin sorgt Jule dafür, dass alle Reiseerlebnisse sich im Blog wiederfinden. Abseits vom Dokumentieren kümmert sich Jule um die Orga und Planung vorab, denn das Reisegefühl startet bereits bei den Vorbereitungen.

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